So eine Überraschung – endlich ist SIE da. Hätte Storchi nicht so lange gewartet, hätte diese Storchendame dieses Jahr keinen Mann bekommen. Jetzt ist alles perfekt, denn unser Storch ist in festen Händen. Endlich! Wie heißt es so schön: “Das Beste kommt zum Schluss.”
Das war ein wirklich ereignisreicher Tag für unseren Storch. Als hätte er es geahnt, war er heute früh ganz eifrig beim Bauen zu beobachten. Da ging es im Minutentakt, dass er mit einem Stock einflog, diesen einbaute und sich sofort erneut vom Nest schwang. Ab halb sechs begann er mit seiner Arbeit und vergaß auch nicht, den Garten unter dem Horst nach Ästen abzusuchen. Anschließend hatte er sich ein ausgiebiges Frühstück verdient.





Storchi hatte sich nicht umsonst Mühe gegeben, wie er am frühen Nachmittag noch erleben sollte. Er bekam nämlich Besuch und ab dem Nachmittag war unser Storch in festen Händen.


Um halb zwei wurde es rund ums Nest turbulent. Zwei Störche waren angekommen und überflogen das Nest. Storchi hatte sofort den richtigen Riecher – da war mindestens ein Weibchen mit dabei.
Wie lockt man ein Weibchen an?
Storchi posierte nach Leibeskräften, um das Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Er flatterte mit den Flügeln, klapperte lautstark und legte sich schließlich aufgeplustert ins Nest.


Und plötzlich war SIE da. Fast hätte Storchi sie verscheucht, weil er einen Angriff erwartet hatte. Aber nein, in seinem Nest stand wahrhaftig eine Störchin.
Es gab jedoch keine Zeit, überrascht zu sein. Denn nur wenige Augenblicke später mischte sich der dritte Storch in den Beginn dieser Romanze ein. Und er oder sie war mit dem Verlauf der Dinge gar nicht einverstanden.
Möglicherweise war der dritte Storch auch ein Weibchen, denn das Tier ging sehr aggressiv gegen die Störchin auf dem Nest vor. Vielleicht war es aber auch ein Männchen, das das Weibchen vom Nest schubsen und für sich haben wollte.
Der Kampf dauerte einige Minuten und es gab heftige Auseinandersetzungen, bis der dritte Storch abdrehte. Storchi und die Störchin standen in diesem Moment so unter Adrenalin, dass sie plötzlich aufeinander losgingen. Storchi kam von der einen Seite, die Störchin von der anderen. Sie prallten zusammen und unser Storch schob das andere Tier mit einem Stoß vom Nest.

Wo ist mein Weibchen??
Als Storchi bewusst wurde, dass er nicht nur den dritten Storch, sondern auch seinen Damenbesuch aus dem Nest gefegt hatte, brauchte er einen Plan. Wie bekam er die Störchin zurück ins Nest?
Zuerst machte er sich klein, als würde er um Entschuldigung bitten. Dann stand er flügelschwenkend da, als suche er die Aufmerksamkeit der Störchin.
Storchis Angebetete hatte sich auf Nest 2 niedergelassen und putzte sich in aller Ruhe. Sie schien Storchis wildes Gebaren entweder nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen. Frau Storch machte sich hübsch und ließ sich von Storchis Überredungskünsten nicht aus der Ruhe bringen.
Nun denn – selbst ist der Storch. Storchi ging in die Offensive. Er flog zum Nest 2 hinüber, um die Störchin in sein Nest einzuladen. Kaum war er gelandet, hob sie ab. Aber zu Storchis Freude flog die Störchin auf direktem Weg ins erste Nest. Als auch unser Storch dort eintraf, blieben beide Störche auf dem Nest. Ziel erreicht, Weibchen eingefangen.

Storchi packte die erste Gelegenheit beim Schopf und versuchte, der Störchin auf den Rücken zu klettern. Aber so funktioniert das Spiel nicht. Wenn man wirklich Tausende von Kilometern zurückgelegt hat (und die Federfarbe der Störchin lässt vermuten, dass diese bis nach Afrika gereist war), will man zumindest verschnaufen und ein gutes Fressen zu sich nehmen, bevor an die wichtigen Sachen im Storchenleben gedacht werden kann.



