16.07.2020 – Und weg ist der Storch

Der neue Tag begann für Junior mit Flugübungen. Das Küken schnappte sich heute schon kurz nach halb sechs ein Strohbüschel und hopste damit im Nest herum. Erst kurz nach sechs legte Junior eine Ruhepause ein und ließ sich im feuchten Stroh nieder, um auf ein eventuelles Frühstück zu warten.

 

 

 

 

Um 6:14 Uhr wurde das Frühstück gebracht und es gab zusätzlich noch eine Fuhre (nasses) Stroh. Das sollte heute im Laufe des Tages trocknen, denn mit 22 Grad und viel Sonnenschein herrschten optimale Temperaturen für Nest und Storch.

 

 

 

 

 

Um halb sieben war das Fressvergnügen zu Ende und Junior stand erneut wartend auf dem Nest.

 

 

Gut eine halbe Stunde später tauchte Lilly auf und Junior bekam erneut Futter.

 

 

 

 

Junior muss sich das Futter einteilen

„So, zweimal Frühstück bedeutet jetzt sicher, dass ich bis zum Mittag warten muss…“

 

 

 

Mama Lillys Bauprojekt

Das Küken hatte seine Lage richtig eingeschätzt. Um 7:45 Uhr tauchte zwar ein Altstorch auf, aber es ging vorrangig um ein weiteres Bauprojekt.

 

 

 

Wahrscheinlich war es Lilly, die einen langen Ast durchs Nest zog und diesen Junior zuerst über den Rücken legte. Da Lilly mit dem Ast weiter durch das Nest wanderte, hatte Junior diesen nach kurzer Zeit auf dem Kopf.

 

 

 

Nach einer weiteren halben Runde, war die Störchin am geeigneten Platz angekommen, allerdings hatte Junior den Ast jetzt quer im Schnabel zu liegen. Auch der Versuch, Lilly beim Ablegen zu helfen, funktionierte nicht wirklich, da das Alttier seinen eigenen Willen hatte und Juniors Wünsche glatt ignorierte.

 

 

 

Das Leben verteilt sich auf Nester

Da sich das Leben im Moment auf zwei Nestern abspielt, müssen wir regelmäßig die Perspektive ändern, um alles mitzuerleben. Während ein Alttier auf dem ersten Nest zugange war, tauchte das zweite Tier auf Nest zwei auf und dann war anhand der Rückenzeichnung zu sehen, dass Ben gelandet war.

 

 

 

Währenddessen hatte sich Lilly auf dem Hochsitz eingerichtet und Familie Storch war zumindest vor Ort komplett versammelt.

 

 

Junior nahm die distanzierte Bewachung seiner Eltern zum Anlass, um erneut flügelschlagend durch das Nest zu sausen. Natürlich immer in Begleitung eines Strohklumpens. Ohne geht es anscheinend nicht. Solche Bilder waren im letzten Jahr nicht zu beobachten. Wahrscheinlich hat hier jedes Jungtier seine ganz eigenen Vorlieben. smile

 

 

 

 

Kurz vor neun Uhr verzogen sich die Wolken und die Sonne kam hervor. Das Nest konnte trocknen und Junior ließ sich ein wenig von den Sonnenstrahlen bescheinen.

 

 

 

 

„Ich will da auch hin!!“

Um halb zehn landete wieder ein Elternteil, allerdings nur für zwei Sekunden. Dann hopste es auf die Kamera, während Junior sich sehnsüchtig den Hals verrenkte, weil der rote Schnabel wieder außer Reichweite war.

 

 

 

 

 

Immerhin waren die Storcheneltern heute meist in unmittelbarer Nähe, was Junior etwas tröstete. Anscheinend warten auch sie auf den ersten Moment, an dem ihr Nachwuchs sich in die Lüfte schwingt und wollen diesen nicht verpassen.

