Otto und Elli waren heute nur stundenweise auf dem Nest zu sehen, die restliche Zeit genossen sie Fohrde und Umgebung. Die kleinen Störche in Ungarn sind vollgestopft mit Schlangen, Würmern und Lurchen. Schlaraffenland pur.
Um halb fünf herrschte bereits Betriebsamkeit im Fohrder Storchennest und wenig später waren beide Tiere in der Morgendämmerung verschwunden.
Elli kehrte nach zwei Stunden zuerst zum Nest zurück, Otto folgte eine halbe Stunde später. Um halb acht waren die Störche wieder auf dem Sprung und diesmal blieben sie für drei Stunden außer Haus. Es gibt ja da unten auch so viel zu sehen und zu futtern, da kann man nicht den gesamten Tag auf dem Nest verbringen.
Ab halb elf wurde eine halbe Stunde Auszeit auf dem Nest genommen. Und natürlich war Otto sofort in seiner Lieblingsposition zu sehen. Allerdings stocherte Elli so lange zwischen Ottos Schwanzfedern herum, bis dieser sich notgedrungen in die Höhe schraubte.

Während Otto am Nestrand stand, stellte sich Elli vor den Storch und wendete diesem den Rücken zu. Die Aufforderung, auf ihren Rücken zu steigen, kam bei Otto nicht an. Also legte sich Elli hin.
Aber Otto schien heute begriffsstutzig. Er machte er Gymnastik und anschließend stocherte er seinerseits in Ellis Federn herum. Bis sich die Störchin dann erhob. Das war dann wohl mal nix, Otto.
Von elf Uhr bis halb vier war das Nest wieder verlassen, dann tauchte das Storchenpaar für eine Minute auf. Als wollten sie sich vergewissern, dass alles nach wie vor in Ordnung ist. Nachdem sie sich einen kurzen Überblick verschafft hatten, waren sie auch schon wieder verschwunden.
18:43 Uhr standen beide Tiere wieder klappernd in ihrem Nest. Allerdings stellte sich nach knapp einer Stunde nochmal das Verlangen nach einem kleinen Imbiss ein. Abends quaken hier die Frösche ganz wunderbar und anscheinend weckte das auch den kleinen Hunger. Jedenfalls waren die beiden erneut verschwunden.
Die Störche verpassten die untergehende Sonne und den toll gefärbten Abendhimmel. Aber sie hatten Besseres zu tun. Ein schöner Himmel kann entzücken, aber ein voller Bauch ist noch angenehmer.
Um 21:30 Uhr wurde der heutige Wandertag beendet und für Familie Storch stand die Nachtruhe auf dem Programm.
Der Tag in Ungarn
Früh um sechs war auch die Rasselbande bereits wach. Und es ist fein, wenn man gemütlich kuscheln und dabei unter Papas Federn hervorgucken kann.
Eine halbe Stunde später flatterte Mama Storch ein und hatte das Frühstück im Schnabel. Allerdings sollten die Küken davon nicht viel haben.
Da Macus nicht aufstand und auch die Flügel nicht lüftete, mussten die Küken zusehen, wie Mama Szofi das gute Futter neben Macus auf den Nestboden ausschüttete, aber sie kamen nicht ran. So stopfte sich Szofi ihr Futter wieder in ihren Hals. Es war ja nicht verloren, nur aufgehoben.
Um viertel zehn (für alle Nichtostdeutschen: 9:15 Uhr :)) brachte Szofi erneut Futter. Diesmal waren es dicke, lange Würmer.
Kurz vor zehn Uhr gab es dann Futter im Duett. Macus und Szofi fütterten gleichzeitig und die Küken dürften ihre helle Freude an dieser Aktion gehabt haben.
Das Ergebnis sah dann so aus: vier nudeldick vollgefressene Küken, die einfach der Reihe nach umfielen und sich nicht mehr rühren konnten. Wie die Natur es aber hinbekommt, dass die Kleinen sich bereits eine Stunde später erneut vollstopfen konnten, ist logisch nicht nachzuvollziehen.
11:20 Uhr steuerte Macus auch etwas zur Ernährung seines Nachwuchses bei. Es sind bei ihm keine großen Portionen, aber als Dessert oder Vorspeise können sie sehr gut durchgehen. Zumal Szofi um 11:33 Uhr bereits mit der nächsten Mahlzeit angeflogen kam.
Heute gab es schon wieder Schlange und eines der älteren Küken verdrückte das ganze Tier, das um die 50 Zentimeter gehabt hatte. Anschließend konnte man einen “verbeulten” Hals an dem Küken sehen und wo die 50 Zentimeter Gesamtlänge in dem Küken untergebracht waren, ist auch ein Rätsel. Der Mensch hat eine Darmpassage von 24 Stunden. Also oben rein und 24 Stunden später wieder raus.
Verdauung im Schnellverfahren
Bei den Küken kann dieser Vorgang nur Minuten dauern, denn in den knuffigen Kerlchen verschwindet jede Stunde solch eine Menge Futter, die erst verdaut werden müsste, bevor wieder etwas reinpasst. Die Krümel müssen wirklich ein Verdauungssystem im Turbogang haben.
Neben dicken Würmern und mehreren Schlangen standen heute auch Molche auf dem Speiseplan. Für Eidechsen waren sie zu breit, aber die Küken störten sich nicht daran. Alles wanderte in kleinen Bäuche.
Mama Szofi flatterte unermüdlich vom Nest und kam immer wieder mit überraschenden Beutetieren zurück. Auch das jüngste Küken konnte sich heute den Bauch richtig vollschlagen und kam nicht zu kurz. Bei einem größeren Happen zog es diesen einem der älteren Küken einfach aus dem Schnabel. Dabei hatte es ganz sicher den Überraschungsmoment auf seiner Seite, denn der ältere Storch schaute etwas verwundert. Klein, aber oho!
Trotzdem ist auch der futterreichste Tag mal vorüber. Deshalb ging es unter die Flügel, um warm und kuschelig zu schlafen. Wir wünschen gute Nacht und futterreiche Träume.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/
Quelle:
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=TFMYz75fSmQ

































Wieder ein so liebevoller Bericht sowie wunderbare Bilder.
Ganz ❤️lichen Dank wieder dafür 🙏🏻.
Hier bei uns im Markgräflerland hatte die Störchin versucht ein Küken aus dem Nest zu werfen. Furchtbar das mit anzusehen.
Hatten es zufällig auf dem Schirm, da sie so komisch davor im Nest herum stocherte.
Sie hat es zum Glück nicht geschafft 🙏🏻.
Mir ist das Herz stehen geblieben.
Ja, Tierwelt kann auch Grausam 😪.
Ob sie es noch einmal versuchen wird 🤔.
Ich hoffe nicht.
Es müssten auch vier Küken sein.
LG aus dem Markgräflerland
Sieglinde 🙋🏼♀️