Deshalb purzelte Storchi bei seinem ersten Versuch auch von der Störchin herunter und legte sich anschließend eine bessere Taktik zurecht. Er nahm eine abwartende Haltung ein, was den Geschmack der Störchin auch mehr traf.
Immerhin stocherten beide schon zusammen im Nestboden herum. Manchmal berührten sich dabei ihre Schnäbel, dann hielten sie für einen Moment inne.
Aber auch die Störchin ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sollte ein Heubüschel an eine bestimmte Stelle, dann dirigierte sie es dahin, auch wenn sie es Storchi wegnehmen musste. In dieser Beziehung wird SIE wohl die Hosen anhaben. Aber Storchi war heute der großartige Nestverteidiger.
Um 16:00 Uhr flatterten beide Tiere vom Nest und verschwanden für ein ausgiebiges Picknick.
Der Storch ist in festen Händen
Gegen halb acht trudelte Familie Storch geschlossen im Storchennest ein. Und jetzt funktionierte es mit der Fortpflanzung auch schon wesentlich besser. Ein voller Bauch bringt eben gute Laune.
Anschließend besuchten die beiden Tiere noch das zweite Nest. Möglicherweise inspizierte die Störchin beide Nester, um zu entscheiden, welches das Hauptnest werden soll. Aber das war schon vorauszusehen, denn Nest eins gewinnt immer.


Das Nest wurde wieder gewechselt und Familie Storch bereitete die Nachtruhe vor. Auf sehr liebevolle Weise.
Namensgebung
Unser Storch hatte sein “Storchi” vorübergehend erhalten. Nach der Ankunft der Störchin haben beide Tiere ihre “richtigen” Namen erhalten. In diesem Jahr durften Lars und Silke auswählen, denn bisher erfolgte die Namensgebung immer auf andere Weise.
Mal war es eine Kindergartengruppe des Fohrder Kindergartens. Dann durfte eine erste Klasse aus einer Berliner Grundschule die Namen vergeben. In einigen Jahren wurde aufgrund einer Umfrage entschieden, welchen Namen die Störche bekommen.
Dieses Jahr haben sich Silke und Lars einen “Otto” gewünscht. Das heißt, unser Storch ist in festen Händen und hört ab jetzt auf den Namen “Otto”. Ich hatte drei weibliche Namen angeboten, davon hatten sich Lars und Silke “Elli” ausgesucht.
Deshalb begrüßen wir von ganzem Herzen und mit den besten Wünschen Elli und Otto vom Storchennest Fohrde. Möge euch dieser Ort Glück und eine friedliche Storchensaison bringen. Und wir sind dankbar, dass diese beiden sich Fohrde ausgesucht haben.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/
























Danke für die schönen Bilder und die netten Kommentare ❤️
Liebe Ev,
ich habe Tränchen in den Augen, so sehr freue ich mich für Otto. Die ganze Mühe zahlt sich nun aus.
Und wieder so wunderbar geschrieben. Darf ich fragen, woran man erkennt, dass Elli in Afrika war?
Liebe Grüße und wieder einmal vielen Dank.
Liebe Magda, die Störche, die bis nach Afrika fliegen, reisen in oder über die Wüste und nehmen dort viel vom Saharasand auf, der ja auch als Staub in der Luft ist. Die Störche, die im Sommer Richtung Westen ziehen, fliegen meist gar nicht mehr bis nach Afrika. Aufgrund der Witterung und großer Mülldeponien überwintern diese Tiere in Spanien, Portugal oder Frankreich, wo die Temperaturen nicht so weit runtergehen, dass Schnee fällt. Teilweise überwintern Störche auch schon im Süden Deutschlands und auch in der Schweiz, da sie auch im Winter Futter finden, solange es nicht schneit oder stark gefriert. Otto beispielsweise… Weiterlesen »
Dankeschön für die Erklärung. Das ist sehr interessant.
Hallo,
ich freue mich so sehr, dass doch noch eine Störchin gekommen ist.
Hatte schon gedacht, das gibt dieses Jahr eine Nullnummer!
Jetzt sind wir ganz gespannt, wann das erste Ei gelegt wird.
LG Usch
Das habt ihr wunderschön anschaulich und liebevoll erzählt.
Liebe Moni,
vielen lieben Dank. Da werden noch viel mehr schöne Geschichten kommen, jetzt wo sich unser Pärchen gefunden hat.
Liebe Grüße an dich und hab einen schönen Dienstag,
Ev
Ich freue mich sehr darauf, Otto und Elli zu begleiten. Für Nachwuchs machen, waren sie ziemlich spät dran. Hoffe, es geht alles gut. Liebe Grüße von Moni
Nein Moni, waren sie nicht. Hier im Osten ist es normal das die Störche erst Mitte April bis Anfang Mai ankommen. Bitte nicht mit den Westzieher vergleichen, die oft schon im Februar in ihren Brutgebieten ankommen. Die etablierte Faustregel besagt, dass sich im Osten Deutschlands bis zum 10. Mai ein Storchenpaar gefunden haben sollte, um eine erfolgreiche Brut zu gewährleisten. Nach diesem Datum nimmt das Paarungsinteresse aufgrund hormoneller Veränderungen ab. Gruß Lars
So eine tolle Berichterstattung 🫶🏻. Wunderbar, ich freue mich für Storchi, jetzt Otto, dass er nun endlich seine Partnerin gefunden hat. Ganz viel Glück den beiden und den kommenden Nachwuchs 🍀💞