 

 

 

 

Um zehn Uhr hatten sich beide Eltern für kurze Zeit aus den Nestern verabschiedet und Junior übte sich in Geduld. Der Himmel füllte sich mit grauen Regenwolken, die am Nachmittag ein wenig Wasser vom Himmel fallen ließen. Es gab aber nur eine kleine Abkühlung und keine Sturzflut, wie die letzten Tage.

 

 

 

 

 

Um zwölf Uhr ging Junior in die Luft und das erstmals so hoch, dass seine Füße fast aus dem Blickwinkel der Kamera verschwanden. Aber ein Halm Stroh muss unbedingt mit in die Luft. smile

 

 

Und weg ist der Storch

Im letzten Jahr gab es zur gleichen Zeit eine lustige Episode. Das ältere Küken war dabei, auch so hoch zu springen und emporzuflattern. Im Stream konnte man verfolgen, wie die Füße dem Blickfeld entschwanden und wieder auftauchten. Einmal, zweimal, doch plötzlich kehrte das Küken nicht mehr zum Nestboden zurück. Erst ein Blick von der Baumkamera klärte auf, dass die ersten Höhenflughopser für das ältere Küken versehentlich auf der Kamera geendet hatten, während alle Zuschauer den Atem anhielten und glaubten, dass das Küken abgestürzt sei. smile

 

 

Um halb eins waren der Hochsitz und das zweite Nest wieder besetzt und beide Alttiere hatten Junior im Blick. Ben nicht ganz so intensiv wie Lilly, denn er hatte sich zu einem Nickerchen hingelegt.

 

 

Lilly bequemte sich von ihrem Hochsitz und leistete Junior bei der Mittagspause ein wenig Gesellschaft.

 

 

 

 

Allerdings nur für einen kurzen Moment, dann war Mama Storch wieder auf den Hochsitz entflattert.

 

 

 

Mama Lilly als Kükenschreck

Einige Minuten später erschreckte Lilly das Küken, allerdings unbeabsichtigt. Die Kamera 1 zeigte, dass Junior schreckhaft zusammenzuckte, als etwas Großes am Nest vorbeiflog. Mit der Baumkamera war zu sehen, dass sich Lilly ohne Vorwarnung in die Tiefe gestürzt hatte. Da Junior der Störchin den Rücken zudrehte, war er von dem Riesenvogel, der plötzlich an der Seite entlangflatterte, erschreckt, bis er die Storchenmutter erkannte.

 

 

 

Anschließend musste sich das Küken wieder alleine beschäftigen und darauf warten, dass die Flügel noch einen Zentimeter wachsen, damit es vom Nest abheben kann.

 

 

 

Lilly hatte sich mit ihrem Sturzflug vom ersten Nest verabschiedet und war zu Ben hinübergeflogen. Etwas hatte ihre Aufmerksamkeit geweckt und so flog sie gleich weiter, um potenzielle Feinde zu vertreiben.

 

 

 

 

Ben ließ sich nicht stören und setzte seine Mittagsruhe fort, während auch Junior in seinem Nest den frühen Nachmittag verschlief.

 

 

Um 14 Uhr hatte sich auch Ben aus dem Staub gemacht, denn es war schon einige Zeit her, dass das Küken etwas Nahrhaftes in den Schnabel bekommen hatte.

 

 

 

Ohne Strohhalm geht gar nichts

Als um 15 Uhr noch kein Elternteil aufgetaucht war, setzte Junior zu neuen Flugübungen an. Aber nur mit Strohhalm! Ob er bei seinem ersten Flug auch etwas für unterwegs und zum Festhalten mitnimmt?? Der Gedanke, dass dieser Storch nur mit einem Halm oder Stöckchen im Schnabel fliegt, lässt einen schmunzeln. Immerhin hat er ständig erlebt, dass seine Eltern mit gefülltem Schnabel ins Nest einfliegen. Da liegt die Assoziation nicht weit entfernt, dass es nur auf diese Weise funktioniert. Aber wer weiß…

 

 

 

 

Die Flugstunde war gerade  beendet und schon war ein Alttier zur Stelle, um den Kalorienverbrauch abzudecken.

