21.07.2020 – Junior fliegt und fliegt und fliegt hinter den Eltern her

Junior war schon um 5 Uhr startklar. Aber da die Sonne noch nicht schien, begnügte er sich mit der Aussicht vom Nest und erfreute sich an der Vogelperspektive.

 

 

 

Bis halb acht wartete er darauf, dass ein Alttier zu Besuch kam. Und er hatte Glück – Ben tauchte pünktlich im Nest auf.

 

 

 

 

Er interessierte sich zwar in erster Linie für das Nest, aber Junior hatte ohnehin keine Lust aufzustehen. Wer weiß, ob der Storchenpapa nicht wieder wegflog, bevor er in der Senkrechten war? Und er lag mit seiner Annahme richtig: Als er sich erhob, flatterte Ben wieder davon. Wozu also aufstehen?

 

 

 

 

 

 

“Na, dann mache ich mir mein Tagesprogramm eben selbst!”

 

 

 

Gesagt, getan. Junior hob um 8:25 Uhr vom Nest ab, nachdem er einige Übungshüpfer absolviert hatte.

 

 

Zu dieser Zeit stand stand Ben im zweiten Nest. Doch jetzt wurde er von Junior verfolgt. smile

Das macht Spaß – verlässt das Alttier den Horst, um seine Ruhe zu haben, fliegt Junior jetzt hinterher. smile

 

 

 

“Da bin ich schon! Gibt es Futter?? Ich komm es mir sogar abholen!!”

 

 

 

Nein, Futter gab es nicht. Dafür verschwand der große Storch schon wieder vom Nest. Das war nicht fair.

 

 

Junior blieb über eine halbe Stunde im zweiten Nest, dann flatterte er auf ein Dach und von diesem zurück zum ersten Nest. Er musste schnell mal nachschauen, ob sich der Storchenpapa dort nicht heimlich versteckte.

 

 

Lilly war fünf Minuten nach dem Abflug des Kükens auf dem zweiten Nest eingekehrt und beobachtete von dort das Treiben. Als Junior im Kinderzimmer gelandet war, schwang sich die Störchin ebenfalls in die Luft und flog zu Junior hinüber.

 

 

 

 

 

So viel Flugunterricht musste belohnt werden und das Küken bekam das (erste?) Frühstück des Tages.

 

 

 

Junior verputzte die letzten Bissen, während sich Lilly wieder in Sicherheit gebracht hatte. Die Alttiere füttern im Moment weniger, weil sie mit dem Jungtier auf den Erdboden wollen. Noch weiß Junior nicht, dass das Futter nicht vom Storchenschnabel kommt, sondern von der Wiese und dem Feld und dass es dort eingesammelt werden muss. Dazu muss er die Eltern erst begleiten und die Erfahrung machen, dass er sich das Wohlgefühl im Bäuchlein durch eigene Arbeit beschaffen muss. smile

 

 

Während Junior seine Futterreste vertilgte, trafen sich Ben und Lilly auf dem zweiten Nest. Anschließend machte sich Ben auf den Weg, um auch sein Futter an den mann bzw. das Küken zu bringen.

 

 

 

 

Diesmal hatte Junior Glück, denn Ben öffnete seinen Schnabel und servierte sein Frühstück. Anschließend zeigte ein Schatten auf dem Nestboden, dass sich der Storchenpapa wieder auf den Hochsitz verabschiedet hatte.

 

 

 

“Immer dieses Weghopsen!”

 

 

Lilly sah dem Treiben aus der Ferne zu und genoss ihre Ruhe. Die Storcheneltern haben in dieser Saison ein absolut traumhaftes Leben. Für zwei oder drei Jungtiere wären sie ununterbrochen am Futterholen gewesen und hätten deutlich abgespeckt. Jetzt haben sie immer noch genug Reserven, um die Reise in den Süden entspannt anzutreten. Es war also für die Eltern eine sehr erholsame Saison.

 

 

Ben bequemte sich um 11 Uhr wieder von der Kamera und betrachtete seinen Nachwuchs. Zwischendurch musste er allerdings ein Klappern loslassen, denn am Himmel wimmelte es wieder von Flugobjekten aller Art. Die meisten Jungtiere in der Umgebung fliegen jetzt und daher kreist ständig etwas über den Köpfen der Störche.

 

 

 

 

Als sich Ben vergewissert hatte, dass kein Angriff auf das Nest drohte, widmete er sich der liebevollen Krabbelei seines Kükens. Anschließend ließ er sich neben Junior nieder und dieser erwiederte Bens Liebkosungen, indem er den Storchenpapa seinerseits kraulte. Irgendwie ist es ganz schön traurig, dass diese Gemeinschaft in drei Wochen aufgehoben wird und die Tiere auseinandergehen.

 

 

 

 

 

Lilly hielt während dieser Zeit ihr Nickerchen und war zufrieden, dass sich Junior mit Ben beschäftigte. smile

 

 

Noch ein wenig schmusen und Papa den Kopf kraulen.

 

 

 

 

 

Dann hatte Junior so viel geschmust, dass Ben sich erhob und seine Einsamkeit auf der Kamera suchte.

 

 

 

 

“Macht nichts, dann schaue ich mal nach, was Mama macht!”

