12.06.2020 – Fressorgie und Schmusekurs

Der Samstag begann mit leichtem Nebel und einer grauen Wolkendecke. Junior kämpfte mit den Überresten seiner Mahlzeiten und versuchte, ein Gewölle auszuspucken. Dass ihm das unangenehm war, war leicht zu merken. Kaum war der Klumpen aus dem Hals, schnappte sich das Küken diesen und warf ihn ein Stück weiter weg.

 

 

 

 

Papas Fuß war viel interessanter. „Was wohl passiert, wenn ich mal daran knabbere?“

 

 

Dazu blieb keine Zeit, denn Lilly flog ein, brachte Stroh mit und wurde freudigst von ihrem Nachwuchs begrüßt.

 

 

 

Regen = viele Würmer

Es war immer noch Würmerwetter. Lilly leerte ihren Hals und das Küken konnte sich an einer riesigen Portion Würmer sattfressen.

 

 

 

Putzstunde um halb sechs. Der Himmel war immer noch zugezogen, aber wenigstens regnete es nicht. Wenige Minuten später tauchte auch Ben im Nest auf und bezog sofort seinen Hochsitz.

 

 

 

 

Um halb sieben startete Lilly ihren Ausflug und das Küken versuchte, dem Schnabel des Storchenpapas Futter zu entlocken.

 

 

 

Junior braucht nicht betteln

Zum Glück kehrte Lilly zurück und füllte Juniors Bäuchlein. Entweder waren die Störche heute etwas sparsamer, was die Anzahl der Mahlzeiten anging oder Junior hatte einen Wachstumsschub gemacht – jedenfalls war er heute ständig hinter einem roten Schnabel her und ganz gierig auf das nächste Futter. Das typische Bettelverhalten legt er schon lange nicht mehr an den Tag, da es keine Konkurrenz gibt. Er schnappt lediglich nach dem Schnabel der Eltern, um auf diese Weise mitzuteilen, dass es doch Zeit für die nächste Mahlzeit wäre.

 

 

 

 

Junior alleine im Nest?

Um 8:20 Uhr verließ Lilly plötzlich das Nest und Junior lag alleine da. Das Küken schlief seelenruhig weiter, denn nur eine halbe Minute später kam Ben ins Nest gehopst. Er hatte auf der Kamera gesessen und flatterte ins Nest hinunter, nachdem Lilly abgeflogen war. Die Eltern lassen ihr knapp vier Wochen altes Küken noch nicht alleine. Ob sie das in zwei, drei Wochen tun werden, wie es bei normalen Gelegen der Fall ist, um alle Jungtiere ausreichend füttern zu können, bleibt abzuwarten.

 

 

 

 

 

 

 

Strohsammeln leicht gemacht

Lilly kehrte wieder mit einer Ladung Stroh zurück. Langsam füllte sich das Nest und es sah sehr gemütlich aus. Junior war jedenfall sehr gut eingepackt und im Liegen kaum noch zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

Um neun Uhr war es Zeit für die nächsten Gehversuche, auch wenn das Küken auf dem Rückweg wieder auf den Schnabel purzelte. Mit etwas weniger Gepäck auf den Rippen wäre es schon wendiger, aber es schmeckt eben so gut smile.

 

 

 

Gegen zehn Uhr begann die Sonne durch die Wolken hindurchzublinzeln. Jetzt konnte das Nest komplett trocknen und das Küken hatte es wieder kuschelig. Heute versuchte es sich an der äußeren Nestumrandung, indem es an den großen Ästen zerrte und diese umlagern wollte. Dass dieses Unterfangen noch eine Nummer zu groß war, sah Junior schnell ein und versuchte stattdessen, die Füße der Eltern anzuknabbern. Aus irgendeinem Grund ließen diese das aber nicht zu und das Küken saß etwas geknickt im Nest.

 

 

 

 

 

 

„Kann ich was zu futtern haben???“

Wenn man schon nicht an den Eltern knabbern darf, dann wäre Futter nicht schlecht. Aber anscheinend wurde heute ein Diättag eingelegt. Immerhin gab es Mittagbrot, das von Lilly serviert wurde. Ein kleiner Lichtblick für das Küken.

 

 

 

 

 

Während der Mittagspause saßen die Störchin und Junior friedlich nebeneinander auf dem Nest und beobachteten das Treiben in den angrenzenden Gärten. Was es da wohl zu sehen gab? Junior machte einen langen Hals, um nichts zu verpassen. Aus sicherer Höhe ist alles spannend und aufregend.

 

 

 

 

So aufregend, dass das Küken nach wenigen Minuten in seinen Mittagsschlaf verfiel.

 

 

Die Sportstunden sollten vervielfacht werden

Nur zwanzig Minuten später hatte das Küken seinen Akku wieder aufgeladen und saß aufrecht im Nest. Anschließend wurde Sport gemacht. Die Beine des Kükens blieben sicherheitshalber auf dem Nestboden, denn so elegant wie der große Storch bekommt Junior das noch nicht hin. Immerhin kann er seine Flügel in die Luft strecken und die Schwingen ausbreiten. Diese scheinen innerhalb einer Woche auf die dreifache Länge gewachsen zu sein. Es ist also zu sehen, wo die vielen Würmer und Ratten hingehen.

