17.07.2020 – Warten auf bessere Zeiten

Junior war schon um halb sechs bei der ersten Morgenwäsche zu sehen. Die Sonne schien ins Storchennest und der Jungstorch ließ sich von ihr wärmen.

 

 

Eine Stunde später wanderte er unruhig durch das Nest und hielt Ausschau, ob Ben und Lilly ihr Frühstück beendet hätten und ihm etwas abgeben würden.

 

 

 

 

 

Es sollte aber noch eine Weile dauern, bis sich ein Elternteil zu Junior gesellte. Kurz nach sieben Uhr stand Ben nämlich immer noch friedlich auf dem zweiten Nest und machte keine Anstalten, sich um Futter zu kümmern.

 

 

Da kann man nur mit den Flügeln zucken. Wie kommt Junior aus der Misere wieder raus?

 

 

Immerhin hat der kleine Storch immer einen Strohhalm zur Hand – im Schnabel – und kann sich daran festhalten.

 

 

 

„Flieg doch nicht immer weg!!“

Das Küken wurde mitten in seinem Frühsport unterbrochen, denn Lilly tauchte auf. Aber die Störchin verabschiedete sich gleich auf den Hochsitz und Junior warf ihr einen ärgerlichen Blick zu. Er kann ja nichts dafür, dass er noch nicht vom Nest kann. Wie soll denn da eine Fastenkur etwas dran ändern? „Mensch Mama!!“

 

 

 

 

„Genau da runter will ich. Und wenn ich mich einfach runterfallen lassen? Ankommen werde ich in jedem Fall.“

 

 

Den Sturzflug verschob Junior und zeigte lieber, dass er schon sehr gut auf einem Bein stehen kann. Bis halb zehn drehte er unermüdlich seine Runden im Nest, vielleicht wachsen die Flügel dadurch schneller??

 

 

 

Neben Bewegung kann auch Futter nicht schaden. Der Storch ist jetzt rank und schlank und verbrennt jeden Tag etwas von seinen überschüssigen Kalorien. Von denen dürfte aber bei der derzeitigen Verpflegung nicht mehr viel vorhanden sein. smile

 

 

 

„Sagt mal, macht ihr das mit Absicht???“

Der nächste Storch war auf die Kamera entschwunden und saß für Junior in unerreichbarer Entfernung.

(„Wenn ich euch erwische…“)

 

 

 

„Ich warte und warte und warte…, ich fall gleich um vor lauter Warten!!“

 

 

 

 

Es wurde halb elf und endlich tauchte wieder ein Alttier auf, das sogar auf dem Nestboden landete. Lilly hopste allerdings zuerst auf die Kamera und hielt von dort Ausschau. Dann bequemte sie sich wieder ins Nest hinunter. Junior bekam ein wenig Futter, damit er nicht vom Fleisch fällt und sofort war das Nest wieder leer.  Junior wurde jedoch weiterhin von der Kamera aus bewacht.

 

 

 

 

Junior braucht ein Wunschnest

„Vielleicht ist unter dem Stroh etwas Futter gewachsen? Ich muss unbedingt mal nachsehen!“

 

 

Diese Theorie blieb Wunschdenken, aber um halb zwölf wurde das Küken erneut besucht. Diesmal öffnete das Alttier sogar den Schnabel und Junior durfte seinen Magen füllen. Der große Storch war schon weg, während Junior immer noch sorgsam die letzten Futterbröckchen auf dem Boden zusammensuchte. Das Storchenkind wird begeistert sein, wenn es endlich durch die Wiesen streifen und alles in den Schnabel stecken kann, was dort herumläuft und -kriecht.

 

 

 

 

 

Vom zweiten Nest aus war zu sehen, dass beide Alttiere bei der Fütterung anwesend waren. Eines stand auf der Kamera, das andere fütterte. Dann verabschiedete sich der Storch, der auf der Kamera saß und überließ dem anderen Alttier seinen Platz. Aber auch dieses flog eine halbe Stunde später los und Junior saß wieder alleine auf dem Horst.

 

 

 

Jetzt aber!

