25.06.2020 – Ben wittert Feinde

Morgens um halb sechs stand Lilly auf dem Nest und bewachte den Schlaf des Kükens. Der Himmel war zwar mit dunklen Wolken verhangen, aber die zogen innerhalb der nächsten Stunden ab und ließen strahlenden Sonnenschein zurück.

 

 

 

Der nächste Schichtwechsel erfolgte nur wenig später und Ben durfte sich den weiteren Morgen seine Zeit auf dem Nest vertreiben.

 

 

 

Junior begann kurz vor sechs Uhr mit seinem Übungsprogramm und ruderte mit seinen Flügeln, was das Zeug hielt.

 

 

Da ist was im Busch…

Um acht Uhr hatte sich die Wolkendecke noch nicht gelichtet, was für die Störche angenehme Morgenkühle bedeutete. Ben hatte heute einen merkwürdigen Tag. Ständig stand er klappernd im Nest und verkündete lautstark, dass er der Herr dieses Nestes sei. Er war sehr unruhig, drehte sich häufig im Kreis und behielt den Himmel ständig im Auge.

 

 

 

Um 8:12 Uhr verließ er das Nest, aber nur, weil Lilly eine Minute später im Anflug war und “Blümchen” mitbrachte.

 

 

 

Neben den Blümchen hatte die Störchin auch getrocknete Maisblätter ins Nest geschleppt, die ihr anfangs noch um den Hals flatterten. Der Wind pustete die ersten Blätter sofort vom Nest, mit den restlichen Pflanzen sollte das Küken wohl spielen.

 

 

 

 

 

Zuerst wollte Junior aber sein Frühstück, danach ließ sich über eine kreative Phase reden.

 

 

Das Küken war satt (vorübergehend) und nach dem Fressen wurde das Gefieder gepflegt. Auch Junior verbringt mittlerweile die meiste Zeit des Tages mit Putzen und sortiert jede einzelne Feder.

 

 

Irgendwann forderte die Verdauung aber ihr Recht und ließ das Küken einfach umfallen. Schlafen ist wichtiger Bestandteil des Turbowachstums. smile

 

 

Ein Riesenküken (nicht nur wegen Größe und Gewicht)

Um zehn Uhr lag das Küken immer noch oder schon wieder der Länge nach ausgestreckt im Nest. Der Kopf lag am rechten Nestrand, den linken Flügel hatte es ausgestreckt und dieser hing über den Nestrand hinunter. Würde das Küken in der Mitte des Nestes stehen und die Flügel ausstrecken, würde es den Nestdurchmesser damit überragen. Vor gut zwei Monaten waren sie nur 2-3 cm lang und was bis heute aus ihnen geworden ist, lässt einen nur staunen.

 

 

Um zehn Uhr standen Lilly und Ben gemeinsam auf dem Nest. Ben löste Lilly ab und die Störchin brach zur Futtersuche auf.

 

 

Bei diesen Bildern ist sehr gut zu sehen, wie der kleine Storch seinen Schnabel in den Schnabel des Alttieres stopft und gefährlich in Augennähe herumstochert. Je größer das Jungtier wird, desto gefährlicher ist die Fütterung für die Eltern. smile

 

 

 

 

Und wieder hatte es Junior dahingerafft. Wachsen ist so anstrengend. Zuerst muss man soooo viel fressen und dann ständig umfallen und schlafen.

 

 

Proteine zum Wachsen

11:26 Uhr – Schichtwechsel auf dem Storchennest. Lilly und Ben trafen sich für zwei Minuten auf dem Nest, dann flatterte Ben los und Lilly versuchte, ihre Beute aus dem Hals zu bekommen.

 

 

 

Auch die Störchin hatte es nicht leicht, während Juniors Schnabelattacken alle Heuhüpfer auf den Nestboden zu bekommen. Das Küken durchforstete den gesamten Nestboden und suchte nach Insekten, die beim Herausfallen unter das Stroh geraten waren.

 

 

 

Die Stehübungen werden auch immer mehr und länger. Solange sich das Küken nicht bewegt, klappt es ganz gut mit dem Aufrichten. Aber im Sitzen fühlt sich Junior noch am wohlsten.

 

 

Fremder Storch im Anflug

Um halb eins bestätigte sich Bens Gefühl, dass heute etwas passieren würde, denn ein Fremdstorch wagte sich in das Territorium der Storchenfamilie.