 

 

 

 

Um halb zwei gab es das nächste Futter. Die Eltern müssen aufpassen, dass ihnen der Schnabel des Kükens nicht in die Augen fährt. Junior versucht mittlerweile, das Futter direkt im Schnabel der Alttiere zu erwischen, bevor es auf den Boden fällt. Angenehm dürfte das Geschnäbel des Kleinen sicher nicht sein.

 

 

 

„Ich hab dich zum Anknabbern gern!“

 

 

 

Nähebedürftig

Das Küken war heute ständig auf Kuschelkurs. Junior rutschte so dicht an Lilly und Ben heran, bis das Küken die Storcheneltern berührte. Dabei war es egal, ob es mit den Beinen, dem Bauch oder den Flügeln kuschelte. Hauptsache die Nähe war da.

 

 

Sitzt das Küken, sind seine Riesenfüße zu sehen, die immer in die Luft ragen, sodass Junior kippeln kann. Der eine Fuß ist noch grau, der andere orange – unser zweifarbiges Küken fühlt sich trotzdem wohl und stört sich nicht an farbigen Unterschieden.

 

 

 

Um drei Uhr war es wieder Zeit für das Mutter-Kind-Kuscheln. Junior war ganz wild auf Lillys Schnabel, aber Mama Storch hielt den Sprössling heute an der kurzen Leine. Während der Ruhepause gibt es nichts Fressbares, daher musste Junior Ruhe geben und sich fügen.

 

 

 

 

 

 

 

Wurde Lilly das Gekrabbel zu viel, stand sie auf und widmete sich der Gefiederpflege. Dabei waren solch eleganten Posen zu sehen smile.

 

 

Der nächste Regen ist im Anmarsch

Nachmittags um drei Uhr war es sehr warm geworden. Auch das Küken saß mit aufgesperrtem Schnabel da, um sich abzukühlen. Die kalte Dusche würde in der Nacht kommen und das frisch getrocknete Nest wieder unter Wasser setzen. Aber das wussten die Störche am Nachmittag noch nicht.

 

 

Juniors Federn wachsen und wachsen. Mittlerweile sind aus den schwarzen Tupfen schon zentimeterlange Federn geworden. Wäre das Küken dichter an der Kamera, könnte man jede einzelne Feder zählen, die in der Haut sitzt.

 

 

So schläft es sich prima. Mama liegt mit im Nest und passt auf. Bei mehreren Küken wäre aus Platzmangel solch eine Erfahrung nie möglich gewesen. Unserer Storchenfamilie geht es also sehr gut.

 

 

 

Schmusestunde Teil 2

Lilly fand auch Gefallen an ihrer heutigen Auszeit. Um halb fünf lag sie erneut mit dem Küken im Nest und ließ sich die Sonne auf den Rücken scheinen. Das Küken war munterer und krabbelte die Storchenmama mit seinen Füßen. Lilly schien das zu gefallen und sie ließ ihren Nachwuchs machen.

 

 

 

 

Abendbrot!!!

Kurz nach fünf Uhr flog Ben ein und überraschte das Küken mit vielen Mäusen und Ratten. Junior war glücklich, endlich einen großen Happen in seinen Bauch zu bekommen. Er brauchte zwar mehrere Ansätze, um die große Ratte mit dem Schnabel zu fassen, aber dann genügten drei ruckartige Bewegungen mit dem Kopf und die Riesenratte war in dem kleinen Küken verschwunden. Nur der Schwanz hing noch aus dem Schnabel. Dazu kamen mehrere Mäuse und damit war eine unbeschwerte Nachtruhe gesichert smile.

 

 

 

 

 

 

„Hast du noch mehr??“

Der Bauch war gefüllt, aber das Küken hätte sicher nichts gegen einen kleinen Nachschlag gehabt. Ben lehnte das aus gesundheitlichen Gründen ab und Junior trollte sich zum Verdauungsschläfchen.

 

 

 

 

Um halb acht hatte Lilly Ben abgelöst und das Küken war für einen Moment im Gefieder der Mutter verschwunden. Wie geschmust wurde – das war völlig egal. Hauptsache engen Körperkontakt halten.

 

 

 

Die Schmusetour ging weiter und um acht Uhr war das Küken zur Höchstform aufgelaufen. Es umschmeichelte Lilly, knabberte an ihren Federn und hätte sich am liebsten auf die Störchin gesetzt, um ihr so nahe wie möglich zu sein.

 

 

 

 

Noch ein tiefer Blick in Mamas Augen und es war Schlafenszeit. Und diese sollte auch kuschelig werden, allerdings aus einem anderen Grund.

 

 

 

 

Die nächtliche Dusche

Um Mitternacht setzte der nächste Regen ein und während Ben in der vorderen Reihe einen Sitzplatz bezog, stopfte sich Lilly hinter ihm das Küken wieder unter ihren Bauch, um es vor dem Regen zu schützen. Das getrocknete Nest wurde erneut nass und beide Störche mussten mehrere nächtliche Duschen über sich ergehen lassen.

 

 

 

 

 

 

Wir wünschen trotzdem eine gute Nacht, morgen wird es heiß und Gewitter sind in Aussicht.

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