24.05.2020 – Auf dem Weg nach Hause

Um sechs Uhr lag Ben zufrieden im Nest, hütete die Eier und das Küken und ließ sich von den ersten Sonnenstrahlen bescheinen. Lilly werkelte an der Nestbegrenzung herum und wartete darauf, Ben ablösen zu können.

 

 

 

 

 

Der Storchenpapa erhob sich eine Stunde später und Lilly „inspizierte“ das Küken. Ben tauchte allerdings schon eine Viertelstunde später wieder im Nest auf. Er schien auf den trockenen Platz im Nest nicht verzichten zu wollen, während auswärts alles noch nass war.

 

 

 

Lilly ließ sich aber nicht zum Abfliegen bewegen, daher musste der Storchenpapa noch eine Runde drehen.

 

 

 

 

Um halb neun kuschelte das Küken noch unter Mamas Flügeln, eine Stunde später ließ sich an einem nackten Bauch erkennen, dass sich Ben den Platz auf dem Nest wieder gesichert hatte.

 

 

 

Frühstück für den Nachwuchs

Junior bekam ein leckeres und reichhaltiges Frühstück vorgesetzt. Ben langte ebenfalls zu, aber es reichte für beide Tiere. Am heutigen Tag kam der Junior schon auf sechs Fische bei einer Mahlzeit und einige Kleintiere passten auch noch in den Bauch.

 

 

 

 

Kurz vor zehn Uhr kündigten dicke Regenwolken Wasser von oben an. Bis zum Mittag ließen sich noch vereinzelte Sonnenstrahlen sehen, den Nachmittag verbrachten die Störche dann im Regen.

 

 

Mutter und Kind genießen den Sonnenschein.

 

 

Abschied vom zweiten Küken

Am Vormittag kam es zu einer Situation, die in einem extra Beitrag samt Video zu finden ist. Das zweite Küken hatte seine Reise in diese Welt nicht überlebt, war gestorben und heute Vormittag von seiner Mutter aufgefressen worden. Wir haben das Video absichtlich nicht mit in das Tagebuch gelegt, damit jeder selbst entscheiden kann, ob er oder eigene Kinder sich diese Bilder ansehen möchten.

 

Das Küken durfte im eigenen Nest sterben, was sicher auch eine Seltenheit ist. Die meisten Storcheneltern bugsieren schwache oder kranke Jungtiere noch vor dem Ableben aus dem Nest. Daher hatte es unser zweites Küken gut, denn beide Alttiere bemühten sich bis zur letzten Sekunde intensiv um den Sprößling, der sich von Anfang an nicht wirklich aufrichten konnte. Auch wenn sein Leben hier nur sehr kurz war, er hatte es geschafft, sich aus dem Ei zu befreien und das Licht der Welt zu erblicken. Jetzt hat er seinen verletzten Körper verlassen dürfen und ist frei.

 

Selbst wenn es nur bei einem Jungtier bleiben sollte, dieses ist gesund und munter. Für den Junior und die Eltern könnte diese Situation von Vorteil sein, denn dann müssten beide Alttiere nie gemeinsam das Nest zur Futtersuche verlassen. Bei einem Küken reicht es völlig, wenn ein Tier Futter holt und der andere Elternteil das Jungtier bewacht und mit ihm spielt. Dann müssen Mama und Papa zwar die fehlenden Spielkameraden ersetzen, aber sie hätten wesentlich mehr Freizeit.

 

 

 

Pünktlich zur Mittagszeit hat Ben wieder Fischchen gefangen und ins Nest gebracht. Ist der Bauch gefüllt, muss die Schlafposition eingenommen werden, damit sich das Futter in Knochen, Haut und Muskeln umwandeln kann.

 

 

 

 

Die Störche werden ausgiebig geduscht

Um 13 Uhr kam der große Regen, der nicht die einzige Dusche des Tages sein sollte. Lilly hatte das Küken unter ihren Flügeln und Ben landete eine halbe Stunde später auf dem Nest. Er machte es sich auf der Kamera bequem und ließ das Nest bei seinem Hopser auf den Hochsitz gefährlich wackeln. Anscheinend war die Stehfläche auf der Kamera rutschig, denn der Storch stand einen Moment flügelschlagend da, um das Gleichgewicht zu halten. Lilly und der Nachwuchs wurden dadurch kräftig durchgeschüttelt.

 

 

 

 

Die Regenwolke hatte sich verzogen und Junior durfte wieder einen Blick auf die Außenwelt wagen.

