26.05.2020 – Der kleine Storch verfällt in Akinese

“Guten Morgen, ich bin schon wach!”

Um sechs Uhr steckte das Küken sein Köpfchen unter Papas Flügeln hervor. Ob es schon Frühstück gab?

 

 

 

Ben war allerdings der Meinung, dass es dazu noch zu früh sei. Beide Alttiere füttern zwar nach Bedarf, aber es ist deutlich zu erkennen, dass Verdauungspausen strikt eingehalten werden. Würde der kleine Kerl bei jedem Betteln Futter bekommen, würde er ganz sicher platzen smile.

 

 

Bis halb sieben schlief er wieder brav und schaute recht verschlafen in die Umgebung, nachdem Ben ihn wachgekrabbelt hatte.

 

 

 

Zehn Minuten später tauchte Lilly mit Ästen im Schnabel auf.

 

 

 

Anschließend waren beide Alttiere bis sieben Uhr beim Putzen zu beobachten, dann steckte Junior sein Köpfchen in die Höhe und forderte erneut sein erstes Frühstück. Probieren kann ja nicht schaden.

 

 

 

 

Frühstück ab sieben Uhr

Während Ben seinen Ausflug startete, hatte das Küken Mamas Schnabel fixiert. Lilly hatte einen großen Happen Futter im Hals, den sie dem Küken servierte.

 

 

 

Sie schüttete nicht die gesamte Beute aus, sondern behielt für den nächsten Imbiss noch etwas im Hals zurück. Nach dem ausgiebigen Berg Würmer war das Küken zufrieden und ließ sich ohne Diskussion unter die Flügel nehmen.

 

 

 

 

Um halb acht gab es die restlichen Würmer zum zweiten Frühstück. Wenige Minuten später war der Hals des Kükens wieder dick und rund. Lilly nahm den Junior erneut unter ihre Flügel, damit sich das Futter in Größenwachstum umsetzen konnte.

 

 

 

 

 

Als Lilly zehn Minuten später nachschaute, ob es dem Nachwuchs gut geht, lag dieser mit vollem Bauch tief ins Stroh eingekuschelt und schlief.

 

 

Heute meinte es die Sonne sehr gut mit den Störchen. Das Nest war getrocknet und als Ben um halb zehn einflog, hatte das Küken noch keine Meinung, munter zu werden.

 

 

 

 

Papa Ben kraulte das Küken liebevoll mit seinem Schnabel, aber dessen Bäuchlein war noch so voll, dass es umkippte und weiterschlafen wollte.

 

 

Ordentlich gekleidet

Noch ist Ben aus rückwärtiger Stellung an seinem nackten Bauch zu erkennen. Da mittlerweise davon auszugehen ist, dass Junior ein Einzelküken bleibt, werden die Störche das Brüten in Kürze einstellen. Dann wird auch Ben wieder komplett “angezogen” zu sehen sein.

 

 

Lilly musste ebenfalls die Futterstelle mit den Fischchen entdeckt haben, denn sie war bis in den Brustbereich klatschnass im Nest aufgetaucht und ließ sich von der Sonne trocknen.

 

 

 

Nach einer kleinen Weile startete sie einen weiteren Ausflug und ließ Ben und das Küken ihre Verdauungsschläfchen fortsetzen.

 

 

Eine Dreiviertelstunde später hatte Junior ausgeschlafen und spürte, dass er wieder etwas Fressbares nachschieben konnte.

 

 

 

Ben spendierte Fische, die der kleine Kerl gierig in sich hineinstopfte.

 

 

 

 

Um halb zwölf zogen Wolken am Himmel auf, aber die hätte es gar nicht gebraucht. Ben verschaffte dem Küken durch seine Dehnungsübungen ebenso Schatten, sodass sich der Junior putzmunter fühlen konnte.

 

 

 

Lilly flog kurz nach halb zwölf ein und blieb bis zum Mittag zuusammen mit Ben auf dem Nest. Der Junior verschlief die gemeinsame Elternzeit. Nachdem Ben ausgeflogen war, wollte Lilly ihren Nachwuchs nicht wecken und blieb auf einem Bein stehen.

 

 

 

Der erste Schock im Leben

Eine Stunde später ertönte wildes Geklapper vom Nest. Um 13 Uhr hatten fremde Störche das Nest überflogen und Ben und Lilly klapperten, was das Zeug hielt. Die Fremden stellten allerdings keine Gefahr dar, denn sie flogen so hoch, dass sie auch von der zweiten Kamera nicht eingefangen wurden.

