Oh wie schön, sie tun es endlich! Was? Das wird erst im Text verraten. Zumindest war es heute ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit, den drei kleine Störche machten. Elli hingegen scheint ihr Singleleben in vollen Zügen zu genießen. Leider lässt sie uns derzeit nicht daran teilhaben.
Elli glänzte auch heute mit Abwesenheit. Anscheinend macht sie einen Kurzurlaub am Wasser, was bei diesen sommerlichen Temperaturen durchaus verständlich ist. Peter hält ganz sicher überall Ausschau nach der Störchin und wenn diese irgendwo zu sehen ist, gibt es sofort eine Info. Bis dahin müssen wir uns gedulden und abwarten, was Elli für Pläne hat. Auch wenn das Warten in solch einer Situation schwierig ist, weil man gerne Bescheid wissen würde.
Dafür bleibt uns der tägliche Blick ins ungarische Nest mit seinen Küken.
Der Ast kommt raus!!
Nein! Der Ast bleibt drin!!!
Am frühen Morgen gab es Unstimmigkeiten zwischen Szofi und Macus. Der Storch war nämlich auf der Wiese umhergewandert und hatte von unten einen herausstehenden Ast am Nest entdeckt.
Sofort war Macus zur Stelle und begann, am Ast zu ziehen und zu zerren. Es dauerte einen Moment, bis Szofi, die auf der anderen Seite im Nest stand, mitbekam, was der Storch da trieb.
Sofort wechselte sie die Nestseite und schnappte nach dem anderen Ende des Stocks, um diesen festzuhalten.
Als Macus den Widerstand spürte, zog er an seinem Ende etwas heftiger, weil er den Stock anscheinend entfernen wollte. Szofi hielt dagegen und es begann ein verbissenes Tauziehen, bei dem keiner nachgeben wollte.
Ehestreit wegen einem Ast??
Auch Störche können stur sein. Macus zerrte wie ein Wilder und man konnte ihm ansehen, dass er seinen Kopf partout durchsetzen wollte. Er schaffte es auch, den sperrigen Ast vom Nest zu ziehen und marschierte triumphierend mitsamt dem Objekt seiner Begierde über die Wiese, um dieses schnell außer Reichweite zu bringen.
Der Jäger und Sammler hatte gesiegt und Szofi war geschlagen. Die hatte aber gar keine Lust auf solche Kinderspielchen und ließ Macus mit seiner Beute ziehen.
Kurz nach 10 Uhr kehrte Szofi von der Futtersuche zurück, aber ihr Nachwuchs wollte noch schlafen. Die jungen Störche lagen kreisförmig angeordnet im Nest, während Szofi versuchte, ihren Schnabel irgendwie zwischen die Jungtiere zu bekommen, um das Futter abzuladen.
Aber daran war nicht zu denken, die Storchenkinder schienen keinen Hunger zu haben.
Als Szofi eine Ratte ausspuckte, wurde diese zwar von einem Jungtier geschnappt, aber die anderen drei Küken hoben gerade mal den Kopf und begaben sich nur in die Sitzposition, um entspannt zuzuschauen, was die Storchenmama noch aus ihren Hals ans Tageslicht befördern würde.
Es folgten viele kleinere Leckerbissen, sodass alle Jungtiere etwas abbekamen. Richtig hungrig waren sie aber nicht.
Es braucht weniger Futter
Das ist auch kein Wunder, denn die wichtigsten physischen Entschwicklungsschritte sind bereits abgeschlossen. Die Phase, wo ein Jungtier täglich gut ein Kilo Futter braucht, ist vorüber. Der Körper hat sich entwickelt, die Organe sind ausgebildet und jetzt geht es nur noch um Muskelbildung und ein wenig Längenwachstum. Deshalb verringert sich der Futterbedarf.
