18.06.2020 – Familie Storch bekommt (kurzzeitig) ein Haustier

Ein Blick in das nächtliche Nest zeigte Ben, der es sich auf dem zweiten Nest gemütlich gemacht hatte. Wahrscheinlich wird der Platz mit unserem kugelrunden Küken etwas eng, sodass sich Ben eine eigene Wohnung genehmigt. Immerhin ist er in der Nähe, falls er nachts gebraucht werden sollte.

 

 

 

 

Ein trockenes Nest, ein leicht bedeckter Himmel und Frühstück kurz nach fünf Uhr – ein perfekter Tagesanbruch für das Küken. Papa Ben deckte den Frühstückstisch und füllte das Bäuchlein seines Juniors, nachdem er Lilly von der Nachtschicht abgelöst hatte.

 

 

 

 

Stroh im Überfluss

Die Storchenmutter brach zur Futtersuche auf und schleppte eine Stunde später frisches Stroh ins Nest. An diesem Baumaterial herrscht kein Mangel, da die Störche jederzeit nebenan Stroh holen können. Junior wurde trotz warmer Temperaturen im Stroh eingepackt und saß bald in einer hohen Mulde.

 

 

 

Das Küken machte sich sofort daran, das Nistmaterial nach eigener Vorstellung zu verteilen und schichtete alles um. Zwischendurch musste es allerdings eine Pause machen, da Lilly das nächste Frühstück loswerden wollte.

 

 

Anschließend ging es mit vollem Einsatz weiter. Lilly überprüfte die Äste auf ihre Stand- und Tragfestigkeit, während das Küken ihr alles nachmachte, auch wenn es die größeren Äste noch  nicht bewegen konnte. Allein der gute Wille zählte.

 

 

 

 

 

 

Dass Arbeiten sooo anstrengend sein kann…

Um neun Uhr hatte sich Junior so verausgabt, dass er der Länge nach ausgestreckt im Nest lag und ein Erholungsschläfchen halten musste. In der Zwischenzeit war Ben wieder aufgetaucht, hatte Lilly abgelöst und bewachte den Schlaf des Kükens.

 

 

 

Kurz nach neun Uhr war das Küken wieder auf den Beinen, aber nur, um die nächste Portion Futter in sich hineinzustopfen. Hinterher wurde ein wenig Verdauungsarbeit geleistet, aber die Bewegungen waren entsprechend der äußeren Temperaturen sehr langsam und gemächlich.

 

 

 

 

“Mama, wofür ist das??”

Kurz vor zehn Uhr kehrte Lilly ins Nest zurück und hatte den Schnabel voller Blätter. Ob diese als Spielzeug für das Küken gedacht waren oder einen speziellen Zweck erfüllen sollten, ist ungewiss. Es ist jedoch das erste Mal, dass Blätter ins Nest getragen wurden. Lilly “wendete” diese im Stroh, sodass sich beide Materialien vermischten und die Blätter etwas mehr Eigengewicht bekamen. Sonst wären sie leicht durch die nächste Windböe vom Nest gepustet worden.

 

 

Nachdem Ben das Nest verlassen hatte, öffnete die Storchenmama ihren Schnabel und machte dem Küken mit einer Menge Heuhüpfer eine große Freude. Das Küken schlug aufgeregt mit den Flügeln und pickte jedes einzelne Insekt so schnell auf, dass Lilly nicht einen Happs abbekam.

 

 

 

 

Ausgiebige Putzstunden

Junior war heute sehr oft und ausdauernd bei der Gefiederpflege zu sehen. Neben den schwarzen Federn sind jetzt auch die wachsenden weißen Federn sehr gut zu erkennen, die auch schon mehrere Zentimeter lang sind. Vergleicht man die Federlänge mit denen der Altstörche, sind Juniors Federn schon halb so lang gewachsen und das in nur gut vier Wochen.

 

 

 

 

So ließ es sich aushalten. Die Sonne versteckte sich hinter einem leichten Dunstschleier und selbst zur Mittagszeit ließ es sich auf dem Nest aushalten. Der kleine Storch schaute interessiert über den Rand des Nestes, während der große Storch entspannt Mittagspause machte.

 

 

Unangemeldete Luftraumverletzung

Wenige Minuten später standen beide Alttiere klappernd auf dem Nest. Heute herrschte wieder starker Flugverkehr über dem Nest. Zuerst wurde dieses von sieben mittelgroßen Fliegern überquert, am Abend musste Lilly erneut einen Eindringling abwehren. Da muss man schon ein großes Konzert anstimmen, um seine Wohnung zu verteidigen.

 

 

 

 

Als die Überflieger verschwunden waren und die Störche verstanden hatten, dass niemand Anspruch auf ihren Horst erhebt, konnte zur Tagesordnung übergegangen werden. Es gab Futter für das Küken. Ben schüttete den Inhalt seines Halses aus und machte das Küken dadurch um einige Gramm schwerer.

 

 

Um halb zwei wurde er von Lilly abgelöst, die ihr mitgebrachtes Futter ebenfalls loswerden wollte.