 

 

 

Zuerst saß Junior einen Moment alleine auf dem Nest, dann tauchte Ben auf und anschließend flog Lilly ebenfalls ein. Das war gut, denn im Hintergrund kreiste der fremde Storch um das Nest und zog mehrfach seine Runden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fünf Minuten später hatte sich alles beruhigt und die Welt war wieder in Ordnung.

 

 

 

 

Die Federn wurden gerichtet, Lilly war vom Nest verschwunden und der Schreck war vergessen.

 

 

 

Der Alltag hatte die Störche wieder und das bedeutete, dass unser Junior in seinem Bettchen lag und schlief.

 

 

Kurz nach zwei Uhr war Familie Storch wieder vereint und Lilly übernahm die nächste Schicht.

 

 

 

 

Zuerst schien das Küken gar nicht an Futter interessiert, als Lilly aber den Kopf senkte und den Schnabel aufsperrte, war es sofort zur Stelle. smile

 

 

 

Es geht doch nichts über den Lieferservice und Hotel Mama!

 

 

 

Umfallen am Nestrand ist gefährlich

Eine Stunde später war zu sehen, dass Junior noch ein wenig Übung braucht, um sicher zu stehen. Zuerst musste der linke Flügel ausgefahren werden, um das Gleichgewicht zu halten. Anschließend wurde der Schnabel eingesetzt, um nicht vorwärts umzupurzeln.

 

 

 

 

Ben machte um vier Uhr eine Pause auf dem Nest, brachte Futternachschub und ruhte sich mit dem Küken aus.

 

 

Kurz nach vier Uhr hatte das Küken erneut Standschwierigkeiten, die im Video zu verfolgen sind.

 

 

 

 

 

 

“Alles gut! Ich bin weich gelandet!”

 

 

Das Küken machte sich nichts daraus. Im Gegenteil, jetzt begann es mit seinen Flugübungen. Wer auf die Nase fällt, der soll aufstehen und es noch einmal versuchen. Und unser Junior hält sich daran smile.

 

 

Schichtwechsel aus anderer Perspektive

Gegen fünf Uhr machte Ben erneut Rabbatz. Zuerst versammelten sich beide Alttiere auf dem Nest, anschließend zog Ben seinen Kriegstanz ab.

 

 

 

 

Lilly verließ das Nest und flog zielgerichtet über die Gärten hinweg nach unten auf die Wiese. Vielleicht hatte Ben mit scharfem Auge etwas Fressbares gesichtet und Alarm geschlagen, dass Lilly die Beute einfangen sollte…

 

 

 

Wenige Minuten später verließ auch Ben das Nest, während Lilly im nächsten Moment mit Stroh einflog.

 

 

 

 

Einmal duschen bitte!

Die Störchin war auch am Wasser vorbeigeflogen und hatte Flüssigkeit und Futter getankt. Zuerst musste sie das Wasser loswerden und das Küken war für die Erfrischung dankbar.

 

 

 

 

Erst Wasser in den Hals und dann wurden Kopf und Hals des Kükens unter Wasser gesetzt, bis es pitschnass war. Juniors Lebensgeister wurden sichtlich lebendig, denn die Hitze hatte dem Küken am Nachmittag sehr zugesetzt. Obendrein wehte im Nest ein kräftiger Wind, der das nasse Küken zusätzlich kühlte.

 

 

 

 

 

Der späte Nachmittag wurde wieder mit Aufräumarbeiten verbracht, während die Sonne das Küken trocknete.

 

 

 

 

 

 

 

Die Storcheneltern haben Ausgang

Um halb zehn saß das Küken nochmals alleine im Nest und konnte den Sonnenuntergang in völliger Stille genießen. Diesmal war das Jungtier über eine halbe Stunde alleine im Nest und wartete auf seine Eltern. Ben flog um 22 Uhr ein, dicht gefolgt von Lilly. Nach wenigen Sekunden schwang sich Ben erneut in die Luft und verabschiedete sich in “sein” Schlafzimmer, während Lilly die Nachtwache übernahm.

 

 

 

 

 

Ben klapperte noch einen Gutenachtgruß zu seiner Familie hinüber und damit war der Storchentag beendet. Wir wünschen eine kühle Nacht und ein friedliches Erwachen. Schlaft gut!

 

 

 

 

 

 

 

 

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