02.07.2020 – Kein Platz für fremde Störche

Schon wieder alle ausgeflogen? Kurz vor fünf Uhr war Junior alleine auf dem Nest zu sehen, aber gleich darauf flog Ben ein und die Welt war wieder in Ordnung. Das Küken bekam sein Frühstück und der Storchenpapa blieb bis halb sieben bei seinem Nachwuchs.

 

 

 

 

 

 

 

Dann flog Lilly ein und beide Alttiere schienen sehr damit beschäftigt, das Nest zu kontrollieren.

 

 

 

“Hallo? Würde wenigstens einer Futter rausrücken??”

Juniors Blick wanderte von einem Altvogel zum anderen, aber keiner der beiden schien an eine Fütterung zu denken. Ben verließ sogar das Nest, was die Auswahl an potenziellen Futterspendern verringerte. Also musste Junior mit Mama Storch vorliebnehmen und hoffen, dass diese sich nicht nur um die Nestordnung kümmerte.

 

 

 

 

 

“Besser mal nachfragen, ob da was für mich drin ist!”

 

 

Natürlich hatte Lilly Frühstück mitgebracht. Als sie den Schnabel öffnete, kam ein großes Würmerpaket zum Vorschein. Vorsichtshalber behielt Lilly einen Teil des Futters noch im Schnabel. Man muss ja nicht alles auf einmal fressen.

 

 

“Ich muss mal ganz genau suchen, vielleicht ist ein Würmchen unter das Stroh gerutscht.”

 

 

Bei diesem Bild könnte sich schon die Frage stellen, wer hier wer ist. Junior ist im Sitzen genauso groß wie das Alttier. Nur die Körperlänge verrät, dass es sich um ein Jungtier handelt. Das “Küken” muss noch etwas in die Länge wachsen, dann hat es die gleiche Größe wie die Eltern.

 

 

Keiner daheim?

Junior hatte sturmfreie Bude und musste diesmal über eine Stunde warten, bis ihn ein großer Storch auf dem Nest besuchte. Ben flatterte gegen neun Uhr ein und brachte frisches Stroh mit. Nachdem Junior dieses ordentlich verteilt hatte, wartete er auf eine Belohnung in Form von Futter, die Ben großzügig spendierte.

 

 

 

 

 

 

Was ihm diesmal aus dem Schnabel fiel, war wieder undefinierbar. Es war ein brauner Klumpen, der wie dicker Brei auf das Küken heruntertropfte. Junior stand ungünstig, sodass ihm das “Futter” direkt auf den Kopf fiel und er es vom Boden aufnaschen musste. Aber es schien zu schmecken, daher war die Konsistenz nebensächlich.

 

 

 

Junior war noch mit Fressen beschäftigt, als Ben das Nest verließ. Er war gerade fertig, da wurde Nachschub geliefert, denn Lilly kehrte mit vollem Hals zum Küken zurück.

 

 

Bei der Störchin dauerte es etwas länger, bis das Futter den Hals verließ, denn Lilly hatte wieder ein Heupferdchenversteck ausgehoben. Nun versuchte sie, die Krabbler aus dem Hals zu bekommen, während ihr das Küken gleichzeitig seinen Schnabel in den eigenen Schnabel steckte.

 

 

 

 

Fertig. Alle Heuhüpfer waren in Juniors Bauch gelandet und das Küken war mit Verdauen beschäftigt. Ab und an ließ sich noch ein liegengebliebenes Häppchen zwischen den Strohhalmen finden, aber dann musste in Ruhe verdaut werden.

 

 

 

 

Was füttert Ben?

Um halb zwölf war Junior immer noch schlafend anzutreffen. Da Ben jedoch wenige Augenblicke später einflog, entschied sich Junior zum Aufwachen. Zumindest lohnte es sich nachzusehen, ob der Storchenpapa wieder Futter mitgebracht hatte. Anschließend könnte man ja weiterschlafen.

 

 

 

 

Der Gedanke war gut, denn Ben hatte drei Futterstücke im Gepäck. Was diesmal auf der Speisekarte stand, lässt sich nicht sagen. Relativ groß, orangefarben und anscheinend noch in einer schleimigen Fruchthülle – keine Ahnung, was Ben da geräubert hatte.

 

 

 

 

Juniors Bauch war gefüllt und das Küken bedankte sich mit energischem Flügelschlagen. Da Ben einem Mittgsschlaf ebenfalls nicht abgeneigt war, sah man beide Störche um halb eins friedlich zusammen im Nest liegen. Der Himmel war mit grauen Wolken bedeckt, daher wurde es auch zur Mittagszeit nicht heiß und Familie Storch genoss ihr Schläfchen.

