21.03.2026 – Otto und Jezebel sind in Fohrde eingezogen

Pärchenauswilderung in Fohrde – so wurde ein einmaliges Ereignis angekündigt, das alle Storchenfans von Otto in Aufregung versetzte. Nicht nur Otto sollte am 21.03. 2026 wieder in sein Nest nach Fohrde zurückkehren. Gleichzeitig sollte eine Storchendame ausgewildert werden – Otto und seine Herzensdame  Jezebel sind gemeinsam nach Fohrde gezogen.

 

Samstag Vormittag. 11 Uhr. Die kostbare Fracht war aus Loburg eingetroffen und wurde von Dr. Kaatz aus dem Auto geladen. Zu sehen gab es für die beiden Störche noch nicht viel, denn um möglicher Panik vorzubeugen, hatten die beiden ihre Reise mit einer Socke über dem Kopf angetreten.

 

 

Am Ende der Ziegelstraße in Fohrde eröffnet sich die Wiese, auf der Otto im letzten Jahr Futter suchte und Stroh für seinen Horst mopste. Direkt in Laufrichtung steht das Nest und alle waren gespannt, ob Otto seinen damaligen Lebensraum wiedererkennen würde.

 

 

Zuerst wurden Otto und seine neue Liebe Jezebel aus der Tasche befreit und auf die Wiese gelegt. Anschließend wurden ihnen vorsichtig die Socken vom Kopf genommen.

So schnell kann es gehen. Eben noch in Loburg und dann wurde es dunkel. Nun wurde es wieder hell und beide Störche befanden sich in Fohrde und in Freiheit.

 

 

Otto und Jezebel wurden aus ihren „Transportwesten“ ausgepackt und ließen es zu, dass sie fotografiert und gefilmt wurden.

 

 

 

Manchmal muss man nachhhelfen – Starthilfe für Otto und Jezebel

Da die beiden Störche unbeweglich auf dem Gras liegenblieben, musste beim ersten Schritt in die wiedergewonnene Freiheit liebevoll nachgeholfen werden. Die Hände kamen sanft unter den Bauch der Tiere, um sie langsam in die Höhe zu heben und auf die Beine zu stellen und siehe da, …

 

 

 

… plötzlich machten Jezebel und Otto ihre ersten Schritte.

 

 

 

Ganz entspannt ging es Schritt für Schritt vorwärts, während die Flügel immerzu ausgeschüttelt wurden. Kein Maschendraht verhinderte das Vorwärtskommen und auch die weiche Wiese war nach vielen Genesungsmonaten in einer Voliere eine völlig neue Erfahrung.

 

 

Die Befürchtung, dass eines oder beide Tiere sofort wegfliegen würden, bestätigte sich zum Glück nicht. Nachdem sie die Hälfte der Wiese in Richtung Fohrder Horst zurückgelegt hatten, schien bei Otto eine Erinnerung wachzuwerden. Plötzlich schlug er mit den Flügeln, erhob sich in die Luft und flog auf direktem Weg zu seinem Nest.

Damit war sichergestellt, dass der Storch auch in der freien Natur wieder flugfähig ist und seine alte Heimat in Besitz nehmen kann.

 

 

Hey, da bin ich endlich wieder!!!

Und wie er wieder da ist! Sauberer denn je und mit genügend Fettreserven. So zeigte sich Otto um halb zwölf auf SEINEM Nest, nachdem er den Winter in fürsorglicher Aufsicht in Loburg verbracht hatte.

Ganz selbstverständlich untersuchte er sein Nest und zerrte die losen Äste zur Seite. Ganz der Hausherr, der den Horst für seine Störchin herrichtet.

 

 

Und natürlich war sein ersten Klappern auf dem Nest etwas ganz Besonderes. Lange Zeit war es nicht sicher, ob Otto überhaupt gesund und wieder flugfähig werden würde. Dass er seinen Rückflug bequem im Auto machen würde und dass ihm eine Gefährtin gleich mit ins Nest gesetzt werden würde – daran war im letzten Sommer nicht zu denken.

 

 

 

 

 

So kennen wir Otto! Gemütlich in der Sonne sitzen und entspannen. Fehlt nur noch Jezebel.

 

 

Auch Jezebel zieht ins Fohrder Storchennest

 

 

Und auch dieser Wunsch erfüllte sich. Während Otto sein Nest in Besitz genommen hatte, war Jezebel noch auf der Wiese unterwegs.
Vielleicht wollte sie Otto einen Vorsprung lassen, um das Nest herzurichten. Oder sie musste die neue Umgebung erst akzeptieren – es dauerte jedenfalls noch gut zwei Stunden, bis sich die Störchin entschied, in die Luft aufzusteigen und das Nest anzusteuern, in dem Otto bereits eifrig nach ihr Ausschau hielt und sie herbeiklapperte.

