Die Zeit drängt, die Natur ruft – wie produziert man Küken und zwar schnell? Otto ist gerade dabei, das herauszufinden und lässt uns mit einem Schmunzeln daran teilhaben. Und wie sich beide Tiere auseinanderhalten lassen, klären wir auch noch.
Es war noch nicht einmal hell, doch unser Storchenpärchen war bereits wach. Die Störchin war geblieben und wenn sich Otto anstrengt, gibt es in wenigen Tagen Eier, aus denen im Juni Küken schlüpfen könnten.
Auf dem folgenden Foto lässt sich gut erkennen, wie wir beide Störche unterscheiden können. Im Moment ist Elli auch mit ihrem dunkleren Gefieder gut auszumachen. Wenn ihre Federn wieder sauber sind, lassen sich beide Tiere an den unteren Rändern ihrer weißen Federn unterscheiden.
Bei Otto enden die weißen Federn mit einer leicht abgerundeten Form. Ellis weiße Federn sehen an der unteren Kante wie dünne Fransen an einer Wolldecke aus. Wie bei einem Scherenschnitt, wenn man im Millimeterabstand das Papier am Rand einschneidet. Außerdem gibt es bei Otto den schwarzen Fleck auf dem rechten Flügel, den Elli nicht hat.


Um halb sieben verließen beide Tiere das Nest, doch nach zwanzig Minuten kam Otto schon wieder zurück und bearbeitete das Nest. Das war anscheinend nur ein kurzes Frühstück oder besser gesagt ein Imbiss.
Die Gewohnheiten bleiben
Wie jeden Morgen legte sich Otto nun zu seinem Vormittagspäuschen hin. Ellis Bedürfnis nach einer Zeit zum Ausruhen hielt sich dagegen in Grenzen. Tatendurstig verließ sie das Nest.
Na, das geht ja gar nicht. Die Störchin darf doch nicht alleine auf Streifzug gehen. Womöglich kurvt gerade jetzt ein anderes Männchen in der Gegend umher und ist auf der Suche nach einem Storchenweibchen.
Da kam Otto doch lieber schnell auf seine Füße und sauste seiner Gemahlin ganz fix hinterher.

Dieses Verhalten kennen wir sonst nur von den Männchen, die ihre Partnerin von den Eiern hochscheuchen und selbst brüten wollen. Hier war es aber Elli, die mit ihrem Schnabel ständig in Ottos Gefieder herumstocherte und erst zufrieden war, wenn sich der Storch erhob.


Aber es schien nicht wirklich zu helfen, deshalb wollte sich die Störchin neben Otto auf dem Nestboden niederlassen. Da unser Storch aber direkt in der Nestmitte lag, blieb bis zum Rand nicht viel Platz übrig. Kaum hatte der Bauch der Störchin den Nestboden erreicht, schraubte sich Otto wieder in die Höhe. Ellis Hartnäckigkeit zahlte sich wieder mal aus.
Arbeitsteilung beim Feinde verklappern
Zwischenzeitlich mussten ein paar Feinde verklappert werden und Elli übernahm die Arbeitsteilung, indem sie zum zweiten Nest hinüberflog und dieses besetzte.
Als die Luft wieder rein war, hoben beide Störche von den Nestern ab und flogen Richtung Kirchturm davon.
Um 13 Uhr beendeten Elli und Otto ihren Mittagsausflug und kehrten für die Mittagspause ins Nest zurück. Otto ließ sich sofort fallen, um zu verschnaufen, während Elli neben ihm in der Sonne stand.
Eine Viertelstunde später hatten beide Tiere den Platz gewechselt. Jetzt lag Elli auf dem Nestboden und Otto schien putzmunter. Deshalb probierte er gleich mal aus, ob es auf dem Rücken der Störchin nicht so wackelig war, wenn diese auf dem Boden lag.



Otto macht es sich bequem
Eine halbe Stunde später stand Otto neben Elli und beäugte sie wieder sehr aufmerksam. Im Liegen war nicht nur das Aufsteigen viel einfacher. Man fiel auch nicht andauernd von der Störchin herunter und Elli musste nicht so viel Gewicht tragen.
Gedacht – getan. Otto hüpfte erneut auf Ellis Rücken.
Zuerst muss man das Gleichgewicht ausbalancieren.


Und mit den Flügeln musste Otto in dieser Position auch nicht mehr so kräftig schlagen, um das Gleichgewicht zu halten. Bei diesem Gedanken vergaß der Storch fast, weshalb er der Störchin auf den Rücken geklettert war. Er saß so bequem auf seiner weichen Unterlage und schaut versunken in die Ferne, als sich die Störchin plötzlich schüttelte, aufrichtete und Otto von seinem friedlichen Plätzchen unsanft abgeworfen wurde.
Von 15 Uhr bis kurz nach 17 Uhr waren unsere Störche wieder auf Futtersuche. Dann kehrte Elli ins Nest zurück, ruhte sich etwas aus und begann anschließend, den Nestboden auf Vordermann zu bringen.
Dabei rupfte sie große Stücke aus dem Boden und versuchte, diese wieder in die einzelnen Bestandteile zu zerlegen.
Da diese Arbeit wohl sehr anstrengend war, legte sie sich anschließend ins Nest und wartete auf Otto.
Als dieser ins Nest geflogen kam, hatte er so viel Schwung dabei, dass er erst haarscharf vor der Störchin zum Stehen kam. Wahrscheinlich wollte er ganz schnell zu Elli zurück und hatte sich mit der Geschwindigkeit verschätzt.
Wie produziert man Küken?
Da die entstehenden Eier mehrmals täglich befruchtet werden müssen, um sicherzugehen, “dass es auch klappt”, muss Otto der Störchin immer wieder auf den Rücken klettern. Beim übernächsten Bild muss man raten, was man von welchem Storch zu sehen bekommt. Auf den ersten Blick erkennt man Elli, der aus der Seite noch ein zusätzliches Bein zu wachsen scheint.
Durch den Kamerawinkel wurde Otto etwas “abgeschnitten”. Wir sehen seine beiden Beine auf Ellis Rücken, während der Storch den einen Fuß in der Luft hat. Dadurch ergibt sich ein sehr merkwürdiges Bild.


Hier gab es wieder einen sanften Absturz nach getaner Arbeit. Wie produziert man Küken? Otto zeigt es uns und leistet ganzen Körpereinsatz.
Um halb acht kommt Familie Storch zur Ruhe und wartet auf den Sonnenuntergang. Auch heute sind die Schlafpositionen wie tagsüber verteilt – Otto liegt und Elli wacht stehend.
Wir bedanken uns für die vielen schönen Momente, die uns das Storchenpärchen heute geschenkt hat und wünschen eine entspannte Nacht. Bis morgen früh.

Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/































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