03.07.2020 – „Wir gehen dann mal auf Vogelfang…“

Heute fangen wir mit einem Film an, bei dem Lars die Störche vor die Kamera liefen und ihren Storchentag auf dem Dach begannen:

 

 

 

Um halb sechs standen Lilly und Junior einträchtig beieinander, ließen sich von den ersten Sonnenstrahlen bescheinen und warteten auf Bens Rückkehr.

 

 

„Frühstück???“

Lilly machte sich um halb sieben auf die Suche nach ihrem Storchengatten und ließ Junior zurück, der weiterhin auf das nächste Frühstück warten musste.

 

 

 

Das Küken war nur zehn Minuten alleine auf dem Nest, da landete Ben neben seinem Nachwuchs und wurde erwartungsvoll von diesem empfangen. Landet ein großer Storch im Nest, bedeutet es (in den meisten Fällen) Futter.

 

 

Das Küken bekam Frühstück und wurde anschließend bei seinem Verdauungsschläfchen von Ben bewacht. Mittlerweile hat es sich derart eingespielt, dass die Storcheneltern die meiste Zeit auf dem Nest verbringen, wenn sie nicht auf Futtersuche sind. Stundenlanges Alleinesein scheint wieder der Vergangenheit anzugehören.

 

 

 

 

 

Carpe diem, das Küken nutzt das Alleinesein

Von halb acht bis halb neun wurde geschlafen, dann verließ Ben das Nest und Junior vertrieb sich die Wartezeit mit Flugversuchen. Viel Zeit blieb ihm dafür nicht, denn zwanzig Minuten später flatterte Ben erneut ein. Lilly hatte anscheinend die Zeit verpasst oder noch keine Lust auf einen Schichtwechsel. smile

 

 

 

 

 

Ob Mama oder Papa auf dem Nest sind, war dem Küken egal. Junior verdaute noch sein Frühstück und Ben stocherte in den Schwanzfedern seines Nachwuchses herum.

 

 

 

 

 

Lilly hatte sich auch wieder eingefunden und um zehn Uhr war Familie Storch komplett versammelt. Bis zum Mittag übernahm Lilly die Kinderbetreuung, indem sie Junior zuerst fütterte, sich und das Küken putzte und Ausschau hielt, dass niemand das Nest ansteuerte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie geht das mit dem Stehen auf einem Bein?

Dieses Bild zeigt, dass Junior schon erfolgreich auf einem Bein stehen kann. Manchmal muss der Schnabel noch zum Abstützen dienen, aber der Rest klappt. Das Storchenkind ist auch dabei herauszufinden, wie sich die Sache mit dem Einrastemechanismus verhält. Damit der Storch sich ohne Umfallen auf einem Bein halten kann, gibt es ein Gelenk im Bein, das das Storchenbein durch Einrasten unbeugsam macht. So können sich die Tiere auch beim Schlafen in der Senkrechten halten, obwohl die Kontrolle über den Körper beim Schlafen verloren wird. Um das Bein wieder zu knicken, muss diese Starre anschließend ausgerastet werden.

 

 

Wenn sich der große Storch säubert,…

 

 

… muss Junior das unbedingt nachmachen. Mama legt den Kopf in den Nacken – Junior auch.

 

 

 

Aber Junior scheint gelenkiger. smile

 

 

Um 13 Uhr tauchte Ben zur Ablösung auf. Lilly hatte Junior jetzt genug gehütet und überließ Ben das Küken, während sie auf die Wiesen unterhalb des Nestes flatterte.

 

 

 

 

 

Junior ergriff die Chance und schnappte nach Bens Schnabel, um diesem deutlich zu machen, dass es Futterzeit sei. Das Küken schnäbelte so wild, dass sich Ben in ständiger Verletzungsgefahr befand. Am liebsten schnappt das Küken nach der Halspartie unterhalb des Schnabels und zwickt dort hinein, um seinen Futterforderungen Nachdruck zu verleihen.

 

 

 

Erfolgreich gefüttert smile.

Der Storchenpapa hat überlebt.

 

 

Während Junior sich auf sein Verdauungsschläfchen vorbereitete, bekam er noch eine Lektion in Verteidigungsstrategien. Ben zeigte seinem Nachwuchs, wie man sich beim Anblick potenzieller Feinde verhalten sollte.

