17.03.2020 – Der (Bau)tragödie zweiter Teil

Schon um sechs Uhr war das Nest leer. Ben war früh zu seiner Frühstücksrunde aufgebrochen.

 

 

Als er um halb sieben wiederkehrte, brachte er frisches Stroh für sein Bett mit.

 

 

 

 

 

Nachdem das neue Lager errichtet war, kümmerte er sich um sein Äußeres. Jede Feder wurde gefettet und in die richtige Position gebracht.

 

 

 

 

 

 

Anschließend saß er das neue Stroh platt – warum bis zum Abend warten, wenn man sich am frühen Morgen ebenso eine Auszeit gönnen kann.

 

Nestausbau Teil 2

Nach fünf Minuten Probesitzen stürzte er sich vom Nest, um zwei Minuten später wieder zu landen. Bewaffnet mit neuen Holzvorräten. Heute steht anscheinend ein weiteres Nestausbauprojekt auf dem Plan.

 

 

 

 

 

Erstmal ablegen und im Nest verteilen.

 

 

Dann das Nest lautstark “markieren”.

 

 

 

 

 

Und anschließend einen sehr schlauen Blick aufsetzen.

 

 

 

Statt mit dem Außenbau fortzufahren, flog Ben mehr Stroh für seine Matratze holen.

 

 

 

 

 

Jetzt musste er sich aber mit seinen Stöckchen beschäftigen, denn diese lagen im Weg und störten sein weiches Bett.

 

 

 

 

“Fangen wir doch mit dem schweren Baumaterial an.”

 

“Vielleicht hierhin?”

 

 

“Nein, das klemmt.”

 

 

 

“Dann doch lieber in die Mitte?”

 

 

 

“Versuchen wir es doch mal mit dem anderen Ast.”

 

 

 

 

“Wenn man den hinten dreht, sich vorne draufstellt, in der Mitte runterdrückt und ihn mit dem Schnabel hackt, sollte es passen.”

Funktioniert aber nur in der Theorie. Jemand sollte eine korrekte Bauanleitung schreiben! Also doch woanders hin.

 

“Hier ist ein guter Platz.”

 

 

“Noch ein bisschen tiefer…

 

 

…ganz vorsichtig festklemmen und…

 

 

…huch, fast wäre er abgestürzt. Gerade noch eingefangen.”

 

 

Falsch gedacht. Im nächsten Moment war der Stock dem Storchenschnabel entkommen und segelte auf die Wiese zurück.

 

 

Ben verkündete lautstark seinen Ärger, ließ sich aber nicht entmutigen.

 

 

 

 

Noch mal an der Absturzstelle nachschauen, vielleicht ist der Ast so nett und springt wieder hoch??

 

 

 

Nein, tut er nicht und Ben setzte sich eine Runde zum Schmollen ins Nest.

 

 

 

Zehn Minuten später entschied er sich für eine Aufgabe, die ihm praktikabel erschien – er holte Stroh. Allerdings erwischte einen Wurzelballen, der anscheinend als Kopfkissen oder Polster für den Bauch gedacht war.

 

 

 

Ein wenig hin- und herschütteln, dann fällt das sicher auseinander. Tat es aber nicht.

 

 

 

 

 

Das ist heute anscheinend so ein Tag, an dem alles nicht so klappt, wie es sollte.

 

 

Aller guten Dinge sind … drei, vier, fünf…?

Also doch noch einmal die Sache mit den Stöcken in Angriff nehmen.

 

 

 

 

Ben hatte jetzt einen Stock erwischt, der sich in zwei Richtungen gabelte. Die Aussichten, diesen passend zu verbauen? Gleich Null.

 

 

 

“Ich sag euch, gleich klappt es! Ihr werdet staunen!”

 

 

Genau. Tun wir. Auch dieser Ast trat seine Reise auf die Wiese an und der Storch hatte mit langem Hals das Nachsehen.

 

 

“Versteh ich nicht, warum das nicht funktioniert. Ich bin jetzt traurig.”

 

 

Zum Trost kuschelte Ben ein wenig mit seinem frisch aufgeschütteten Bett.

 

 

Ben beweist Willensstärke

Ben ist kein Kind von Traurigkeit, deswegen schüttelte er seinen Kummer nach nur fünf Minuten ab und werkelte weiter in seinem Nest. Wenn die Störchin kommt, muss alles passen. Also nicht gehenlassen, sondern frisch den nächsten Stock gepackt.

 

 

 

Dieser war “ein wenig” länger als seine Vorgänger und lag dem Storch nicht nur quer im Schnabel, sondern überragte beinahe den Nestdurchmesser. Wenn schon, denn schon.

 

 

 

 

 

Einmal die Kamera aufspießen bitte!

 

 

 

“Nein, nein, nein!! Bleibst du hier!!!”

 

 

 

 

Es soll einfach nicht sein. Unter dem Nest häuft sich das Baumaterial und Ben kann sich lediglich von oben an dessen Anblick erfreuen. Das Leben ist einfach nicht fair!

 

 

Also doch lieber Stroh holen, das klappt wenigstens. Langsam füllt sich das Nest mit Polstermaterial.

 

 

 

Feierabend im Storchennest

“Reicht für heute. Keinen weiteren Stress bitte.”

 

 

Mittags war der Himmel blau, die Temperaturen angenehm und Ben hatte seinen deprimierenden Vormittag abgehakt.

 

 

Er ließ sich von der Sonne bescheinen und schüttelte seine Federn so elegant auf, dass jede einzeln zu sehen war. Anschließend stromerte er den Nachmittag über die Wiesen und Äcker. Vom Nestbau hatte er die Nase – den Schnabel – voll.

 

 

 

 

Seinen Ausflug beendete er um halb fünf und verbrachte die Zeit bis zum Schlafengehen im Nest. Immerhin war es dort weich und kuschelig.

 

 

 

 

 

Morgen ist auch noch ein Tag (für den Ausbau). Aber heute denkt Ben nicht mehr daran, sondern freut sich seines Storchenlebens.

 

 

Schlaf gut, es ist alles in Ordnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
4 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Du schreibst wirklich sehr schön Ev.
Vielen Dank für deine liebevolle Begleitung für Ben.
Da geht einem wirklich das Herz auf.

Ein Tagebuch, als wäre ich selbst dabei gewesen. Danke.

Ein Tagebuch so lebendig, als wäre ich dabei gewesen. Danke.

Vielen, lieben Dank für die täglichen, sehr amüsant geschriebenen, Berichte! Liebe Grüße von einem Storchenfan smile

nach oben scrollen