11.03.2020 – Ben, der Baumeister

Heute Nacht kam Ben kaum zum Schlafen. Kurz vor vier Uhr stand er auf dem Nestrand und spähte aufmerksam nach unten. Wenig später hätte man denken können, dass ein Jungstorch im Dunkeln seine ersten Versuche unternimmt, vom Nestboden abzuheben. Ben hüpfte immerzu in die Luft, manchmal waren nur noch seine Füße zu sehen. Was im ersten Moment wie nächtliche Sportübungen aussah, war aber der Versuch, sich im Nest zu halten. Der Wind muss ihm so sehr unter die Flügel gegriffen haben, dass er mehrmals unfreiwillig vom Boden abhob. Dabei landete er auf dem Nestrand und drohte fast abzustürzen. An Schlaf war dabei nicht zu denken.

 

 

 

Hier gibt es ein kleines Video der Verwehungen:

 

Nach einer kurzen Nacht begann Ben mit den Aufräumungsarbeiten. Zuerst wurde frisches Stroh geholt, damit es wieder ein trockenes Nest gab. Anschließend stocherte er mit dem Schnabel im Erdboden und warf alle störenden Erdklumpen raus, die ihm nicht passten.

 

 

Der Materialfehler

Der heutige Tag stand im Zeichen des Kampfes zwischen Ben und dem Stock. Immerhin war der Storch fast den gesamten Tag mit einem großen Ast beschäftigt, den er morgens ins Nest geschleppt hatte. Er hatte ihn zuerst abgelegt, sich anderen Ausbesserungsarbeiten zugewendet und wollte anschließend sein Baumaterial verarbeiten. Hätte er vorher gewusst, dass er den ganzen Tag mit diesem unwilligen Holz zu tun hätte, hätte er ihn sicher nicht mit ins Nest gebracht.

 

Zuerst wurde der Ast geholt und ins Nest geflogen

 

 

 

Der Ast brauchte einen perfekten Platz, also schnappte Ben sich diesen und schleppte ihn auf die andere Nestseite.

 

 

Aber auch mit dieser Seite war er nicht zufrieden. Also wieder zurück auf die andere Seite des Nestes.

 

 

Aber er passte einfach nirgendwo hin. Also doch noch einmal einen Versuch auf der anderen Seite des Nestes unternehmen.

 

 

Ben begann mit dem Ast im Schnabel auf dem Rand das Nest zu umkreisen. Einmal, zweimal, dreimal…, irgendwo muss dieses Stück Holz doch einzufügen sein. Wer hat hier eigentlich im Zuschnitt gepfuscht, dass das nicht passt…

 

 

Nach mehrmaliger Wanderung ums Nest hatte Ben die Nase voll und ließ den Ast fallen. Jetzt lag er quer mitten im Nest, was auch nicht optimal war. Zumal er jetzt beim Laufen drüber stolperte.

 

 

Was mache ich nur mit dir?

Ben saß nun mitten im Nest und starrte auf seinen Ast, der einfach nicht so wollte wie er. Manchmal muss man ein wenig nachdenken und dann einen neuen Anlauf wagen. Zuerst im Sitzen, er hatte ja schon lange genug mit diesem Ding gekämpft.

 

 

Dann packte es ihn und er zerrte das unwillige Stück Holz erneut durch das Nest. Jetzt versuchte er, den Ast an der äußeren Umrandung unterzubringen. Aber auch dieser Versuch mißglückte und er ließ ihn wieder in der Mitte fallen.

 

 

“Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!”
Unser Storch wurde langsam sauer, weil der Ast einfach nicht die passende Größe hatte. Er riskierte einen Blick über den Nestrand nach unten – vielleicht merkt es ja keiner, wenn er den Ast einfach nach unten entsorgt. Aber erstmal schauen, dass keiner unter dem Nest steht und guckt.

 

 

Dann schnell auf die andere Seite hüpfen, sich am Kopf kraulen und nachdenken.

 

 

Ben zeigte mächtig Ausdauer. Über zwei Stunden schleifte er den Ast durch das Nest und versuchte, ihn an jeder nur möglichen Stelle zu deponieren.

 

 

Zwischendurch stolperte er über seinen Ast, fiel dadurch beinahe vom Nest, verhedderte sich beim Rückwärtslaufen in diesem und ließ sich letztlich zum Ausruhen nieder.

 

 

Du dummer Stock!

Ben hatte die Nase voll und Hunger. Er flog vom Nest, sein Baumaterialverschnitt blieb einsam zurück.

 

 

Ben gönnte sich eine großzügige Auszeit. Erst mittags kehrte er zum Nest zurück. Mit neuer Kraft.

 

 

Die verwendete er aber lieber für ein Mittagsschläfchen, mit seinem Ast wollte er nichts mehr zu tun haben.

 

 

Den Nachmittag verbrachte der Storch im Nest und genoß die Sonnenstrahlen. Den Ast hatte er beiseite geschoben, damit er Platz zum Hinlegen hatte. Für heute waren es genug Versuche, die Außenwand zu festigen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Das Kapitel “Ben, der Baumeister” ist also noch nicht abgeschlossen.

 

 

Eine gute Nacht für Ben und etwas mehr Schlaf und weniger Wind als gestern. Und gut den Ast im Blick behalten!

 

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2 Kommentare
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Einfach toll geschrieben und beobachtet.

Ich liebe dieses Tagebuch. So schön und lustig geschrieben.
Danke Ev.

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