 

 

 

Der Futterspender müsste Lilly gewesen sein, denn die Störchin war wenige Minuten später auf dem zweiten Nest zu sehen.

 

 

 

Es wurde nachmittags um vier Uhr und nur das Küken war zu sehen. Junior absolvierte noch ein paar Gymnastikübungen, damit er keinen Muskelkater von seinen Flugversuchen bekommt.

 

 

 

Eine Stunde später war immer noch kein weiteres Futter in Sicht, also durchsuchte das Küken jeden Zentimeter Nestboden, um seine Notrationen auszugraben.

 

 

Lilly befiehlt die Fütterung

Lilly beobachtete das Geschehen aus der Entfernung und klapperte Ben herbei, der das Küken ihrer Meinung nach jetzt zu füttern hatte.

 

 

Während Junior noch mit dem Herumfliegen beschäftigt war, klapperte Lilly ihren Gatten herbei und siehe da, es funktionierte.

 

 

 

 

Keine zehn Minuten später stand Ben auf dem Nest und fütterte das Küken. Lilly hat ihre Bande anscheinend sehr gut im Griff. smile

 

 

Nachdem die Störchin Ben die Aufsicht über das Küken zugewiesen hatte, verabschiedete sie sich zur Futtersuche. Ben bezog Stellung auf der Kamera und Junior durfte seine letzte Mahlzeit verdauen, die diesmal reichlich ausgefallen war.

 

 

Endlich feste Nahrung

Gab es bisher überwiegend breiige Nahrung, brachte Ben diesmal etwas Handfestes mit.

 

 

 

Zuerst gab es einen Schluck Wasser, damit alles besser rutscht. Anschließend kam aus dem Storchenschnabel ein Beutetier zum Vorschein, das eine Ratte gewesen sein könnte.

 

 

Nach der Vorspeise wurde noch der Hauptgang in Form von hellem Fleisch serviert und Junior würde heute nicht mit knurrendem Magen schlafen müssen.

 

 

 

Alles aufgefuttert!

Das Küken war (vorerst) satt und Ben hatte sich wieder auf den Hochsitz verkrümelt. Eine Stunde später war auch dieser leer und beide Elterntiere waren erneut ausgeflogen.

 

 

 

 

Junior wartete geduldig, denn etwas anderes blieb ihm nicht übrig. Kurz nach 19 Uhr stellte sich wieder Besuch auf dem Storchennest ein. Es blieb bei dem Besuch, denn fünf Minuten später saß Junior schon wieder alleine in seinem Kinderzimmer.

 

 

 

„Na, dann eben nicht. Warte ich weiter (bis morgen früh??)!“

 

 

 

 

 

Um 20 Uhr füllte sich das zweite Nest. Ein Alttier war kurz aufgetaucht und anschließend für eine weitere halbe Stunde ausgeflogen. Ab 20:30 Uhr war Nest zwei mit beiden Störchen besetzt.

 

 

Junior hatte seine Nachtruhe schon angetreten, weil er sich sicher war, dass niemand mehr kommen würde. Sind beide Eltern abends in ihrem Horst, ist der Tag beendet.

 

 

 

 

 

 

„Wo willst du denn noch hin??“

Ben schien heute sehr müde zu sein und hatte die Augen schnell zugeklappt. Deshalb schreckte er unsanft aus seinem Schlummer, als Lilly um 20:48 Uhr beschloss, noch einmal vom Nest zu fliegen. Der Storch sah sehr irritiert aus, als er seine zweite Hälfte so unerwartet vom Nest verschwinden sah. Lilly war aber nach zehn Minuten zurück und damit war die Nachtruhe endgültig eingeläutet.

 

 

 

 

 

 

Wir wünschen unseren Störche eine wunderschöne Nacht und freuen uns mit ihnen auf den morgigen Tag.

 

 

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Großartige Arbeit! Ihre Berichte lesen sich toll. Kompliment

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