 

 

 

 

Und schon war Junior unterwegs und flatterte der Störchin entgegen, die sich bereits auf dem zweiten Nest erhoben hatte.

 

 

Im zweiten Nest ist die Landung schwieriger, wenn schon ein Storch da ist. Der Durchmesser des Nestes ist wesentlich kleiner als bei Juniors Kinderzimmer. Mehr als zwei Tiere passen hier nicht hinein, wenn jedes noch Bewegungsfreiheit haben soll. Daher ist es gut, dass das Nest nur als Zweitwohnung für die Eltern benutzt wird. Für eine komplette Storchenfamilie wäre es einfach zu klein.

 

 

“So, da bin ich! Gibt es Futter??”

 

 

Nein, wieder kein Futter. Stattdessen flüchtete Lilly auf ein Hausdach und richtete sich dort ein. Natürlich nehmen die Alttiere nicht vor ihrem Jungtier Reißaus. Sie wollen es nur locken, mit ihnen zu fliegen und auf die Wiese zu kommen. Auf dem Hausdach wäre eine Futtersuche nicht wirklich effektiv, aber vom Nest auf ein Dach und vom Dach auf den Boden. In dieser Reihenfolge verläuft das Geschehen. smile

 

 

 

 

Junior hatte aber keine Lust, Lilly auf das Dach zu folgen. Da machte er lieber seine eigenen Ausflüge.

 

 

Er wartete noch zehn Minuten, ob sich Lilly vielleicht zur Rückkehr entschied, dann hüpfte auch er vom zweiten Nest und flatterte in einem Bogen in sein Kinderzimmer.

 

 

 

Bis 14 Uhr herrschte Mittagspause, dann verließ Junior erneut sein Nest. In der Zwischenzeit hatte sich Ben auf dem Hochsitz eingefunden, aber dort war er für Junior unerreichbar. Das Küken hatte aber entdeckt, dass Lilly wieder das zweite Nest bezogen hatte und nutzte die Gunst der Stunde.

 

 

“Überraschung Mama!! Da bin ich!!”

 

 

Ben und Lilly werden jetzt immer öfter vom Küken überrascht. Vor allem, wenn sie gerade ausruhen und in der Sonne schlafen wollen. Den Teenager stört das nicht weiter. Er freut sich seines Lebens und der Fähigkeit, seinen Eltern hinterherzuflattern.

 

 

Lilly suchte sich anderswo ein ruhiges Plätzchen und Junior saß wieder alleine im Nest. Eigentlich ist alles beim Alten – Junior sitzt jetzt nur in zwei Nestern alleine da. smile

 

 

“Na, dann mache ich mal hier ein Nickerchen. Mal schauen, wie es sich hier schläft.

 

 

Nach seinem Schläfchen wurde Junior überrascht, indem Lilly etwas zu fressen brachte. Immerhin war es schon 15:30 Uhr geworden und bei der schmalen Küchen war jetzt unbedingt der Lieferservice angesagt. Junior verputzte seine erste Mahlzeit im zweiten Nest und schien auch mit diesem Standort zufrieden.

 

 

 

Lilly flog aus und auch Junior verließ das Nest eine halbe Stunde später.

 

 

Kurz nach 16 Uhr landete er daheim und machte es sich anschließend im vertrauten Nest gemütlich.

 

 

 

Eines der Alttiere brachte um 18:20 Uhr das Abendbrot vorbei und es war klar, dass Junior heute noch nicht auf eigenen Beutefang gehen würde. Aber vielleicht schon morgen.

 

 

 

Kurz nach sieben Uhr setzte unser Flugkünstler zu einem letzten Start am heutigen Tag an. Lilly sonnte sich wieder im gegenüberliegenden Nest, das Junior anpeilte.

 

 

 

Diesmal landete er sogar auf dem Nestrand, was selbst für die geübten Störche schwierig ist. Lilly klapperte Beifall, wurde aber vom Küken so weit auf den Nestrand gedrängt, dass sie sicherheitshalber abhob, bevor sie runterfallen konnte.

 

 

 

 

So hatte Junior das sicher nicht geplant. Schon wieder war die Mama weg. Die Sache erweist sich als sehr widerspenstig. Was ist das schwierig, an sein Futter zu kommen. Früher ging das viel einfacher.

 

 

 

Immerhin flog 45 Minuten später wieder ein Elternteil ein und fütterte Junior nochmals auf dem zweiten Nest. Wahrscheinlich wollten die Eltern das Küken zufriedenstellen, damit es wieder in sein Kinderzimmer zurückkehrte und die Abendruhe eingeläutet werden konnte. smile

 

 

 

 

 

 

 

Lilly (?) verschwand zwei Minuten später, aber Junior machte keine Anstalten, das Nest zu verlassen. Erst anderthalb Stunden später flatterte er ins erste Nest und wurde gleich darauf von Ben besucht.

 

 

 

 

 

Um 22 Uhr waren Ben und Junior einträchtig im Nest liegend zu sehen. Der Storchenpapa blieb heute die ganze Nacht bei dem Küken, sodass Junior endlich wieder eine kuschelige Nacht hatte.

 

 

 

 

Schlaf gut, kleiner Storch und träume vom Ausflug auf die Wiesen. Wir denken an dich.

 

 

 

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