 

 

 

 

Während Ben und Lilly mit ihren Abwehrübungen beschäftigt waren, war vom Küken nichts mehr zu sehen. Es muss das erste Mal in seinem Leben in Akinese verfallen sein. Durch diese bewegungslose Starre wird es von Feinden nicht als lebendiges Wesen wahrgenommen und unter Umständen verschont. Aber Mama und Papa standen ja als Wachen auf dem Nest.

 

 

Während sich die Storcheneltern beruhigten, tauchte ganz langsam das Köpfchen des Kükens aus der Versenkung auf. Wenige Minuten später war es schon wieder so fit, dass es seinen Schnabel aufsperren und um Futter betteln konnte.

 

 

 

Das Küken beginnt mit dem Putzen

Ben war jedoch mehr für Streicheleinheiten. Der Körper des Kükens wurde vorsichtig mit seinem Schnabel massiert. Dadurch bildet sich beim Küken die Gewohnheit heraus, das Gefieder zu putzen. Noch ist es nur Flaum, der von den Alttieren gerichtet wird. Das Küken begann aber heute schon das erste Mal mit selbstständigen Putzversuchen.

 

 

 

 

“Na? Schläfst du noch?”

 

 

Als Ben um halb zwei wieder Licht ins Dunkel brachte, erwartete das Küken sehnlichst das nächste Futter.

 

 

Man muss nur höflich am Schnabel anklopfen…

 

 

…einmal den Hals zum Betteln ausstrecken…

 

 

 

…und, Sesam öffne dich, der Schnabel gibt das Futter frei.

 

 

Bald passt eine Maus in den Schnabel

Diesmal kämpfte Junior mit einem Riesenfisch, der die gleiche Größe wie der Knirps hatte. Nachdem er das Ungetüm verschluckt hatte, passte nichts weiter hinein. Das Küken konnte auch den Hals nicht mehr zusammenziehen, sondern saß kerzengerade im Nest. Anschließend kippte es einfach um und Ben machte gemeinsam mit dem Küken ein ausgedehntes Mittagsschläfchen.

 

 

 

 

Lilly traf eine Stunde später ein und fand Ben und das Küken dösend im Nest vor. Ben ließ sich überreden, den Platz für Lilly zu räumen und startete zum nächsten Wasserloch.

 

 

 

 

 

Lilly wollte sich auch ein kleines Schläfchen gönnen, denn das Küken hatte noch immer seinen Riesenfisch im Magen und rührte sich nicht.

 

 

Nach einer halbstündigen Pause waren Mutter und Kind wieder erwacht. Das Küken kuschelte ein wenig in der Sonne, während Lilly Gefiederpflege betrieb.

 

 

 

Der große Fisch hatte das Küken für lange Zeit gesättigt und den Nachmittag über schien sein Appetit gestillt.

 

 

Wie kann man nur so viel fressen?

Bis 18 Uhr herrschte Ruhe im Storchennest. Dann flog Ben wieder ein und brachte frisches Grün nach Hause. Anschließend war das Küken hinter einem grünen Wall verschwunden und ließ sich nur sehen, wenn es den Hals in die Höhe streckte. Der Wind pustete allerdings so kräftig, dass viele Grashalme aus dem Nest gewirbelt wurden und den Blick auf das Jungtier wieder freigaben.

 

 

 

 

 

 

 

Um 18:08 Uhr gab es für das Küken Abendbrot und es verschlang den Berg Futter so gierig, als ob es den ganzen Tag nichts zu fressen bekommen hätte. Die längeren Fütterungspausen sind wirklich notwendig, damit sich der kleine Kerl nicht überfrisst. Normalerweise würde sich das Futter auf mehrere Küken verteilen, unser Junior darf alles alleine fressen und wächst in jeder Minute smile.

 

 

 

 

Satt, zufrieden und aufgewärmt ging es anschließend wieder ins Bett. Unser Junior lebt in einem Schlaraffenland und genießt Vorteile, die die wenigsten Storchenkinder erleben können. Er hat das Nest für sich alleine, muss sich mit niemandem streiten und hat alles Futter sowie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern für sich selbst. Besser geht es nicht smile.

Alles Liebe kleiner Storch und hab eine gute Nacht smile.

 

 

Und hier noch ein paar Highlights vom heutigen Tag

 

 

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4 Kommentare
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Echt immer süß und niedlich geschrieben… Das geht echt ins Herz ❤️

Prima ein wahres Gedicht Ev 

Schade, daß unser Kücken, so wie es aussieht, kein Geschwisterchen bekommt. Aber dafür wächst es in Saus und Braus auf und die Eltern haben ohne Ende Zeit für den kleinen Storchi. Ich hoffe, es geht in den nächsten Monaten alles gut und Storchi wird groß und stark.

Vielen Dank Ev. Ich würde mich über die Highlights sehr freuen. Bin begeisterte Tagebuchleserin 😀

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