 

 

„Wenn du schon stehst – gibt es was zu fressen??“

 

 

Nein, Mama war der Ansicht, dass jetzt Zeit für die Gefiederpflege sei. Die Storcheneltern zupfen täglich am Nachwuchs herum, damit dieser sich daran gewöhnt, die Federn zu richten und einzufetten. Noch ist nichts auf dem Körper des Kükens, das in die richtige Form gebracht werden kann, aber durch den Schnabel wird schon Fett von der Zirbeldrüse der Eltern auf die Haut des Kükens übertragen und schützt diese.

 

 

 

 

Um halb drei gab es die nächste Dusche. Diesmal dauerte es nur 15 Minuten, bis der Himmel wieder blau war und das Nest samt Storch trocknete.

 

 

 

 

 

Ein kurzer Überflug

Zur gleichen Zeit flog ein fremder Storch vorbei. Lilly hatte diesen vom Nest aus erblickt, begnügte sich aber mit lautem Geklapper. Der Storch drehte auch nur eine Runde und landete nicht einmal auf dem zweiten Nest.

 

 

Fütterungszeit um drei Uhr. Aber vorher muss Mama noch nachsehen, ob der Nachwuchs fit ist.

 

 

 

 

„Mama, das reicht jetzt!!“

 

 

Junior hatte Glück, denn Ben flog ein und Lilly unterbrach ihr Vorsorgeprogramm. Beim Aufstehen klebte das feuchte Stroh an ihrem Körper und sie zog es mit in die Höhe. Anschließend war das Küken hinter dem hohen Wall nicht mehr zu sehen.

 

 

„So, Mama ist unterwegs und jetzt machen wir es uns gemütlich.“

 

 

 

Um halb fünf wurde auch Ben im Nest geduscht. Zehn Minuten später war der Spuk vorbei und Ben versuchte, das Wasser aus den Federn zu bekommen.

 

 

 

Wie passt das Futter in das Küken?

Die nächsten Sonnenstrahlen trockneten das Nest und währenddessen servierte Ben noch einen Imbiss. Nach fünf Fischen musste das Küken würgen, um weiteren Platz zu schaffen. Aber ein sechster Leckerbissen passte dennoch hinein. Legt man alle Futtertiere auf einen Teller und vergleicht die Masse mit der Größe des Kükens, fragt man sich, wo das Futter in dem Tier hinrutscht, damit es hineinpasst :).

 

Auf dem folgenden Bild ist der erste Toilettengang des Juniors zu sehen. Die kleinen weißen Punkte sind das verwertete Futter :).

 

 

 

 

 

 

 

Die nächste Fütterung gab es um halb sieben.

 

 

 

Die nächste Dusche erfolgte nach dem Abendbrot. Um halb acht regnete es erneut und eine halbe Stunde später wurde das restliche Wasser über dem Storchennest ausgeschüttet. Das dürfte genügend Nass für die umliegenden Wiesen und Felder gewesen sein, um kräftig zu wachsen. Den Störchen dürfte es weniger gefallen haben, nur Junior hat es weiterhin warm und kuschelig unter Mamas und Papas Bauch.

 

 

 

Die untergehende Sonne konnte das Storchennest nicht wirklich trocknen, aber die Störche sind das mittlerweile gewohnt. Ben hatte das Küken kurz vor neun Uhr nochmals gefüttert, sodass es die Nacht satt und zufrieden überstehen konnte.

 

 

 

 

 

 

Das Küken wurde gut unter dem Bauch verstaut und die Nachtruhe eingeläutet.

 

 

Um 21:45 Uhr war Familie Storch komplett auf dem Nest versammelt und beendete einen weiteren Tag.

 

 

Jeder Abschied ist ein Neuanfang

Nachdem um halb neun die vorerst letzte Regenwolke im Abziehen war, entstand dieses wunderschöne Bild. Hier ist alles vereint – Sonne und Wolken, Licht und Schatten. Passend zum heutigen Geschehen berührte der Regenbogen das Storchennest und bildete eine Brücke in den Himmel. Unser zweites Küken ist wohlbehütet dorthin zurückgekehrt, von wo es seinen Weg auf die Erde nahm. Energie – in welcher materiellen Form auch immer – kann nie verloren gehen, sondern existiert für immer. In diesem Sinne zeigt uns die Natur, dass wir nicht traurig sein müssen und verabschiedete unser Küken mit einer wundervollen Regenbogenbrücke.

 

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3 Kommentare
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so wunderschön und einfühlsam geschrieben – mir fehlen fast die Worte, lass es dir gut gehen, kleiner Storchi

Lieber Gruß Elke

Das sieht richtig schön aus , aber ich bin unendlich traurig über den Tod des kleinen Storches!

Tolle Bilder und Wundervolle Worte. Ich bin einfach manches mal zu nah am Wasser gebaut .einfach super . Gruss Brigitte

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