 

 

 

Hotel Mama ist so toll

So lässt es sich wie im Paradies leben. Fütterung im Stundentakt, ein (zumindest heute) angenehmes Klima und immer frische Luft um den Schnabel – noch weiß das Küken diesen Luxus nicht zu schätzen. Aber da geht es ihm wie den Menschen – was man Gutes hatte, wird einem erst bewusst, wenn es irgendwann nicht mehr da ist smile.

 

 

 

 

Wenn man das Nest durchforstet, findet sich immer ein Leckerchen. Die Alttiere können den Boden noch so gut säubern, Junior findet ständig einen übriggebliebenen Bissen, den er sich zwischendurch in den Schnabel schieben kann.

 

 

Irgendwann ist der Bauch aber so voll, dass sich das Jungtier nicht mehr rühren kann, egal wie viele Krümelchen Futter noch im Nest warten. Dann heißt es eine Auszeit nehmen und sich ausstrecken.

 

 

Eine Stunde später war der Magen wieder leer und das Küken schaute unternehmungslustig in die Runde. Es knabberte an den Ästen herum und stellte anschließend fest, dass es seinen Nachmittagsschlaf doch noch nicht ganz beendet hatte. Also ließ es sich wieder auf den Nestboden fallen, schloss die Augen und döste eine weitere halbe Stunde.

 

 

 

 

Wahrscheinlich wollte es nur die Wartezeit bis zur nächsten Fütterung verschlafen. Kurz nach vier Uhr erschien Ben auf der Bildfläche und hatte natürlich wieder Futter im Gepäck.

 

 

Hurra, wir haben ein Haustier!

Kurz vor sechs Uhr wurde es interessant, denn Lilly brachte ein Haustier ins Nest. Nachdem eine Maus ihren Schnabel verlassen hatte, fiel etwas aus ihrem Hals, das sich noch bewegte und eilig weghuschte. Das Küken war sehr verwundert und versuchte, was auch immer es war aufzuhalten. Lilly muss auf dem Weg ins Nest eine Haselmaus gefangen haben, die eilig das Weite suchen wollte. Diese Tiere sind nur ungefähr 7 Zentimeter lang und haben einen Schwanz in der gleichen Länge. Man konnte das Tier über die Äste flitzen sehen, aber es hatte keine wirkliche Chance auf eine friedliche Haustierzeit. Eines der Alttiere hatte es dann doch erwischt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Haustier war aufgefressen und nach so viel Aufregung musste unbedingt eine Pause gemacht werden. Lilly und das Küken lagen im Nest und beobachteten sehr genau, ob nicht noch mehr Futter im Nest herumlief, das man fangen musste.

 

 

 

Angriff tapfer abgewehrt!

Um sieben Uhr stand Lilly vor der Aufgabe, das Nest zum zweiten Mal am heutigen Tag verteidigen zu müssen. Aber seht selbst, die Storchenmama war sehr mutig:

 

 

 

 

Das Küken musste sich von dieser Aufregung erst erholen und währenddessen zogen Gewitterwolken auf. Der Abend blieb noch trocken, aber in den frühen Morgenstunden sollte es regnen und sich abkühlen.

 

 

 

Bis dahin verbachte Familie Storch gemeinsam Zeit auf dem Nest, …

 

 

… das Küken bekam einen Würmerbrei serviert …

 

 

 

… und Ben machte etwas sehr Merkwürdiges.

 

 

Papa will alleine sein

Ben hatte das Küken kurz vor neun Uhr gefüttert. Anschließend flog er ohne Vorwarnung vom Nest und machte einen Ausflug zum zweiten Nest. Von 20:53 – 21:06 ließ er sich dort nieder, hatte aber das Küken überhaupt nicht im Blick. Junior schaute zuerst verdutzt, legte sich dann aber zum Schlafen hin. Er muss die Aktion also als ungefährlich und normal eingestuft haben.

 

 

Nach 13 Minuten Auszeit schwang sich Ben wieder in die Luft und kehrte zum Küken zurück. Es ist interessant, dass der Storch das Küken alleine ließ, obwohl futtertechnisch gar kein Grund dafür bestand. Ben musste nicht auf Futtersuche ausfliegen, weil es bei unserem Einzelkind völlig ausreicht, wenn ein Elternteil unterwegs ist. Und selbst das ist oft mehr als ausreichend. Trotzdem ließ der Storch das Küken kurze Zeit alleine. Wir werden sehen, wie sich dieses Verhalten weiter entwickelt und ob die Alttiere das Jungtier zukünftig längere Zeit alleine lassen, obwohl dazu gar kein Grund besteht.

 

 

 

 

Ben verbrachte auch die heutige Nacht auf dem zweiten Horst, während sich Lilly um das Küken kümmerte. Bis vier Uhr hielt es Ben alleine aus, dann flog er auf das erste Nest zurück und ließ Lilly in die Wiesen ziehen.

 

Gute Nacht und für morgen wünschen wir doch einige wärmende Sonnenstrahlen, damit das Nest schnell trocknen kann. Gute Nacht!

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