28.05.2020 – Es wird ein Riesenstorch

Lilly wurde schon am frühen Morgen “überfallen”, denn ein Schwarm Dohlen umkreiste das Nest. Mehrere Tiere flogen einzeln auf Lilly zu, die sich mehrmals im Kreis drehen musste, um jedes Tier im Blick zu haben. Vorsichtshalber nahm sie das Küken unter die Flügel, damit die schwarzen Gesellen diesem nichts antun konnten.

 

 

 

 

 

 

Das Köpfchen unter dem Flügel hervorstrecken – das durfte das Küken dann aber doch.

 

 

Um 6:13 Uhr kehrte Ben nach Hause. Neben dem Küken konnte man deutlich ein Ei erkennen, das auch ab und an gewendet wird. Aus den verbliebenen Eiern wird leider nichts mehr schlüpfen, daher wird Junior mit Eier kuscheln müssen, bis die Eltern diese rauswerfen.

 

 

 

Wenn Lilly das wüsste…

Papas Aufsicht beginnt wie immer mit der Morgenwäsche. Und einem Frühstück vor sieben Uhr. Mama war ja nicht da, daher konnte Ben ungesehenerweise etwas Fisch ausspucken. Das Küken würde ihn ganz sicher nicht bei Lilly verpetzen.

 

 

 

 

 

Das Küken schlief und Ben putzte sich in der Sonne, bis Lilly um halb sieben zur Ablösung erschien.

 

 

 

 

 

Jeder Vogel ist ein potenzieller Feind

Um halb neun standen wieder beide Alttiere auf dem Nest und mussten laut klappernd Feinde verscheuchen. Nachdem frühmorgens die Dohlen das Nest überflogen hatten, tauchten über den Tag verteilt mehrere Fremdstörche auf. Diese segelten um das Nest herum, ließen sich auf den umliegenden Dächern nieder und störten Ben und Lilly durch ihre Anwesenheit. Wirkliche Gefahr ging aber nicht von ihnen aus.

 

 

 

Das Küken teilte seine Meinung über diese Situation sehr eindeutig mit. Es hob das Hinterteilchen, ließ der verdauten Nahrung freien Lauf und widmete sich einer viel wichtigeren Frage – wo kommt das nächste Futter her?

 

 

Ben hatte von seinem ersten Ausflug den Hals voller Fisch und ließ das Küken nicht mehr warten. Es durfte den größten Teil alleine fressen, anschließend verstaute es der Storchenvater unter seinen Flügeln.

 

 

 

 

 

Eine Viertelstunde herrschte Ruhe, dann machte sich das Küken wieder bemerkbar. Ben setzte die Morgenwäsche bei dem Krümel fort, bis dieser erneut eingeschlafen war.

 

 

Der nächste Schichtwechsel erfolgte um halb elf. Ben verließ das Nest und Lilly war für die nächste Fütterung bereit.

 

 

 

Das Futter war innerhalb von drei Minuten verschlungen, anschließend konnte man zusehen, wie der Kopf des Küken immer mehr in die Schlafposition sackte, bis Junior nicht mehr zu sehen war.

 

 

 

 

 

 

Es wird eine entspannte Aufzucht

Eine halbe Stunde herrschte wieder Ruhe, die Lilly für sich alleine hatte. Das Leben ist für die Storcheneltern sehr entspannt. Sie leeren ihren Hals bei einer Fütterung nicht komplett, sondern heben sogar einen Teil auf und greifen auf diesen bei der nächsten Mahlzeit zurück. Bei mehreren Jungtieren müssten sie diesen alles vorsetzen, was sie eingesammelt haben und obendrein sofort zur weiteren Futtersuche ausfliegen. Dieses Jahr wird es solch anstrengende Zeiten nicht geben. Den Störchen sei es von Herzen gegönnt.

 

 

Junior hatte um 12:16 Uhr ausgeschlafen und verlangte nach weiterem Futter. Diesmal wurden ihm die Fische von Ben vorgesetzt und der Krümel bekam sie schon viel schneller in den Schnabel als am gestrigenTag.

