11.06.2020 – Ein Regentag, eine fette Ratte und erster Nachwuchs bei den Meisen

Der morgendliche Blick in das Storchennest sah so trostlos aus. Es hatte auch in der Nacht geregnet und sollte im Laufe des Tages nicht aufhören. Das Nest war überall nass, sodass auch Junior durchweicht war und wie ein gerupftes Hühnchen aussah.

 

 

 

Immerhin brachte Lilly um 5:45 Uhr das Früchstück, was die Laune des Kükens garantiert besserte.

 

 

 

Die Storchenmama musste heute früh nicht würgen, um die Nahrung aus dem Hals zu bekommen. Die Würmer waren schon im leicht geöffneten Schnabel zu sehen, sodass sich das Küken nur bedienen und diese aus dem Schnabel der Storchenmutter ziehen musste.

 

 

Angenehm ist es sicher nicht, auf dem nassen Nestboden zu schlafen. Da kommt man ins Überlegen, ob die Störche alles richtig gemacht haben, als sie die Nisthilfen des Menschen annahmen und sich in schutzloses Terrain begaben. Jedes Tier sitzt bei Regen in seinem Nest oder seiner Höhle. Nur der Storch ist jeder Witterung schutzlos ausgeliefert.

 

 

 

Lilly hatte Junior unter den Flügeln. Da war es wenigstens warm, wenn auch nicht wirklich trocken.

 

 

Wie bekommt man das Küken unter den Bauch?

Nach einer kurzen Frischluftpause regnete es erneut und die Storchenmama wollte das Küken wieder unter die Flügel nehmen.

 

 

 

Erst einmal so herum versuchen.

 

 

Das war nicht wirklich effektiv, denn das Küken hatte zwar ein Dach über dem Kopf, aber der Wind ließ den Regen trotzdem auf sein Bäuchlein prasseln. Und mit dem Hinsetzen wurde es auch nichts, denn das Küken tauchte zwischen den Schwanzfedern wieder in voller Größe auf.

 

 

 

Einmal umdrehen bitte und erneut versuchen. Lilly hatte die Richtung gewechselt und klemmte sich Junior zwischen die Beine. Dann machte sie noch zwei kleine Schritte nach vorne, um das gesamte Küken unter ihrem Bauch zu haben und ließ sich nieder. Sie hatte das Küken also nicht unter einem Flügel, sondern hatte sich komplett auf den Krümel gesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

Eine Stunde später

Ob es unter Mamas Bauch bequem gewesen war, werden wir nicht erfahren. Das Küken war allerdings unbeschadet, als sich Lilly eine Stunde später wieder erhob.

 

 

Ben tauchte um halb zehn auf und brachte wieder ein Stück(chen) Holz mit. Lilly verabschiedete sich und Ben und das Küken vertrieben sich die Zeit auf dem Nest.

 

 

 

Zuerst musste das Wasser aus dem Gefieder. Anschließend gingen die beiden auf die Suche nach verwertbaren Überresten. Dazu wurde der Nestboden genauestens abgesucht, denn oft lässt sich dort noch ein Krümelchen Futter finden.

 

 

 

 

Nachdem alles verwertet wurde, was zu finden war, mussten sich die beiden wieder um ihre Federn kümmern. Auch Junior hat jetzt immer mehr Arbeit mit ihnen, denn sie werden von Tag zu Tag länger und brauchen intensivere Pflege.

 

 

Anschließend wurde ein wenig aufgeräumt, sichtbaren Erfolg zeigte das allerdings nicht.

 

 

 

Selbst ist die Störchin

Um zwölf Uhr schaffte Lilly Baumaterial ins Nest, um dieses kükensicher zu machen. Dazu mussten noch einige Absperrungen errichtet werden, die das Küken vor allzu ausgedehnten Spaziergängen abhalten sollen.

 

 

Ben eilte Lilly hilfsbereit zur Seite, doch es stellte sich heraus, dass die Störchin ganz eigene Vorstellungen vom Ausbau hatte. Bens Hilfe war eher hinderlich, denn Lilly zerrte die Äste in ihre Richtung und wollte alles alleine machen.

 

 

 

 

 

 

 

Daher verabschiedete sich Ben und ließ seine bessere Hälfte ungestört nach ihren Vorstellungen werkeln.

 

 

Nach zehn Minuten hatte Lilly alles nach ihren Vorstellungen verbaut und widmete sich dem Nachwuchs. Heute gab es fast ausschließlich Würmer. Bei dem Wetter brauchte man nicht nach ihnen in der Erde zu stochern. Die Tiere tauchen von selbst an der Erdoberfläche auf und müssen von den Störchen nur noch eingesammelt werden.

