20.05.2020 – Fische, Krebse und ein kleines Loch im Ei

Es war erst 4:47 Uhr und trotzdem war das Küken schon ganz munter. Auf diesem Foto sind auch alle drei Eier perfekt zu erkennen. Vor dem Küken liegt das erste Ei und zwischen den Beinen des Storches sind die beiden anderen zu erkennen. Im Moment ist es schwierig, einen Blick auf alle drei Eier gleichzeitig zu erwischen. Entweder sitzt das Küken davor oder sie sind völlig im Stroh eingebaut. Dieses Foto zeigt aber deutlich, dass immer noch drei Eier darauf warten, von ihren Bewohnern aufgepickt zu werden :).

 

 

Aufstehen? Fehlanzeige – es wird wieder dunkel gemacht und das Küken muss noch ein wenig schlafen. Je weniger es sich bewegt, desto mehr Energie kann in das Wachstum gesteckt werden.

 

 

Um fünf Uhr flatterte Lilly ein und war mit mehreren Stöcken bewaffnet. Die Tiere machen sich längst nicht mehr so viel Arbeit mit dem Verbauen. Auch dieses Holz wurde einfach abgelegt und das war es.

 

 

 

Schichtwechsel

Ben machte sich für seinen ersten Ausflug fertig und Lilly gönnte dem Küken einen kurzen Blick in den Morgen, bevor es weiterschlafen musste.

 

 

 

 

Eine Stunde später tauchte Ben wieder auf und hatte ebenfalls den Schnabel voller Äste. Anschließend übernahm er die Betreuung des Nachwuchses, der quitschfidel aus dem Nest schaute.

 

 

 

 

 

 

Gewusst wie

Es dauerte keine vier Minuten, da war Ben schon wieder in stehender Position zu sehen. Junior hatte anscheinend keine Lust auf die ständige Dunkelheit und gab das Ben mit seinem kleinen Schnäbelchen deutlich zu verstehen. Daher schraubte sich der Storchenvater lieber erneut in die Höhe, als seinen Bauch traktieren zu lassen.

 

 

Zur Abwechslung könnte es ja mal Frühstück geben. Und auch Ben kam die Idee, dass das Küken eher Ruhe geben würde, wenn sein Bäuchlein gefüllt war.

 

 

Das ging daneben

Ben hatte es gut gemeint und eine ordentliche Futterportion ausgespuckt. Es gab nur ein Problem – zwischen dem Küken und dem Futter lag ein unüberwindliches Hindernis – ein Ei. Ben hatte das Futter ca. eine Handlänge vor dem Küken serviert, aber dieses konnte nicht herankommen. Einen langen Hals machen, das ging schon. Aber durch das Nest rutschen und ein Ei umgehen – das klappte noch nicht. So hatte das Küken weniger vom Frühstück als Papa Storch, der genüßlich alle Würmer in den eigenen Schnabel schaufelte.

 

 

 

Die Mama kam, aber für das Küken war weiterhin Nachtruhe angesagt.

 

 

 

Lilly hatte noch mehr Stöcke aufgetrieben und Ben klapperte Beifall.

 

 

 

Zum Aufstehen hatte der Storch aber noch keine Lust. Anscheinend saß der Nachwuchs unter den Flügeln gerade still und diese Verschnaufpause musste man nutzen.

 

 

 

 

Der nächste Schichtwechsel kam und Ben flog los, um Gras zu holen.

 

 

 

 

Lilly bekam auch etwas Gras auf den Schnabel gespießt, dann verließ Ben erneut das Nest.

 

 

Mama Storch ist die Rettung

8:04 Uhr und endlich gab es auch für das Küken Frühstück. Lilly hatte viele Würmer mitgebracht. Teilweise hingen sie dem Küken noch aus dem Schnabel, während es schon versuchte, den nächsten zu erwischen. Ein langer Wurm dürfte den Magen des Winzlings ausgiebig füllen, aber das Küken stopfte so viel in sich hinein, dass man sich fragen musste, wohin. Nach vier Minuten passte absolut nichts mehr hinein und jetzt kam dem Junior ein wenig Schlaf ganz recht, denn er konnte sich nicht mehr rühren.

 

 

 

 

 

 

 

Eine Stunde später war das meiste Futter anscheinend verdaut, denn der Ministorch sperrte nach einem Schichtwechsel zwischen Mama und Papa schon wieder gierig sein Schnäbelchen auf.

 

 

Papa Ben war fischen

Dass auch die umliegenden Teiche, Seen und die Havel genügend Futter bieten, zeigte uns Ben bei der nächsten Mahlzeit. Diesmal wurde die maritime Speisekarte aufgefahren und Ben servierte Wassertiere. Was anfangs wie breitgeklopfte Blutegel aussah, entpuppte sich als Minifische und kleine Krebstiere. Ein paar Würmer waren zur Abwechslung auch dabei. Und diesmal platzierte Ben das Futter so, dass der Junior es auch erreichen konnte.

 

 

Ein kleines Fischlein für das Küken. Es lässt sich nur nicht so gut verschlucken, wenn es einem quer im Schnabel liegt :).

