18.04.2020 – Massive Kämpfe auf dem Nest – Leni ist wieder da

Um halb sechs konnte man einen Blick auf die Eier erhaschen, während Ben sie wendete und sich eine neue Sitzrichtung suchte. Den restlichen Tag waren sie wieder im Stroh vergraben, aber abends sollten sie das erste Spektakel ihres Lebens mitbekommen, denn Leni, die Störchin vom letzten Jahr, würde gewaltsam ihren Platz im Nest einfordern.

Bis dahin verlief der Vormittag friedlich. Einer war außer Haus, der andere saß auf den Eiern oder ließ sie von der Sonne bescheinen.

 

Ben machte sich wieder einen Spaß daraus, Lilly unter einem Haufen Stroh zu verstecken, während die Störchin diesen Liebesdienst mit einem sofortigen Ausflug quittierte.

 

 

Es scheint unruhig zu werden

Für eine Minute stand das Nest leer, dann war Mama Lilly wieder anwesend und schob aufmerksam Wache. Irgendwas schien in der Luft zu liegen.

 

 

Schichtwechsel und Ben war dran.

 

 

An einigen Stellen war Reparaturbedarf und die Störche werkelten gemeinsam herum, aber am Abend würde das Nest viel schlimmer aussehen.

 

 

Es war auffällig, dass beide Störche heute sehr oft zusammen auf dem Nest waren. Wenn einer ausflog, dann nur kurzzeitig. Die meiste Zeit verbrachten sie gemeinsam auf dem Nest.

 

 

Und immer wieder ging der fragende Blick in Richtung Himmel, obwohl nichts zu sehen war. Aber Tiere haben ihren Instinkt, der über die Wahrnehmung des Menschen hinausgeht.

 

 

 

Ein Storch schläft, der andere passt auf. Teamwork in gefährlichen Zeiten.

 

 

Das Paar bleibt zusammen

Halb vier und die Störche sind in Alarmbereitschaft. An entspannte Ruhe war heute nicht zu denken. War ein Storch alleine im Nest, stand dieser meist, um Ausschau zu halten. Bis dahin war noch kein Fremdstorch gesehen worden, trotzdem schienen die Störche unruhig.

 

 

Ein unsichtbarer Feind wird angeklappert, der zu späterer Zeit handfeste Formen annehmen sollte.

 

 

Angriff der ehemaligen Nestherrin

19:06 Uhr und Lilly sitzt auf dem Nest. Zu diesem Zeitpunkt taucht ein anderer Storch auf dem zweiten Nest auf. Lilly flog sofort hinüber, um darauf hinzuweisen, dass auch dieses Nest besetzt sei und zur Erstwohnung dazugehöre. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, das sie auf die Hausherrin des letzten Jahres treffen würde, die wild entschlossen war, sich ihren Wohnsitz zurückzuholen.

 

 

Lilly kommt zum Nest zurück.

 

 

Vorsichtshalber legt sie sich auf die Eier.

 

 

Im nächsten Moment taucht Leni auf und fällt wütend über Lilly her.

 

 

Runde eins ging an Lilly, die Leni aus dem Nest drängen konnte.

 

 

Aber Leni gibt nicht auf. Sie nimmt einen erneuten Anflug und landet wieder auf dem ersten Nest.

 

 

Das Stroh fliegt in alle Richtungen, aber Lilly bekommt erneut die Oberhand.

 

 

Der nächste Angriff. Leni umkreist das Nest nur mit einer Runde, bevor sie erneut auf Lilly losgeht. Diesmal stehen die beiden Weibchen wie in einem Ringkampf im Nest. Mit ausgebreiteten Schwingen und Brust an Brust schieben sie sich gegenseitig durch das Nest. Die Äste der Nestbegrenzung fallen auf die Wiese und es ist ein Wunder, dass kein Ei zu Schaden kam. Da sie sich mit aneinandergelehnten Oberkörpern schieben, können sie sich nicht mit den Schnäbeln verletzen, denn dieser erreicht nur die Schwanzfedern der anderen Störchin.