Es dauerte nur eine halbe Stunde, bis auch der Futterexpress vorbeischaute. Das Interesse war aber auch hier mäßig. Die Küken beäugten das Fleisch auf dem Nestboden, als wollten sie sagen:
“Och nee, schon wieder dieses Fleisch. Gibt es auch mal was anderes?? Jeden Tag dasselbe, das macht keinen Spaß!”
Es sieht fast wie ein einstimmiger Protest aus, zumindest blieb das Fleisch erstmal liegen.
Auch Szofi hatte heute keine Eile, im Nest aufzuräumen, sodass die Küken noch etwas Zeit hatten, um sich entscheiden, ob sie einen Happen kosten wollten oder nicht.
Um 12 Uhr war der Nestboden wieder sauber und es war Zeit für ein Schläfchen, das mit ein paar Flügelschlägen eingeleitet wurde.
Nachmittags wurde es spannend. Zuerst gab es das große Hüpfprogramm. Wurde bisher ausschließlich das Flügelschlagen trainiert, geht es jetzt um die dazugehörige Beinarbeit.
Die Störche versuchten heute, zum Rhythmus der Flügelschläge in die Luft zu hopsen. Zuerst wechselseitig, aber dann doch mit beiden Beinen gleichzeitig. Zwei der Küken gelang es schon, einige Zentimeter vom Nestboden in die Luft zu springen.
Es sah noch etwas unbeholfen aus, doch als die Tiere merkten, dass sie mit diesen Bewegungen vom Nestboden abheben konnten, wurde der Ehrgeiz noch größer.
Sie tun es!!! Endlich!
Heute passierte endlich, was einen großen Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet – die Jungen machten Bekanntschaft mit der Wasserkiste.
Um halb fünf stand das erste Jungtier interessiert vor der Wasserkiste und steckte seinen Schnabel in das kühle Nass. Neugierig, wie kleine Kinder nunmal sind, trat das zweite Küken sofort dazu, um seinen Schnabel ebenfalls ins Wasser zu stecken.
Mit dem Trinken klappte es zwar noch nicht, aber die Neugier der beiden war schon geweckt.
Nur wenige Minuten später standen sie zu dritt an der Wasserkiste, steckten die Schnäbel hinein und versuchten, die vom Baum abgefallen Blätter im Wasser einzufangen.
Die Wasserkiste wird zweckentfremdet
Eines der Jungtiere war besonders vorwitzig und stellte vorsichtig einen Fuß ins Wasser. Da das bei den tropischen Temperaturen anscheinend angenehm war, wanderte der zweite Fuß gleich hinterher und die Wasserliste wurde zu einem Fußbad umfunktioniert.
Beim Versuch, rückwärts aus dem Nichtschwimmerbecken zu steigen, stolperte der kleine Storch über den Beckenrand und musste das Gleichgewicht mit den Flügeln ausbalancieren. Es war ja auch etwas viel auf einmal – Wasser, baden und rückwärts laufen gleichzeitig.
Die Abendstunden verliefen sehr ruhig. Szofi blieb bei den Küken. Macus schaute nach, ob sich Tante Gans von ihrem gestrigen Gewaltmarsch erholt hatte und die Küken starteten im abendlichen Schatten ihr Fitnessprogramm.
Das erste Storchenkind begann seine Flugübung und steckte umgehend ein Geschwisterchen an. Zum Glück ist in diesem Nest genug Platz, um einander auszuweichen. Allerdings bekam Szofi die ersten Flügelschläge ihres Nachwuchses ab, bevor sie sich auf der anderen Nestseite in Sicherheit brachte.
Um halb neun kehrte Ruhe ein und die Küken suchten sich ihren Schlafplatz. Bei der Wärme muss man nicht miteinander kuscheln, aber ein wenig Körperkontakt ist doch ganz schön.
Eine gute Nacht an die großen und kleinen Störche überall auf der Welt. Und einen liebevollen Gruß an Otto und Elli, die uns besonders ans Herz gewachsen sind.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/
Quelle:
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=TFMYz75fSmQ










































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