Und so wird das gemacht:

Zuerst muss gründlich Ausschau gehalten und der Feind fixiert werden.

 

 

Anschließend muss der Kopf so weit in den Rücken gelegt werden, dass das „Kinn“ zu sehen ist. Weil das in solch einer Situation so stark durchblutet wird, dass es feuerrot wird und zur Abschreckung dient.

 

 

Nächster Schritt: Der Kopf wird blitzartig wie ein Schwert nach vorne gestreckt, um Eindruck zu schinden und groß zu erscheinen.

 

 

Sollte das noch nicht geholfen haben, werden die Flügel ausgefahren, um größentechnische Überlegenheit zu demonstrieren. Man beginnt mit einem Flügel und falls der andere klemmt, klappert man noch ein wenig dazu. Das dürfte dann helfen.

 

Nach dieser interessanten Vorführung fiel Junior in einen tiefen Schlaf. Möglicherweise muss Ben seine Vorführung noch einmal wiederholen.

 

 

Der Wetterflüsterer

Um halb zwei war Ben immer noch auf dem Nest zu sehen, während Lilly alle verfügbaren Heupferdchenvorkommen einsammelte. Ben und Junior sahen zu, wie sich der Himmel verdunkelte und wieder Regen und Gewitter ankündigte.

 

 

 

 

Papa Ben war so nett und verjagte die Wolken, damit Junior heute Nacht ein trockenes Bett hat. Es funktionierte, denn um halb drei hatten sich die dunklen Wolken verzogen und die Sonne blinzelte auf das Storchennest nieder.

 

 

Duettputzen

„Legt Papa den Kopf nach links, mach ich das auch.“

 

 

„Wird die Brust geputzt, mache ich das auch.“

 

 

„Steht Papa auf einem Bein, mache ich das auch…“

(Aber nur für einen Moment, sonst legt es mich lang.“)

 

 

Ben und Junior kundschafteten das Nest nach Nahrungsresten aus. Richtig saubergemacht wurde schon seit Tagen nicht mehr. Daher ließen sich etliche Krümel finden und es sah nach einem Wettstreit aus, wer schneller den nächsten Happen finden würde.

 

 

Alles aufgefressen – Nest wieder sauber.

 

 

Hurra, es gibt richtiges Futter!

Nach dem Resteessen ist vor Mamas Fütterung. Lilly hatte genügend Krabbler eingesammelt und war wieder eingeflogen. Auch sie konnte ihr Futter nicht ohne Blessuren ausschütten, zumal sie bei den Heupferdchen länger braucht, als bei einer Portion rutschiger Würmer.

 

 

 

„Da muss ich wohl nachhelfen und mir mein Futter selber rausholen.“

 

 

 

Der Bauch war gefüllt, aber Heupferdchen liegen nicht schwer im Magen. Daher konnte das Storchenkind schnell noch ein wenig das Fliegen üben. Vielmehr das Hochhüpfen, das mit Heuhüpfern im Bauch anscheinend besonders gut ging. Immerhin löste sich der kleine Storch schon ca. 15 cm vom Nestboden. Zuerst muss auch die Sprungkraft trainiert werden, das Fliegen kommt dann später.

 

 

 

„Juchuuu! Ich fliege! Jetzt muss das nur noch irgendwie im Vorwärtsgang gehen.“

 

 

 

Nun aber schnell eine Pause machen. Viel geschlafen hatte Junior heute noch gar nicht.

 

 

 

„Schon wieder Futterzeit?“

Ben war dran, das Küken zu bespaßen und stopfte diesem zuerst mit Mäusen den Schnabel. Bis zehn Uhr waren er und Junior alleine auf dem Nest, beobachteten den Sonnenuntergang und ließen sich von den letzten Sonnenstrahlen wärmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Um zehn Uhr flog Lilly ein und eine Minute später verabschiedete sich Ben in sein privates Nachtquartier. Hier hat er genug Platz zum Hinlegen und kann sich vom Kükenhüten erholen. smile

 

 

 

 

Habt eine gute Nacht und bis morgen, ihr Störche.

 

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
2 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Lars, der Storchenflüsterer, ein cooles Storchencomic.

Schön, wie ihr euch immerwieder nette Kommentare einfallen lasst,
Das Lesen und das Schauen wird nie langweilig.
Danke!
Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag

nach oben scrollen