 

 

Wieder hat Lilly Leni aus dem Nest bugsiert. Aber das interessiert die rausgeworfene Störchin nicht. Der nächste Angriff erfolgt nur wenige Sekunden später.

 

 

Mittlerweile ist es 19:10 Uhr. Seit über vier Minuten währt der Kampf, während Leni ihre Angriffe im Sekundentakt fliegt.

 

 

Lilly schafft es immer wieder, den ungebetenen Gast aus dem Nest zu schubsen.

 

 

Leni ist jedoch so sauer über die Störchin in “ihrem” Nest, dass sie nur noch Rot sieht.

 

 

Und die nächste Attacke.

 

 

Gut, dass keine Jungtiere im Nest sind

Vier trampelnde Storchenbeine und dazwischen zwei Eier. Mittlerweile hat sich durch den Kampf so viel Stroh aus dem Nest verabschiedet, dass die beiden Eier freiliegen.

 

 

19:11 Uhr und Leni hatte genug. Erstmal, denn es sollte noch nicht das Ende sein.

 

 

 

Der Angriff in Bild und Ton:

 

 

Jetzt tief durchschnaufen und sich beruhigen.

 

 

Und Ben flog zum Glück “auch schon” ein.

 

 

Lilly nahm sofort den direkten Weg zum zweiten Nest, um eindeutig zu demonstrieren, dass sie in diesem Jahr die Hausherrin ist.

 

 

Beide Eier sind wohlauf, das ist mehr als Glück

Ben übernahm erst einmal das Gelege. In den folgenden Bildern sind die beiden Eier gut zu erkennen. Ihnen ist bei dem Zweikampf nichts passiert.

 

 

Lilly hütete in der Zwischenzeit das zweite Nest, damit niemand auf dumme Gedanken kam.

 

 

Um 20:18 Uhr tauchte Lilly wieder im heimischen Horst auf. An den idyllischen Sonnenuntergang war heute nicht zu denken. Leni hatte sich für ihre Zwei- und Dreikämpfe glücklicherweise einen Tag ausgesucht, an dem Lilly keine Eier legen musste.

 

 

Um halb neun kehrte Ben zurück. Nach der ganzen Anspannung musste etwas für die Partnerbindung getan werden. Störche paaren sich nicht nur wegen der Fortpflanzung. Dadurch wird eine engere Bindung der beiden geschaffen, auch wenn diese nur einen Sommer hält. Dass das sehr wichtig war, sollte sich kurze Zeit später zeigen.

 

 

Leni gibt keine Ruhe

Um 23:13 startete Leni ihren Nachtangriff. Obwohl sie in der Unterzahl war, landete sie zielstrebig auf dem ersten Nest und nahm sich die Nestbesitzer der Reihe nach vor. Wir haben ja schon im vorigen Jahr ihren relativ ruppigen Charakter kennengelernt. Mit diesem ging sie jetzt auf Lilly und Ben los.

 

 

Runde eins ging an das Storchenpaar. Leni verschwand kurzzeitig, aber Aufgeben kam nicht in Frage. Sie wollte dieses Nest zurückhaben. Es tut schon fast weh, weil es eigentlich nichts Persönliches ist. Leni hatte letztes Jahr auf diesem Horst gelebt und will nur das Nest zurück. Ben und Lilly sind zweitrangig, weil sich die Tiere nicht an einen Partner, sondern an den Horst binden.

 

 

22:37 Uhr stürzte sich Leni erneut auf die beiden. Nachdem sie Lilly aus dem Nest gedrängt hatte, ging sie wütend auf Ben los. Dann entstand ein ganz eigenartiger Moment.

 

 

Für einen Moment schien alles verloren

Ben schien Leni zu erkennen und blieb stehen. Leni stoppte ihren agressiven Kampf und für einen Moment sah es aus, als würde Ben Leni akzeptieren. Das hätte bedeutet, dass Lilly raus gewesen wäre. Ohne Eier, schwanger mit weiteren Eiern und ohne Nest und Partner.

