Die Nacht wird immer kürzer im Fohrder Storchennest und beide Tiere brauchen Privatsphäre. Die ungarischen Küken sitzen plötzlich alleine im Nest und wer hat gesagt, dass man alles aufessen muss, was auf den Nestboden kommt?
Otto und Elli sind Frühaufsteher und verlassen das Nest immer zeitiger. Heute stand es bereits um 4 Uhr leer. Anscheinend schmeckt das Futter besser, wenn es noch dunkel ist.
Zwei Stunden später waren sie zurückgekehrt, denn nun brauchte Otto sein morgendliches Verwöhnprogramm.
Als Elli alle Stellen des Storches gekrault hatte, flog sie für einen Moment vom Nest. Sie hatte einen Ast erspäht, der unbedingt ins Nest verfrachtet werden musste.
Nanu Otto? Mit wem hast du dich denn gerauft? Da standen zwei Federn senkrecht auf Otto Rücken, die bereit waren, jeden Moment auszufallen.
Was Elli kann, kann Otto schon lange. Ein Ast wollte sich zwar nicht finden lassen, aber Heu und Stroh liegen ja in reichem Ausmaß überall herum. Also flatterte auch Otto kurzzeitig vom Nest, um frisches Polstermaterial zu holen. Auch die Erwachsenen müssen es weich und angenehm haben.
Das Leben ist schön
Mittlerweile war es nach 7 Uhr und beide Tiere lagen einträchtig in der Sonne. Was für ein wunderschöner Morgen. Keine Verpflichtungen, schönes Wetter und auf den Wiesen, Feldern und in den Wasserstellen warteten unzählige Futtertiere, die man nur einsacken musste.
Ellis Appetit schien größer als das Ruhebedürfnis von Otto. Daher verabschiedete sich die Störchin in Richtung Futterparadies, während Otto das Alleinsein genoss.
Elli hatte ihre große Futterrunde wohl doch noch nicht angetreten, denn nach kurzer Zeit erschien sie wieder auf dem Nest. Anscheinend wollte sie Otto bewegen, aufzustehen und sie zu begleiten. Gemeinsam machen die Ausflüge ja auch mehr Spaß.
Kräftiges Stochern half auch diesmal. Doch dann verlor Elli die Geduld und flog schon mal voraus. Otto stand alleine am Nestrand und war sichtlich am Überlegen, welchem Impuls er nachgeben sollte.
Elli drehte eine kurze Runde und landete erneut neben Otto. Dann waren beide Tiere bei der Paarung zu sehen.
Aber es war noch nicht Ottos Zeit. Er legte sich (nach der Anstrengung) wieder hin, während Elli loszog.
Um 12 Uhr lag Elli im Nest, während Otto unterwegs war. Soloausflüge sind scheinbar auch ganz wichtig, um sich aufeinander zu freuen. Vielleicht haben die beiden auch nur unterschiedliche Futtervorlieben und sind deshalb in unterschiedlichen Gebieten unterwegs.
Den gesamten Nachmittag war Familie Storch außer Haus. Ob sie einzeln oder gemeinsam unterwegs waren, werden wir aber nicht erfahren.
Am Abend kehrten sie um 22 Uhr gemeinsam ins Nest zurück. Offenbar ist der Fohrder Horst doch so gemütlich und ansprechend, dass er der bevorzugte Wohnsitz bleibt.
Daher wünschen wir unserem Storchenpaar eine gute Nacht.
Der Blick nach Ungarn
Das Storchennest war etwas getrocknet und die Küken wollten heute anscheinend etwas länger schlafen.
Kurz vor halb zehn waren die Storchenkinder plötzlich alleine im Nest zu sehen. Anscheinend beginnt auch bei ihnen jetzt die Zeit, dass beide Eltern gleichzeitig auf Futtersuche gehen. Bei der jetzigen Größe setzt eine Entwicklungsphase ein, in der die Jungen viel mehr Nahrung als bisher brauchen und instinktiv gehen die Alttiere öfter und zeitgleich auf Beutefang.
Mama Storch tauchte um halb zehn im Nest auf, servierte eines der vielen Frühstücke und bewachte anschließend die satte Rasselbande.
Nur eine Viertelstunde später kam die Ablösung und Macus übernahm das Quartett.
Zeigt her eure Füße
Ein Blick auf die Kükenfüße zeigt auffällige Veränderungen. Während die Beine noch sehr kurz sind und eine dunkelgraue Färbung haben, leuchten die Füße in schönstem Orange. Ein knalliger Kontrast zu den Beinen. Sitzen die Jungtiere nebeneinander, sieht man die farblichen Unterschiede.
Aufgereiht wie auf einer Hühnerstange. Aber schon bald kippte der Nachwuchs um und versank in einem Vormittagsschläfchen.
Um 11 Uhr wurde Futter vorbeigebracht, das im Schnabel von Macus landete. Die Küken bekamen auch einige Happen ab, mussten aber erst aus ihrer Schreckstarre erwachen. Obwohl sie in der Nähe der Menschen aufwachsen und jeden Tag Kontakt mit ihnen haben, reagiert die Natur in ihnen und schützt sie mit dem Totstellreflex.
Nur zehn Minuten später kehrte Mama Szofi zurück und die Küken bekamen ihre nächste Mahlzeit. Danach waren sie sicher bis zum Abwinken satt, denn schon beim Fressen war zu sehen, dass sich ein Küken zurückhielt und nur abwartend zuschaute. Anscheinend war das Lieblingsfutter nicht dabei. Szofi hatte wieder diese dicken Würmer erwischt, die zusammengeringelt waren und sich nicht „aufbiegen“ ließen. Aber wer satt ist, darf auch mal ein bißchen mäkeln.
Schichtwechsel um 12 Uhr und dann setzte sich die Sonne wieder durch. Das Nest wurde trocken und den kleinen Störchen warm. Gut, dass man einen Sonnenschirm im Nest hatte, der nicht auf Futtersuche fliegen kann.
Zuerst die Flügel auseinanderfalten und anschließend auf den Schnabel plumpsen. Es wird noch einige Tage dauern, bis die Kleinen das wirklich unter Kontrolle haben.
Sie brauchen Privatsphäre
Gegen halb sechs war Ruhepause im Nest angesagt. Mittlerweile ist der Nachwuchs im Krabbelalter und schon so mobil, dass sich jeder seinen Liegeplatz im Nest selbst wählen kann. Kuscheln ist fein, aber ein wenig Privatsphäre ist ebenfalls wichtig. Deshalb lagen die Küken verstreut im Nest. Und einer ist immer dabei, der aus der Reihe tanzt.
Wir wünschen auch den ungarischen Storchenkindern eine entspannte Nacht und für den nächsten Tag gaaaanz viel Futter.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/
Quelle:
https://www.youtube.com/watch?v=TFMYz75fSmQ











