 

 

 

 

 

Einen Fisch für das Küken…

 

 

 

… und noch einen Fisch für das Küken.

Papa Ben half nur ein klein wenig mit, die größte Portion erhielt das Küken.

 

 

 

Ben bekam aber seine Belohnung für das Einfangen, indem er sich auch ein, zwei Fischchen genehmigte.

 

 

Eine Viertelstunde später flog auch Lilly ins Nest, während das Küken vollgestopft auf dem weichen Nestboden lag. Ben flog aus und Lilly übernahm die Nestwache, aber auch das beeindruckte das Küken nicht. Es schlief und verdaute seine Fische.

 

 

 

Alles, was vom Küken zu sehen war, waren zwei große, fest geschlossene Augen.

 

 

Die neue Schlafposition

Lilly deckte den Junior mit ihren Flügeln zu, doch dieser wollte lieber im Freien schlafen. Mutter und Kind einigten sich auf einen leicht geöffneten Flügel, bei dem das Küken ab und an seinen Schnabel hinausstecken konnte.

 

 

Eine halbe Stunde später war Familie Storch wieder vollzählig auf dem Nest versammelt. Das Küken rührte sich jedoch nicht. Ben versuchte es mit liebevollem Gekrabbel, Unterhaltung in Form von sportlichen Posen, aber nichts half – das Küken lag im Fresskoma.

 

 

 

 

 

Als Lilly kurz vor drei Uhr auftauchte, gab es das gleiche Bild – das Küken schlief. Lilly übernahm die nächste Schicht, ohne den Nachwuchs zu wecken und ließ ihn eine weitere halbe Stunde kuscheln.

 

 

 

 

Ein Wachstumsschub

Dann hatte Junior ausgeschlafen und wurde mobil. Im Vergleich zu gestern muss das Küken glatt um 1/3 seiner Körpergröße gewachsen sein. Zumindest sah es heute riesig aus. Teilweise machte es die ersten watschelnden Schritte durch das Nest, aber auch auf dem Bauch robbend kommt es mittlerweile blitzschnell voran.

 

 

 

Heute waren die Futterportionen anscheinend so groß, dass das Küken immer ausgiebig schlafen musste. Als Ben um halb fünf einflog, fand er seinen Nachwuchs schon wieder oder immer noch in der Sonne schlafend vor.

 

 

Der Storchenvater wollte das Storchenkind ebenfalls nicht stören, daher nahm er das Küken auch unter die Flügel und kuschelte mit diesem.

 

 

 

Um 18:13 Uhr war wieder etwas vom Küken zu sehen. Es lag sehr entspannt im Nest, während Papa ein wenig aufräumte. Dazu hatte der Junior keinerlei Lust. Er zog es vor, von Papas Flügeln umfangen in die Umgebung zu schauen und ein wenig Nähe zu genießen.

 

 

 

 

Fünf Minuten später konnte man dabei zusehen, wie das Küken durch das Nest watschelte und Bens Beine anknabberte, um zu testen, ob auch aus diesen etwas Fressbares erscheinen würde. Immerhin sind sie auch so rot wie der Schnabel.

 

 

 

 

 

“Na gut, dann eben auf die alte Tour.”

Anklopfen und warten, bis sich etwas auftut. Immerhin, auf diese Technik kann man beim Papa vertrauen. Es gab Fisch und Würmer und… Fisch.

 

 

 

Lilly war in der Zwischenzeit auch wieder aufgetaucht und hatte ihren Platz eingenommen. Das Küken war noch vom Abendbrot satt, daher hatte Lilly einen ruhigen Abend und genoss den Sonnenuntergang.

 

 

Eine gute Nacht für Familie Storch und viele Fischchen für den morgigen Tag.

 

 

Einblicke in den heutigen Tag

 

 

Und wer wissen möchte, wie es den kleineren Vögeln in Fohrde geht, braucht nur einen Blick in den Meisenkasten zu werfen. Dort sind mittlerweile vier kleine Eier zu sehen.

 

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