 

 

Junior hatte die Beute in Mamas Schnabel längst erspäht und steckte seinen Schnabel schon in Lillys Schnabel, während die Würmer noch am Herausrutschen waren.

 

 

Diätvarianten?

Lilly servierte das Futter heute in mehreren Portionen. Je langsamer man isst, desto schneller stellt sich das Sättigungsgefühl ein. Ob das eine neue Diätstrategie ist?

 

 

Frisches Stroh? Nein, auch das war nass. Vielleicht sollte man warten, bis alles getrocknet ist und erst dann die Betten frisch beziehen?

 

 

 

Lilly entflog um ein Uhr, sodass Ben die Mittagspause auf dem Nest verbringen konnte. Das Küken lag in tiefem Schlaf. Etwas anderes ließ sich bei dem Wetter auch nicht machen. Den Regen zu verschlafen, war wahrscheinlich die beste Strategie.

 

 

 

Kurz vor drei Uhr war das Küken nicht mehr müde und konnte beim besten Willen nicht länger schlafen. Der Regen hatte vorübergehend Pause gemacht, aber das änderte die Lage nicht wirklich.

 

 

 

 

 

Spaziergang ohne Unfall

Um halb fünf zeigte das Küken, dass es schon deutlich sicherer auf den Beinen unterwegs war. Heute gab es einen Toilettengang, bei dem es lediglich auf dem Rückweg eine kurze Verbeugung gab. Alles andere hatte prima geklappt.

 

 

 

 

Kurz nach fünf war immer noch keine Sonne in Sicht. Das würde eine unbequeme Nacht in einem nassen Nest werden.

 

 

 

Solange es Leckereien für den kleinen Bauch gibt, kann das Küken mit der Situation leben, obwohl ein warmes Bett natürlich nicht zu verachten ist.

 

 

 

 

Gegen sechs Uhr erwachte das Küken aus seinem Verdauungsschläfchen und unternahm einen Ausflug zum Nestrand. Den Strohwall überwindet es mittlerweile ohne Probleme und anschließend hielt Junior nach den Geschehnissen unterhalb des Nestes Ausschau.

 

 

 

Eine halbe Stunde später befanden sich alle drei Familienmitglieder auf dem Nest und Lilly übernahm die nächste Schicht. Futter gab es allerdings erst eine halbe Stunde später, aber Hungergefühle kennt unser Küken zum Glück nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Reichliches Abendbrot

Nachdem Ben seine Abendrunde gedreht hatte, kehrte er mit einem großen Abendbrot zurück. Es dauerte eine Weile, bis zum Vorschein kam, was er als Juniors Abendbrot gedacht hatte. Zuerst lief dem Storch ständig Wasser aus dem Schnabel, was darauf hindeutete, dass er zuletzt Fischchen eingesammelt hatte. Diese purzelten einzeln aus seinem Schnabel und wurden vom Küken gierig verschlungen. Aber da sollte noch mehr kommen.

 

 

Nachdem die Fische in den Hals des Kükens gewandert waren, war der Weg für eine große Ratte frei. Junior musste zwar mehrmals ansetzen, um diese richtig zu packen. Als das von Erfolg gekrönt war, schüttelte er sich die Beute Stück für Stück in den Hals. Dabei sah er wie eine Schlange aus, die ihre Beute zentimeterweise in sich hineinzieht. Die erste Hälfte war schwierig, der Rest ging in einem Rutsch. Zum Schluß hing nur noch der Schwanz der Ratte aus dem Hals des Kükens, das sich kaum noch bewegen konnte.

 

 

 

 

 

Da passt nichts mehr rein

Wie es Junior schaffte, sich für diesen Bissen mit einer eleganten Halsverrenkung und ohne Umfallen beim Papa zu bedanken, ist unklar. Das Küken saß anschließend eine knappe Stunde mehr oder weniger bewegungslos unter dem Altstorch. Der Hals war auf doppelte Breite ausgedehnt und Junior sah völlig unförmig aus. Appetit dürfte er heute sicher keinen mehr gehabt haben.

 

 

 

 

 

 

 

Um zehn Uhr war auch für das Küken Schlafenszeit. Agathe baute ihr Nest aus und die Nachtwolken beendeten den Storchentag. Wir wünschen für morgen viel Sonne, um das Nest zu trocknen. Schlaft gut, ihr Lieben. Gute Nacht.

 

 

 

 

Nachwuchs bei den Meisen

Wer sich für den Meisennachwuchs interessiert – heute sind die ersten Meisen geschlüpft. Die Meiseneltern sind fleißig mit der Futtersuche beschäftigt, um ständig etwas in die immer geöffneten Schnäbelchen zu stopfen. Und wie Eierschalen entsorgt werden, ist ebenfalls in den Videos zu sehen. Viel Spaß damit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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