22.05.2020 – Alles bleibt rätselhaft

5:08 Uhr und alles ist friedlich im Storchennest. Eine halbe Stunde später gibt Lilly den Blick auf die ersten Sonnenstrahlen frei, die sich im weiteren Verlauf des Tages nicht weiter zeigen sollten.

 

 

 

Die ersten grauen Wolken tauchten eine Viertelstunde später auf und weiteren Sonnenschein gab es für die Störche heute leider nicht.

 

 

Das zweite Küken

Wie es mit dem zweiten Küken weitergeht, ist ungewiss. Im Laufe des Tages waren ab und an die Füßchen zu sehen, manchmal tauchte auch der kleine Schnabel auf. Es sieht so aus, als ob es die meiste Zeit liegt und nicht richtig hochkommt. Das wären keine guten Voraussetzungen. Möglicherweise hat es sich beim Schlüpfen Verletzungen zugezogen, die das Aufsetzen erschweren. Es ist im Vergleich zur Schlupfgröße des ersten Kükens auch sehr klein. Wir müssen also abwarten und mit bestärkenden Gedanken helfen, dass sich die Situation stabilisiert.

 

 

 

 

Kurz nach acht Uhr übernahm Ben das Behüten seines Nachwuchses. Mit dem im Nest liegenden Stroh baute er sich komplett ein, sodass er als auch die Küken und Eier warm eingepackt waren. Lilly tauchte um halb neun im Nest auf, aber Ben war nicht gewillt aufzustehen.

 

 

 

 

 

 

 

Um halb elf waren wieder beide Storcheneltern gleichzeitig zu sehen, vom Küken fehlte jede Spur. Es war so vollgefuttert, dass es in tiefem Schlaf lag und den Schichtwechsel gar nicht mitbekam.

 

 

 

Eine Pause für den Altstorch und etwas frische Luft für den Nachwuchs. Vom zweiten Küken ist nichts zu erkennen, das erste Küken schläft und ob noch ein oder zwei Eier im Nest liegen, ist auch nicht zu sehen smile. Dieses Jahr ist alles anders als im Vorjahr, da schlüpfte ein Küken nach dem anderen problemlos aus dem Ei, nur Leni wusste das leider nicht zu schätzen.

 

 

 

Gibt es was zu futtern?

Junior 1 futterte auch heute wieder wie ein Weltmeister und wenn man die Happen pro Mahlzeit mitzählt, werden es jeden Tag mehr. Passten vor zwei Tagen “nur” zwei kleine Fischchen in den Bauch, waren wir heute schon bei fünf Stück. Der letzte Bissen musste zwar hinuntergewürgt werden und das Küken versuchte mit energischem Kopfschütteln, den Fisch eine Etage tiefer in den Magen zu bugsieren. Ab und an saß es mit aufgesperrtem Schnabel da, in der Hoffnung, dass die Schwerkraft auch auf den im Hals steckenden Fisch wirkenden würde.

 

 

 

 

Was Junior nicht schafft, darf das Alttier haben. Ben und Lilly lassen sich die “Reste” schmecken, aber der Junior hat immer Vorrang.

 

 

 

 

So, jetzt ist der Bauch bei beiden voll. Das Küken kann sich nicht mehr in der Senkrechten halten und muss ein Schläfchen machen, ob es will oder nicht.

 

 

Wer schaut denn da unterm Flügel hervor?

So gut behütet ist das auch gar nicht schlimm, wenn die Eltern die Flügel über den Küken ausbreiten. Das älteste Jungtier hatte heute entdeckt, wie man am warmen Bauch der Eltern bleiben und trotzdem rausschauen kann. Um halb fünf tauchte plötzlich ein kleiner Schnabel unter dem Flügel auf und nur wenige Sekunden später erschien das Köpfchen und anschließend machte das Küken einen langen Hals, um aus den Federn hervorzuschauen.

 

 

 

So lässt es sich aushalten. Frischluft und angenehme Wärme gleichzeitig. Besser geht es nicht.