 

 

 

 

Das Gewitter macht einen Bogen um Fohrde

Schon eine Stunde später hatte sich der Himmel derart verdunkelt, dass man mit einem Gewitter rechnen musste. Das blieb glücklicherweise aus und die Regenwolken suchten sich einen anderen Ort, um ihr Wasser loszuwerden.

 

 

Mittlerweile hatte Lilly ihren Wachdeinst angetreten, lag mit Junior im Nest und sortierte sich Stroh unter den Bauch.

 

 

Das Unwetter hatte sich verflüchtigt, die Sonne war durchgebrochen und Junior unternahm um halb drei seine Flugübungen. Der kleine Storch hüpfte durch das Nest und wedelte aufgeregt mit den Flügeln. Irgendwann würde auch er vom Nestboden abheben. Zumindest sagt ihm das sein Instinkt, auch wenn ihn sein Gewicht noch auf dem Boden hält. smile

 

 

 

Lass uns noch ein wenig kuscheln

Nur nicht zu viel bewegen – gemäß diesem Ratschlag hatte sich Familie Storch kurz vor vier Uhr wieder niedergelassen. Auf den ersten Blick lässt sich nur das Küken erkennen. Bei genauem Hinsehen ist Lillys Kopf hinter dem Küken zu sehen. smile

 

 

 

Kuschelstunde bei den Störchen. Lilly beobachtet die Gegend und Junior legt seinen Kopf ab. Der ist zwar nicht ganz so schwer wie der Bauch, aber Mama passt ja auf, da kann man entspannt schlafen und sich ganz lang ausstrecken. Für diese liebevolle Betreuung musste das Küken doch glatt eine Umarmung loswerden und deckte Lilly vorsichtig mit seinem Flügel zu.

 

 

Um vier Uhr wurden Verdauungs- und Schönheitsschläfchen beendet und das große Putzen stand auf dem Plan.

 

 

Ein wenig unter dem Flügel putzen und jede Rückenfeder unter die Lupe nehmen. Mittlerweile haben auch Juniors Federn eine Länge, mit der das Küken beim Putzen ausgiebig beschäftigt ist. Jede einzelne Feder wird über den Schnabel gezogen, um sie zu fetten und in die richtige Position zu bringen.

 

 

 

Um halb sechs bewachte Ben das Nest samt Küken und hatte seine muntere Phase. Er schaute ein wenig über den Nestrand, sortierte einige Strohhalme um und beobachtete den Nestboden, ob sich dort vielleicht etwas Fressbares zeigen würde.

 

 

 

 

Um halb neun gab es eine Abendbrotportion, anschließend blieb Ben beim Küken auf dem Nest und wartete auf Lilly.

 

 

 

Besuch für 2 Stunden

In der Zwischenzeit hatte sich etwas auf dem zweiten Nest getan. Um fünf Uhr war ein fremder Storch eingeflogen und hatte es sich auf dem zweiten Horst gemütlich gemacht. Er legte sich hin und beobachtete die Gegend. Ben war zwar auf dem ersten Nest, hatte aber anscheinend nichts dagegen einzuwenden. Ihn störte der fremde Storch nicht, solange er mit Junior seine Ruhe hatte. Lilly würde das schon regeln.

 

 

 

 

 

Das tat die Störchin auch, als sie um sieben Uhr bei Ben und Junior landete. Ein kurzer Blick hatte genügt und ihren Verteidigungsinstinkt geweckt. Während sich Lilly in die Luft erhob und das zweite Nest ansteuerte, hatte der fremde Storch die Gefahr erkannt und flüchtete. Mit Lilly ist nicht gut Kirschen essen, wenn es um den Zweitwohnsitz geht. Die Möglichkeit, zwei Nester gleichzeitig zu bewohnen, dürfte ziemlich einmalig sein. Deshalb wird sie in jedem Fall verteidigt.

 

 

 

 

 

 

Lilly richtete sich vorsorglich am Abend auf dem zweiten Nest ein. Man kann ja nie wissen, wer hier noch vorbeikommt.

 

 

Um halb neun wechselten Ben und Lilly die Plätze und Ben bewachte in der Nacht den zweiten Horst. Sicher ist sicher.

Gute Nacht und schlaft gut, ihr Störche.

 

 

 

 

 

 

 

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