30.05.2020 – Abschied von den Eiern

Ben und Lilly waren daheim, das Küken war wach und der Tag konnte beginnen. Ben flog aus, um Fischchen für seinen Nachwuchs einzusammeln und Lilly kümmerte sich um das Küken.

 

 

 

Entweder war Ben etwas Fressbares direkt unter dem Nest über den Weg gelaufen oder er hatte noch keine Lust, auf Futtersuche zu gehen – nach nur neun Minuten tauchte er schon wieder im Nest auf.

 

 

Lilly ließ sich davon nicht ablenken und blieb beim Küken sitzen. Ben kontrollierte fürsorglich, ob der Knirps unter Mamas Flügeln auch warm untergebracht war und flog erneut vom Nest.

 

 

 

Zwanzig Minuten später tauchte er wieder auf und brachte immerhin einige Stöckchen mit, die er gemeinsam mit Lilly verbaute.

 

 

Manchmal klappt es auch zusammen. Heute fiel (noch) kein Baumaterial vom Nest und die Störche waren mit ihrer Arbeit zufrieden. Leider blieb der große Ast weiterhin direkt im Blickfeld liegen, um diesen hatten sich die Störche nicht weiter gekümmert.

 

 

 

Familientag bei den Störchen

Heute war anscheinend Mama-und-Papatag. Ben und Lilly verbrachten viel Zeit zu dritt auf dem Nest. Ben servierte die Fische und Lilly achtete auf die Manieren beim Essen. Den Junior interessierte nur das Futter und von den Fischlein gab es reichlich. Mittlerweile verschlingt er diese ebenso schnell wie die Eltern. Liegt der Fisch quer im Schnabel, braucht es nur eine Bewegung des Kopfes und der Fisch rutscht trotzdem in den Hals. Auch die größeren Exemplare bereiten keine Schwierigkeiten mehr. Das Küken stopft blitzschnell alles in sich hinein, was vor ihm ausgeschüttet wird.

 

 

 

Da Ben kaum etwas von der Frühstücksportion abbekommen hatte, unternahm er einen erneuten Ausflug zu den Gewässern. Das Küken ließ sich währenddessen von Lilly in den Schlaf kraulen.

 

 

Gut eine halbe Stunde später wurde ein wenig aufgeräumt. Das Küken saß brav daneben und beobachtete das Geschehen. Zum Mithelfen war es noch zu vollgefuttert, aber ein wenig Schmusen mit dem Schnabel, das geht immer.

 

 

Zwei Stunden später war der Krümel wieder oder immer noch im Tiefschlaf anzutreffen. Bens Kraulen sorgte für noch mehr Träume, denn der Storchenpapa versteht es bestens, seinen Nachwuchs zu beruhigen.

 

 

Um halb elf zogen die ersten Wolken auf und Lilly saß wieder einmal so günstig, dass sie die Kirchturmspitze „auf dem Kopf“ hatte.

 

 

Lilly ist kritischer als Ben

Als das Küken um elf Uhr endlich ausgeschlafen hatte, zeigte es, dass es mit dem Putzen immer besser zurechtkommt und Mamas und Papas Dienste bald nicht mehr braucht. Während Ben den Krümel machen lässt, überwacht Lilly sehr genau, was Junior anstellt. Wenn Mama auftaucht und das Küken mit dem Schnabel anstupst, muss es sich sofort ordentlich aufsetzen, damit Lilly inspizieren kann, ob alles in Ordnung ist. Danach darf das Küken weiterschlafen, aber ohne Mamas Kontrollgang läuft gar nichts.

 

 

Auch die wachsenden Federn sind immer besser zu erkennen. Noch sehen sie wie eine schwarze Musterreihe an den Rändern der Flügel aus. Bald werden es lange Federn sein, die aus der Haut hervorstehen. Immerhin muss das Federkleid in wenigen Wochen komplett gewachsen sein, damit der kleine Storch seine ersten Flugübungen machen kann.

 

 

 

Der Krümel steht smile

Heute ließ sich mehrmals beobachten, wie sich das Küken auf seine noch sehr kurzen Beine stellte und den Kullerbauch in die Höhe stemmte. Auf diese Weise kommt man viel schneller durch das Nest, als auf dem Bauch zu rutschen und diesen am Stroh zu piken. Dem Küken gefällt die neue Fortbewegungsmöglichkeit, denn es probierte sie gleich mehrfach aus.

 

 

Und wenn man gleichzeitig mit den Flügelchen schlagen kann, fühlt man sich schon richtig groß.

 

 

Der Ast wird (unfreiwillig) entsorgt

Lilly und Ben hatten einen Ast in ihrem Nest verlagert, der im Blickfeld lag und obendrein nicht sehr kükensicher befestigt war. Als der Wind gegen ein Uhr auffrischte, entwickelte dieser Ast ein Eigenleben. Lilly hatte das Küken unter ihre Flügel gesteckt, damit es warm und vor allem windsicher untergebracht war. Dem Ast fehlte diese Fürsorge, sodass der Wind ihm unter die Zweige fuhr und einfach aus dem Nest hob. Nun liegt auch dieses schöne Exemplar unter dem Storchennest, aber vielleicht sammelt Ben ihn auch wieder ein smile.