 

 

Auch Lilly scheint mit dieser Lösung zufrieden. Das Küken kann seinen Kopf jederzeit hinausstrecken oder sich zum Schlafen hinlegen und muss nicht länger den elterlichen Bauch mit Schnabelstößen tracktieren, weil es an die frische Luft möchte.

 

 

 

 

Fisch bis zum Abwinken

Ein weiterer Schichtwechsel erfolgte um fünf Uhr. Lilly verließ das Nest und Ben versorgte den Nachwuchs mit Fisch. Er war anscheinend wieder im überschwemmten Wiesenbereich unterwegs gewesen, denn auf seiner Speisekarte stehen zurzeit ständig Wassertiere. Den Junior freut es und er stopfte sich wieder ein Fischlein nach dem anderen in den Schnabel. Da er nach wie vor keine Futterkonkurrenz hat, wird er sich bis zum Abflug im Sommer in der Größe und Statur von seinen Geschwistern unterscheiden. Im letzten Jahr waren die beiden Jungtiere nur ca. 12 Stunden auseinander. Eines schlüpfte morgens, das andere abends. Den “Altersunterschied” konnte man aber auch nach 2,5 Monaten noch sehen.

 

 

 

 

Wenn man den Hals ganz lang macht, könnte noch ein Fisch hineinpassen. Wie bekommt man den Hals dann aber wieder auf normale Größe??

 

 

 

Je mehr Fisch der kleine Krümel in sich hat, desto größer scheinen seine Augen zu werden smile.

 

 

Und jetzt ist Verdauungszeit. Fressen kann ja sooo anstrengend sein.

 

 

Anscheinend haben Babystörche einen Turbostoffwechsel, denn nur eine Viertelstunde später, saß das Küken schon wieder mit nach oben gestrecktem Hals im Nest. Natürlich gab es sofort die nächste Mahlzeit. Papa Ben hatte noch einige Reserven im Hals zurückgehalten.

 

 

Jetzt sollte aber einen Moment geschlafen werden. Zumindest Ben hätte gegen ein Nickerchen bestimmt nichts einzuwenden gehabt. Junior hatte allerdings andere Pläne. Immerhin ist er schon in der Lage, einige Zentimeter im Nest herumzurutschen. Und ihn interessiert alles, was in der Nähe ist.

 

 

 

Und fressen könnte man bei der Gelegenheit doch auch gleich wieder. Wenn man schon wach ist…

 

 

 

 

Ben war für eine Pause sehr dankbar und das Küken verschlief einige Minuten brav unter den Flügeln.

 

 

 

 

Regenwetter bedeutet schlafen gehen

Gegen halb acht setzten Wind und Regen ein und das Hervorschielen unter Papas Flügeln hatte für heute ein Ende.

 

 

Noch eine Futterrunde für den Nachwuchs und anschließend wurde alles dichtgemacht. Es regnete nicht lange, aber dafür kräftig.

 

 

 

Das Küken durfte schnell noch einen Moment gucken, aber es bekam nur ein nasses Köpfchen und war daher damit einverstanden, dass Ben seine Flügel gleich wieder ausbreitete und sich hinsetzte. Um halb zehn wurde noch ein spätes Abendbrot spendiert und das restliche Geschehen konnte nur von unserer Spinne beobachtet werden, die es sich vor der Kamera gemütlich gemacht hat. Vielleicht wäscht der Regen das Netz wieder weg, dann lässt sich auch nachts wieder ins Nest schauen.

 

 

 

Bis morgen früh, ihr Lieben. Schlaft gut und haltet einander warm.

 

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2 Kommentare
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Es wird sich meiner Ansicht nach nur noch halbherzig um die beiden verbliebenen Eier gekümmert,nur etwas gestochert,nicht mehr gewendet. Die Störche spüren und hören vielleicht,dass sich hier nichts mehr tun wird. Meiner Meinung wird es bei dem einen Küken ( Junior) bleiben. Aber das wird dann ordentlich satt und betuttelt werden.

ich habe gesehen das sie gedreht werden . aber wir können auch nicht wirklich was sehen es ist zu verdeckt . wird müssen abwarten was beschied
.

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