Ben und Leni standen friedlich nebeneinander. Was auf den ersten Blick wie ein romantisches Wiedererkennen wirkte, schien eine Katastrophe zu bedeuten. Man hätte Ben schütteln wollen, damit er aufwacht und sich an die Gegenwart erinnert.

 

 

Das tat er zum Glück. Nach einem Moment des Versunkenseins schien er sich erinnern, dass die Zeit weitergegangen und es ein Jahr später war. Er und Leni hatten ihre Zeit gehabt, jetzt gab es Lilly. Mit einem kräftigen Schnabelhieb ging er auf Leni los und beförderte sie umgehend aus dem Nest.

 

 

 

 

Um 22:38 Uhr war der Spuk vorbei und Leni gab auf. Die restliche Nacht verbrachten beide Störche in wacher Aufmerksamkeit. Immer wieder flog einer der beiden zum zweiten Nest und besetzte dieses. Als der neue Morgen anbrach, befanden sie sich immer noch auf unterschiedlichen Nestern.

 

Alles Liebe für Leni

Wünschen wir Leni von ganzem Herzen ein schönes Nest für den Sommer. Ursprünglich kommt sie aus nördlicheren Gefilden und ist letztes Jahr in Fohrde “hängengeblieben”. Vielleicht tritt sie die weitere Reise dorthin an, obwohl in der näheren Umgebung auch noch Nester freistehen. Lilly hatte im letzten Jahr ebenfalls keinen Partner und verbrachte die Zeit in der Nähe von Fohrde. Alles Liebe für Leni und dass unser Storchenpaar heute oder morgen das nächste Ei ungestört und in Frieden empfangen kann.

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7 Kommentare
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Man sah Glück und Quälerei in einem… Am Ende alles gut gegangen.

Aber Ev wird uns ja morgen wieder einen tollen Bericht und super Bilder schicken.Es ist immer wieder fantastisch deine Texte zu lesen und die passenden Bilder u.Videos dazu anzuschauen.Ein großes Lob.DANKE

Hallo ihr Lieben,habe unser junges Paar jetzt eine ganze Weile beobachtet.Lilly war ganz unruhig.Auf und nieder ging es ständig Hat dann eine ganze Weile den Po gehoben und es sah so aus,als das dritte Ei heraus kam.Müsste 20.43Uhr gewesen sein.Wäre ja schön.Habt eine gute Nacht.Es güßt Karin.

So das 3 Ei habe ich glaube um 21 Uhr 6 gesehen .
Ja Hoffen wir das Leni nun aufgeben hat . Habe es leider nicht bemerkt da ich an diesem amt früh raus bin da mein Kopf meinte zu Platzen und ich eine Tabl. genommen habe .
Lilly scheint eine sehr Liebe zu sein .

Ich hatte es befürchtet aber mittlerweile gehofft,Leni hätte weiter nördlich einen Partner gefunden.Lilly erscheint soviel sanftmütiger und Ben sehr zugetan. Hoffentlich ist jetzt Ruhe für die junge Familie?

Oh mein Gott, hier ist ja gestern ein richtiger Krimi abgelaufen. Warst zu spät, Leni, der Platz ist belegt und eine neue “Familie” ist am Wachsen. So traurig es für sie ist, aber ich glaube und hoffe, daß Lilly eine bessere Mutter ist. Hoffentlich hat sie aufgegeben und es gibt keine neuen Überfälle. Das schlägt einem ja voll auf den Magen … 😈

Boah hat die kleine Lilly tapfer gekämpft! Dieser Derwisch ist ja Dauer- Attacken geflogen! Ich hatte schon die ganze Zeit Bedenken was passieren würde, wenn Leni dieses Jahr zum Nest zurückkommt. Was für ein Glück, daß den Eiern nichts passiert ist. Die Damen sind ganz schön durchs Nest gestampft. Es tut mir ja leid für Leni (so ein bisschen) Ich wünsche ihr auch alles Gute, aber bitte woanders! Es ist so eine Freude, Ben und Lilly zuzusehen. Und Dank der Berichte im Tagebuch sind sie einem ja richtig ans Herz gewachsen. Drücken wir die Daumen für eine friedliche Brutzeit.

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