 

 

Ein kleines Fischlein für den Papa. Schön, wenn man das Frühstück zweimal futtern kann. Das hält schlank.

 

 

 

 

Anschließend wird für die nötige Bauchmassage gesorgt, um die Verdauung anzuregen. Die Storcheneltern nehmen den abgegebenen Kot sofort auf und entsorgen ihn, damit das Nest sauber bleibt. In der vierten Lebenswoche können die Storchenkinder dann aufstehen und ihr Geschäft selbstständig über den Nestrand hinaus verrichten. Aber bis dahin ist noch Zeit.

 

 

 

Es schläft… Vollgefuttert lässt es sich am besten schlafen, vom Küken ist eine halbe Stunde nach der Fütterung nichts zu sehen.

 

 

Selbst das Geklapper der Eltern zeigt keine Wirkung :).

 

 

Da kann sich Ben schnell ein wenig ausruhen, bevor der Nachwuchs wieder munter wird.

 

 

Die Küken sind „unterwegs“

Bei strahlend blauem Himmel standen die Störche immer wieder lauschend im Nest. Ein Küken war damit beschäftigt, sich aus dem Ei zu „pellen“, wie später zu sehen war. Es müssen sich aber mehrere der restlichen drei Küken gemeldet haben, denn der Kopf des Storches ging ständig lauschend von einer Seite zur anderen.

 

 

 

 

Da so schönes Wetter war, durfte das Küken etwas länger an die frische Luft. Lilly stand perfekt, sodass der Nachwuchs im Schatten saß und das Nest betrachten konnte. Eine Stunde später gab es wieder Futter, das Ben herbeigeschafft hatte.

 

 

 

 

 

 

Ein Loch im Ei

Um 14:34 Uhr waren auf einem Ei beim Wenden Spuren zu sehen. An einer Stelle war ein Loch erkennbar, das das Küken in die Schale gepickt hatte. Auch auf dem restlichen Ei waren Sprünge in der Schale zu sehen. Bis zum Abend tat sich allerdings nichts weiter, zumindest war kein zweites Küken geschlüpft. Durch die Spinnweben vor der Kamera war es nachts leider nicht möglich, das Geschehen im Nest zu verfolgen.

 

 

 

Und wieder gibt es etwas Leckeres zu futtern. Das Küken hatte den Hals bis zum Anschlag voll und war am Würgen, um Platz zu schaffen. Wenn man den Hals richtig streckt, könnte noch etwas hineinpassen :).

 

 

 

 

 

 

Der Hals des Kükens ist kerzengerade ausgestreckt, weil ein kleiner Fisch darin „untergebracht“ ist. Jetzt muss man nur warten, bis alles eine Etage tiefer rutscht.

 

 

 

 

„Ich kann das schon wie Papa. Einen gaaanz langen Hals machen.“

 

 

 

Verdauungspause für den Junior und Mama und Papa genießen einen Moment der Stille.

 

 

„Kann bitte jemand die Eier wegnehmen? Die stören einfach. Kleine Geschwister als Kopfkissen wären viel bequemer.“

 

 

Nein, die Eier wurden von Lilly nur gewendet. Aber anschließend bekam das Küken eine liebevolle Kopf- und Rückenmassage. Dabei wurde es sooo müde, dass es herzhaft gähnen musste und mit einem Schläfchen einverstanden war.

 

 

 

Um sechs Uhr übernahm Ben das Nest. Das Küken durfte noch ein wenig den Himmel betrachten, dann spendierte Ben eine weitere Futterrunde.

 

 

 

 

 

Noch muss der Ministorch seinen Hals ganz lang machen, um das obere Ende des Alttieres zu sehen. In drei Monaten ist er in der Größe nicht mehr von seinen Eltern zu unterscheiden. Daher jetzt schnell ins Nest und schlafen, damit er morgen schon fünf Zentimeter größer ist :).

 

 

 

Ben war vor Mitternacht zeitweise auf dem zweiten Nest zu sehen und ließ Lilly in Ruhe brüten und das Küken betreuen. Zurzeit wechseln sich beide Störche nachts auf dem Nest ab. Vor Mitternacht ist meist Lilly im Nest zu sehen, nach Mitternacht sitzt Ben auf den Eiern und Lilly fliegt noch vor dem Morgengrauen vom Nest. Im letzten Jahr saß ausschließlich Ben in den Nächten auf den Eiern. Dieses Jahr hat er mit Lilly eine Partnerin, mit der Teamarbeit möglich ist.

 

 

Schlaft gut und wir lassen uns überraschen, ob morgen ein zweites oder sogar drittes Küken zu sehen ist.

 

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2 Kommentare
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Ihr seid einfach wunderbar und für mich die Größten !!! Ihr habt es wieder möglich gemacht, dem kleinen „Scheißerchen“ beim Futtern und Wachsen zuzusehen und Familie Storch durch die ganze Zeit zu begleiten!! Hoffentlich kommen bald auch die Geschwisterchen dazu ! Für mich ist das heute eines der schönsten Geburtstagsgeschenke zu meinem 60. Geburtstag !! Ein liebes DANKE an euch alle !!!
Elke

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