 

 

Otto war sich im ersten Moment nicht sicher, ob Freund oder Feind im Anflug war und sprang so stürmisch auf die Beine, dass Jezebel ihn beinahe über den Haufen flog. Einen Moment später erkannte Otto seinen Irrtum und beide Störche begannen ein lautstarkes Geklapper, dass über eine Minute anhielt.

 

 

 

Jezebel begann sofort, das Nest zu untersuchen und nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Und wieder zeigte sich, dass die Damen im  Nest das Sagen haben. Otto zerrte zwar seinerseits am Stock herum, den auch Jezebel im Schnabel hatte, aber um des Hausfriedens willen ließ er der Störchin dann doch ihren Willen. So klappt es bestimmt auch mit dem Kraulen.

 

 

 

Wer produziert hier Ostereier?

Alles zur richtigen Zeit – das dachten sich sicher auch die beiden Störche. Im letzten Jahr hatten Otto und Elli keine Kücken, weil die beiden erst Ende April zusammenfanden.

Dieses Jahr sind beide Störche bereits vor Ende März ins Nest eingezogen, sodass die ersten Eier bereits Ostern im Nest liegen könnten. Auf alle Fälle scheinen die beiden bereits in Loburg „geübt“ zu haben, denn jeder Tretakt der beiden verlief liebevoll und perfekt.

 

 

 

Und auch dieses Bild kommt einem vertraut vor. Nach getaner Arbeit ist gut Ruhen – so erlebten wir Otto auch auf Ellis Rücken, wenn er sich einen Moment entspannte und den Blick auf die Umgebung genoss.

 

 

 

Und noch etwas musste wiederentdeckt werden – Ottos Lieblingsplatz im Nest. Mit einem eleganten Hüpfer entschwand der Storch den Blicken, als er auf die Kamera hopste und Jezebel vormachte, wie man eine Auszeit nimmt.

 

 

Lauter süße und vermisste Eigenheiten

Nein Otto, da ist noch kein Ei unter Jezebels Bauch! Aber auch daran erinnern wir uns – an einen Otto, der mit seinem Schnabel so lange unter Ellis Bauch stocherte, bis diese aufstand und sich der Storch auf ihren Platz legte.

 

 

Aber mit Jezebel scheint Otto seine Meisterin gefunden zu haben. Nix da mit dem Hochscheuchen. Jezebel beanspruchte ihren Platz und ließ sich auf keine Diskussionen ein, immerhin ist das Nest groß genug. Otto musste neben ihr Platz nehmen. Und so gehört es sich auch.

 

 

Otto und Jezebel drehten im Tagesverlauf kurze Runden, bei denen die Störchin auch das zweite Nest ansteuerte, aber sogleich zurückkehrte. Noch waren die Tiere satt und es erforderte keine Futtersuche. Der erste Hunger dürfte sich morgen früh bemerkbar machen und auch die Feststellung, dass man sich ab jetzt in Eigeninitiative das Futter beschaffen muss.

Aber Otto wird mit Jezebel die Umgebung erkunden und der Störchin die überschwemmten Wiesen und Wasserstellen zeigen, an denen sie sich die Bäuche vollschlagen können.

 

Eine Auswilderung wie aus dem Bilderbuch

In den Abendstunden bekam Otto seine lang ersehnten Streicheleinheiten von seiner Störchin und alles war wie im Vorjahr. Auch im Dunkeln lassen sich die Tiere sehr gut unterscheiden, denn Jezebels weiße Federkante weist große und tiefreichende Rundungen auf. Bei Otto ist dieser farbliche Übergang eher gerade angelegt.

 

 

Noch vor 24 Stunden stand das Fohrder Storchennest leer. Und jetzt ist ein Storchenpaar eingeflogen, das in trauter Zweisamkeit die Nacht verbringt und allen Nestguckern unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht zwingt.

 

Die Storchensaison 2026 ist eröffnet. Herzlich willkommen Otto und Jezebel. Möge eine friedvolle und erfolgreiche Saison ihren Lauf nehmen.

 

 

 

 

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4 Kommentare
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Liebe Ev, vielen Dank für diesen liebevollen Bericht!!! Ich habe zwar gestern die Auswilderung verfolgt und auch mit Hilfe der Webcam durch Zufall gesehen wie Otto auf seinem Nest gelandet ist, aber das alles jetzt nochmal zu lesen war wirklich schön! Vielen Dank für diese Mühe!
Herzliche Grüße aus Wackersberg
Claudia

Vielen Dank für diesen ausführlichen und wunderschönen Bericht. Ich hatte Gänsehaut und habe mit gefiebert beim Lesen. Jezebel und Otto sind für mich das Traumpaar 2026. Ich drücke ihnen so sehr die Daumen. Sie haben so viel geschafft und sich in ihr Storchenleben zurück gekämpft mit liebevoller Hilfe. ❤️ Liebe Grüße.