„Es muss doch irgendwie gehen, von diesem Nest runterzukommen!“

 

 

Aber noch ist es nicht ganz soweit. Junior wird wahrscheinlich in der kommenden Woche abheben, aber bis dahin muss er sich noch gedulden. Es sei denn, ihm platzt der Kragen und er wird zum Selbstversorger. smile

 

 

 

Junior hatte bis 14 Uhr durchgehalten, dann war ein Alttier im Anflug. Diesmal schnappte sich das Küken den elterlichen Schnabel und hätte beinahe den großen Storch durch das Nest gezerrt, wenn dieser nichts zu fressen rausrückt. Glücklicherweise spendierte das Alttier Futter, sonst wäre es sicher nicht heil aus der Situation gekommen.

 

 

 

Eine Minute später trudelte das zweite Elternteil ein und alle drei Störche waren auf dem Nest versammelt. Allerdings flog Lilly gleich weiter, denn einmal füttern scheint ihrer Meinung nach zu reichen. smile

 

 

 

Dafür legte sich Ben ins Zeug und füllte den Boden. Junior war noch fünf Minuten später damit beschäftigt, die Reste einzusammeln, während der Storchenpapa schon wieder auf die Kamera verschwunden war.

 

 

 

 

Wenn Lilly nicht da ist, macht Ben was er will

Während Ben noch beim Füttern war, war Lilly zum zweiten Nest hinübergeflogen. Von dort hielt sie Ausschau und entschied, in Richtung Wiesen weiterzufliegen, während Ben Position auf dem ersten Nest bezog. Sein Wachdienst erstreckte sich auf ganze fünf Minuten, dann hatte er das Babysitten anscheinend satt und verkrümelte sich ebenfalls.

 

 

 

Um halb drei nahte sich wieder eine Möglichkeit für das Küken, an Futter zu kommen. Lilly war eingeflogen und begutachtete zuerst das Nest. Junior ließ die Störchin weitgehend in Ruhe, ließ sie auf die Kamera flattern und wartete geduldig, dass sie wieder abstieg.

 

 

 

 

 

Nachdem sich das Küken fast demütig vor der Mutter niederlegte, rückte diese etwas von ihrer letzten Beute heraus. Die grünen Heupferdchen waren lecker, aber nicht wirklich magenfüllend. Aber Junior nimmt im Moment aus Mangel an Gelegenheiten, was er bekommen kann und ist nicht wählerisch.

 

 

 

 

 

Anschließend gab es eine Mutter-Kind-Zeit, die Junior in der Sonne liegend verbrachte, während Lilly die Umgebung im Blick behielt. Kurz vor drei Uhr verließ sie das Küken und Junior konnte nur mit den Flügeln in der Luft rudern, aber leider nicht hinterherfliegen.

 

 

 

Einmal baden bitte

Bis halb sechs herrschte Stille auf dem Nest. Dann gab es erneut Familienbesuch, der Juniors unfreiwillige Gefangenschaft mit Futter linderte. Das Alttier hatte auch Wasser mitgebracht, obwohl die Temperaturen nicht sonderlich hoch lagen. Junior nahm die Dusche dankbar an und frass sich hinterher satt.

 

 

 

Leider war dieses Vergnügen schon zwei Minuten später vorbei und das Küken musste auf die nächste Fütterung hoffen.

 

 

In der Zwischenzeit wollte Junior noch ein wenig auf dem Nest herumhopsen. Wenn ihm der Wind unter die Flügel greift, wird er im Nest schon von einer Seite auf die andere getragen. Aber bald wird er instinktiv verstehen, wie das Fliegen funktioniert.

 

 

 

Und mit einem Stöckchen klappt es ganz sicher in der kommenden Woche. smile

 

 

Lilly läutet die Nachtruhe ein

Während sich Junior in seinem Nest austobte, machte Lilly auf dem anderen Nest ein Schläfchen. Mittlerweile war es 18 Uhr geworden und die Störchin schien den Tag schon ausklingen zu lassen. Alle warten darauf, dass Junior fliegt und mit ihnen in die Wiesen zieht. Da kann man die Wartezeit schon ein wenig verschlafen.

 

 

 

Um 20 Uhr waren alle Störche im heimatlichen Gefilde versammelt. Lilly und Ben bereiteten die Nachtruhe vor und Junior saß in seinem Kinderzimmer fest.

 

 

 

 

 

Trösten wir das Küken, dass bald bessere Zeiten kommen. Ben und Lilly warten bestimmt auch schon sehnsüchtig darauf. smile

 

 

 

Habt eine gute Nacht und alles Liebe für euch. Schlaft gut!

 

Zum Schluss:

Und es klappt doch smile

 

 

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