 

 

 

 

 

 

Sooo viel Fisch und alles passt in den Bauch

Da hätte das Küken über all dem Wind und den Schlafenszeiten doch fast eine wichtige Sache vergessen – das Fressen. Kurz vor zwei Uhr war es Zeit für das zweite Mittag oder das erste Kaffeetrinken. Ganz wie man es sieht.

 

 

Kurz vor zwei Uhr versorgte Ben das Küken wieder mit Fisch. Einige Regenwürmer waren auch dabei. Es dürfte aber an den vielen nahrhaften Portionen Fisch liegen, dass der Krümel so schnell wächst und sich prächtig entwickelt.

 

 

Ben ließ den ersten Schwung Fische aus dem Schnabel rutschen und das Küken stopfte alles innerhalb von Sekunden in sich hinein. Nachdem es die ca. 10 Fische im Bauch hatte, servierte Ben noch ein wenig Kompott. Dabei kamen nochmals ca. 5-8 Fische zusammen. Wie der kleine Körper diese Mengen an Futter aufnehmen kann, ist weiterhin ein Rätsel. Aber es klappt bei jeder Fütterung smile.

 

 

 

 

Ablösung und …?

Pünktlich zur Kaffeezeit flog Lilly ein, um Ben auf die nächste Futtersuche zu schicken. Für die Eltern ist es eine wirklich entspannte Zeit. Sie würden ohnehin für die eigene Futtersuche ausfliegen und dabei bringen sie ihrem Sprößling einfach einen Teil mit. Bei mehreren Jungtieren wären die Ausflugszeiten viel kürzer und vor allem häufiger, um alle Ministörche zu sättigen. Bei unserem Storchenpaar sind sogar gemeinsame Zeiten auf dem Nest möglich, während das Küken ganz entspannt in seiner Schlafkoje liegt. Im letzten Jahr gingen beide Küken sofort bettelnd auf die Storcheneltern los, wenn sich diese im Nest blicken ließen. Solch friedliche Momente waren damals eine Seltenheit.

 

 

Und natürlich gab es auch etwas Leckeres zum Kaffee.

 

 

Am späten Nachmittag riss die Wolkendecke auf und Lilly und das Küken wurden mit etwas Sonne verwöhnt.

 

 

 

Abschied von den restlichen Eiern

Ben lieferte noch eine Portion Futter ins Nest und erledigte die Hausarbeit.

 

 

 

Dabei räumte er auch eines der verbliebenen Eier aus der Brutmulde. So ganz konnte er sich von diesem aber noch nicht trennen, daher legte er es nur etwas beiseite.

 

 

Der Storchenpapa war aber mit seinen Aufräumungsarbeiten noch nicht zufrieden, daher stocherte er erneut im Nestboden umher. Dabei rollte das Ei wieder in das Schlafzimmer und musste von Ben erneut hinausbugsiert werden. Junior braucht immer mehr Platz und es dürfte kein Vergnügen sein, zwischen den Eiern zu schlafen oder diese ständig in Form eines Hindernisparkours zu umwatscheln.

 

 

 

 

Anschließend gab es noch ein paar Kuscheleinheiten mit dem Ei. Ganz so einfach scheint der Abschied doch nicht zu sein.

 

 

 

 

 

Abendstimmung im Storchennest. Lilly ließ noch auf sich warten, aber ihr Auftauchen hatte keine Eile. Das Küken lag in süßem Fresskoma und ließ sich von der Abendsonne bescheinen. Lilly landete gegen halb zehn satt und ebenfalls zufrieden im Nest und übernahm vor einer malerischen Kulisse die Abendschicht.

 

 

 

Ben kehrte um 22 Uhr von seinem Ausflug zurück. Er landete sofort auf dem zweiten Nest, klapperte Lilly einen Gruß hinüber und richtete sich für die Nachtruhe ein. Bis 4:20 Uhr blieb er auf dem zweiten Nest, dann flog er zu Lilly und dem Küken hinüber, begrüßte diese, hüpfte für einen Moment auf die Kamera und verschwand wenige Sekunden später in Richtung Wiesen.

 

 

Gute Nacht, Familie Storch und frohe Pfingsten!

 

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Jeden Tag ist es für mich ein supi Highlight😊, liebe Ev, Deine Zeilen zu lesen. Du beschreibst uns die Erlebnisse unserer kleinen Storchenfamilie in einer sooo herzlichen und nahbaren Art. Ganz lieben Dank dafür💐, dass Du damit immer mein Tag bereicherst!
Hab‘ auch Du ein schönes Pfingstfest.
ClaudiaM

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