28.04.2020 – „Besuch“ von zwei Störchen

Es gibt Tage, an denen so viele unterschiedliche Dinge im Storchennest passieren. Da gibt es lustige Posen, mißglückte Landeversuche oder es kommen ungebetene Gäste. Und dann sind da diese Tage, an denen rein gar nichts passiert. Die Störche werden wach, fliegen abwechseld zum Fressen aus, liegen brütend auf den Eiern und schlafen die meiste Zeit vor sich hin.

 

 

Genau solch ein Tag war heute

Kurz vor sechs Uhr tauchte Lilly nach ihrer Morgenrunde wieder im Nest auf und übernahm das Brüten. Allerdings war Ben kurz nach halb sieben schon wieder eingeflogen. Das Brüten in der Morgensonne wollte er sich nicht nehmen lassen.

 

 

Zuerst Lilly einpacken, aber der Schein trügt. Wenn Ben das Stroh und Gras über Lilly verteilt, führt er meist etwas im Schilde.

 

 

Erst einmal schauen, ob keiner guckt.

 

 

Dann zärtlich mit Lilly schmusen…

 

 

…und anschließend die Störchin pieken, damit sie von den Eier aufsteht. Also wirklich, Ben!

 

 

 

 

Mit dieser Taktik schafft es unser Storch immer wieder, sich seinen Platz zu erobern. Vielleicht ist er im Laufe des Tages noch länger unterwegs, damit Lilly auch in Ruhe brüten darf.

 

 

Herr Storch ist zufrieden und Mama Lilly fliegt vom Nest. Das nennt man (unfreiwillige) Arbeitsteilung.

 

 

 

Lilly gab Ben eine halbe Stunde Zeit, dann war sie wieder anwesend. Aber das störte Ben nicht. Er blieb seelenruhig liegen.

 

 

Lilly verschwand erneut für fünf Minuten vom Nest. Als sie wieder zurückkehrte, hatte sich die Situation nicht verändert.

 

 

 

Daher schwang sich Lilly erneut vom Nest und drehte diesmal eine große Runde, von der sie erst zwei Stunden später zurückkehrte.

 

 

 

 

Wie bekommt man diesen Storch vom Nest?

Die Betten wurden heute auch erst um halb zehn gemacht. Lilly brachte das Stroh, während sich Ben sofort darin einwühlte. (Damit Lilly nicht sehen konnte, dass er immer noch auf den Eiern saß.)

 

 

 

 

Die Störchin marschierte um den Storch herum und fixierte ihn scharf.

 

 

Während Ben ganz unschuldig tat.

„Sag mal, mein Freund, wie lange willst du da noch sitzen??“

(„Wenn ich darf, den ganzen Tag und du bringst mir das Futter ins Nest, ja??“)

 

 

So hatte sich Lilly das sicher nicht vorgestellt. Um zehn Uhr saß Ben weiterhin auf den Eiern und machte keinerlei Anstalten, diese jemals wieder freizugeben. Daher verließ Lilly ihren Gatten und stromerte durch die Wiesen. Ben beim Brüten zuzusehen, macht keinen vollen Magen. Wenigstens einer der beiden sollte für sich sorgen.

 

 

 

 

 

 

Ungebetene „Gäste“

Es war zwölf Uhr und Ben schlug Alarm. Nur eine Minute später war auch Lilly da und beide Störche führten ihren wilden Abschreckungstanz auf. Der Grund: Zwei fremde Störche waren im Anflug.

 

 

 

 

 

Einer der beiden, ein unberingter Storch, landete auf dem zweiten Nest. Das zweite Tier segelte in großer Höhe über beide Nester hinweg, drehte eine Runde und kam dann auf das zweite Nest zugeflogen, ohne jedoch zu landen. Der im zweiten Nest stehende Storch machte keinerlei Abwehrbewegungen gegenüber dem heransegelnden Storch, daher müssten beide Tiere ein Männchen und ein Weibchen sein.

 

 

Lilly machte sich sofort zum zweiten Nest auf, um dieses zu verteidigen. Der Fremdstorch wollte sich nicht mit ihr anlegen und startete vom Nest, während Lilly noch im Anflug war.

 

 

Nach einer Viertelstunde war die Luft wieder rein und Lilly und Ben verkündeten laut klappernd ihren Sieg.

 

 

 

Ben musste sich von diesem Schreck auf nüchternen Magen erst einmal erholen und flog aus. Damit hatte Lilly ihre wohlverdiente Brutzeit ergattert und trat diese um ein Uhr an.

 

 

 

Keine 15 Minuten später stand Ben wieder klappernd im Nest und scheuchte Lilly hoch. Mit diesem brutversessenen Storchenmann braucht Lilly wirklich starke Nerven. Aber Ben wird sich auch ganz liebevoll um die Küken kümmern. Letztes Jahr war er derjenige, der für das Duschvergnügen der Küken an hochsommerlichen Tagen verantwortlich war. Damals schleppte er brav literweise Wasser ins Nest, damit die Küken ausreichend Flüssigkeit bekamen und obendrein plantschen konnten.

 

 

 

Lilly verkrümelte sich wieder vom Nest und Schlitzohr Ben bewachte die Eier.

 

 

 

Alle Eier da?

Hier sind drei Eier zu sehen, alle vier waren bisher nicht wieder im Blickfeld gewesen. Vielleicht liegt eines sehr versteckt, es könnte aber auch sein, dass ein Ei nicht mehr existiert. So etwas passiert auch besser in diesem Stadium, bevor die Küken geschlüpft sind. Behalten wir also das Gelege im Blick und versuchen zu zählen, ob noch alle vier Eier vorhanden sind.

 

 

Jaja, wer es mit dem Brüten übertreibt, bekommt die Rechnung. Langsam wurden Ben die Beine vom Sitzen steif smile.

 

 

Lilly tauchte um fünf Uhr wieder auf und diesmal war Ben drei Minuten nach ihrer Ankunft vom Nest verschwunden. Offensichtlich hatte er es jetzt sehr eilig, sich auf Futtersuche zu begeben.

 

 

Lilly war damit sehr zufrieden und widmete sich in aller Ruhe dem Brüten. Ein wenig Schlaf tat nach dem langen Ausflug auch ganz gut und so waren beide Tiere zufrieden und glücklich.

 

 

 

 

Die gemeinsame Schlafenszeit wurde um halb neun eingeläutet. Ben war zurück und übernahm (natürlich) das Gelege.

 

 

 

Bis auf den ungebetenen Storchenbesuch war alles friedlich geblieben. Lassen wir uns überraschen, was unsere Stöche für den morgigen Tag planen. Bis dahin eine gute Nacht für die beiden.

 

 

 

 

 

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3 Kommentare
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Frage- können Störche sich eigentlich auch selber einen Horst bauen oder sind die generell auf ein Grundfundament angewiesen? Wenn ich mir Ben seine Baukünste so anschaue…. Gibt es denn in der ganzen Umgegend keinen freien Horst für Leni und einen ihrer Verehrer? Dann wären doch alle glücklich! Die Störche und wir auch! Und bei der Gelegenheit- ein großes Dankeschön an Ev für die liebevolle Berichterstattung und die viele Arbeit!

Liebe Ev, vielen Dank für die ausführliche Antwort!

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