10.-17.05.2026 – Willi wächst, fliegende Entenküken, aus 6 mach 3

Es ist ruhig geworden im Fohrder Storchennest. Anton, August, Auguste und Willi wohnen in Loburg und wachsen zu gesunden Störchen heran. Mama Ente hat das Nest mit 11 Küken verlassen und im ungarischen Storchennest wurden die Storchenkinder aufgeteilt. Warum? Machen wir gemeinsam einen Rückblick.

 

Die Vierlinge in Loburg

Anton, August, Auguste und Willi sind nicht die einzigen Küken, die derzeit in Loburg betreut werden und aufwachsen. Mit von der Partie sind auch Elsterküken sowie der Nachwuchs von Tim – einem Storch, der seine Partnerin verloren hat und seinen Nachwuchs alleine nicht aufziehen konnte. Also wanderten auch seine drei Küken in die Kinderstube in Loburg.

Alle 2,5 bis 3 Stunden gibt es Futter für den Babynachwuchs, der recht schnell vergisst, dass die letzte Mahlzeit gerade mal eine halbe Stunde zurückliegt. Aber die Ministörche sind an die kurzen Zwischenzeiten gewöhnt und fordern Futter ein, auch wenn der Bauch eigentlich noch voll sein müsste.

Hier ein Video von der Fütterung der Storchenkinder in Loburg:

https://www.youtube.com/watch?v=paihzDoabbY&t=1s

 

Auch Klein-Willi ist auf dem besten Weg. Er wird gegenüber seinen Geschwistern noch eine Weile ein Nachzügler bleiben, aber die Zeit wird das ausgleichen. Letztens stopfte er sich so viel Futter in den Hals, dass sich Loburgs Betreuer sorgten, weil sich Willi nicht mehr rühren konnte. Viel muss nicht immer viel helfen. Aber an dem Tag hat er bestimmt gut zugelegt.

 

All inclusive Vollverpflegung

Die Jungtiere sind in warmen und überdachten Räumlichkeiten samt Wärmelampen untergebracht und haben somit die besten Lebensbedingungen. Sind sie größer, werden auch sie bis zur Auswilderung in Volieren untergebracht und können sich somit an Wind und Wetter gewöhnen. Noch bleiben sie in der Kinderstube, damit die Federn, die ihnen Schutz vor Regen und Sonne geben werden, wachsen können.

 

 

 

So sieht es dann aus, wenn die Rasselbande satt ist. Anders als im Storchennest wird hier gefressen, bis der Bauch voll ist und die Küken kurz vor dem Umkippen sind. Sobald nichts mehr in den Schnabel geht, wird vom Gehirn anscheinend das Signal „Umfallen!“ gesendet und die Küken fallen sichtlich ins Koma und rühren sich nicht mehr.

 

 

Unserem Quartett geht es also unter diesen Umständen bestens. In der Natur hätte Willi wahrscheinlich keine Überlebenschance gehabt. Wir haben ja gesehen, dass die beiden jüngeren Küken nach ihrem Umzug nach Loburg zuerst von Hand gefüttert werden mussten, damit die Lebensgeister wieder erwachten. Besonders Willi war schon zu schwach, um selbstständig Nahrung aufzunehmen.

Er hatte im Fohrder Storchennest kein Futter gefressen, weil er von den Geschwistern in den Hintergrund gedrängt wurde bzw. weil dann keine Fütterung mehr kam. Umso schöner ist es, dass dieses Küken kein Opfer der Umstände wurde, sondern ebenso wie die Geschwister auf ein schönes Storchenleben hoffen darf.

 

Jezebel und Otto im Fohrder Storchennest

Das Wetter war wechselhaft und für die Jahreszeit eindeutig zu kalt. Glücklicherweise mussten sich Otto und Jezebel nun keinerlei Sorgen mehr um einen frierenden und hungrigen Nachwuchs machen. Die beiden Störche sind fast jeden Tag in der Nähe zu beobachten. Meist sind sie auf der Wiese unterwegs, auf der sie wieder ausgewildert wurden.

 

 



Hier fühlen sich Otto und Jezebel zu Hause.

 

 

Nachts sind sie häufig im Nest anzutreffen, was bedeutet, dass auch Jezebel eine Bindung zum Horst aufgebaut hat. Trotzdem geht sie teilweise ihre eigenen Wege, während Otto das Storchennest regelmäßig besucht. Die beiden dürfen also ein schönes und unbeschwertes Frühjahr erleben, während ihre Küken in Pension sind.

 

 

 

Und Jezebel liebt es immer noch, auf ihrem „Balkon“ zu spazieren. Oder stundenlang auf der Nestkante zu stehen. Eine Eigenart, die mit ihr Einzug ins Fohrder Storchennest gehalten hat. Und da ihr Otto in nichts nachstehen will, macht er es Jezebel natürlich nach.

 

 

 

Wir wünschen Otto und Jezebel einen guten Start in die neue Woche, die temperaturtechnisch etwas wärmer werden soll. Dann macht es erst recht Spaß, am Rand der Gewässer zu wandern und fette Beute zu machen. Alles Liebe dafür.

 

 

Was wurde aus Mama Ente?

Was still und leise am Rande passierte, war eigentlich eine Sensation. Jahrelang steht das zweite Storchennest leer und wurde von den Alttieren nur als Schlafzimmer benutzt, wenn die Küken so groß waren, dass sie auch nachts alleine bleiben konnten. Und dann kommt dieses Jahr eine Ente daher und erklärt das Nest ganz selbstverständlich zu ihrem Brutplatz.

Nachts besuchte Mama Ente ihren Erpel am Teich, der sie am frühen Morgen immer zum Nest begleitete und abdrehte, sobald er Mama Ente sicher landen sah. Tagsüber saß die Ente still und heimlich im Nest und achtete darauf, von niemandem bemerkt zu werden. Nur Turmfalkin Goldie kam regelmäßig zu Besuch, um mit Mama Ente zu plauschen und ihr mitgebrachtes Futter im Entennest zu verspeisen. Mama Ente legte zwar keinen Wert darauf, das Futter mit Goldie zu teilen, gewährte aber Gastfreundschaft und friedliche Koexistenz.

 

Doch nicht aufgefressen

Die Besorgnis, dass Mama Entes Nachwuchs als baldiges Frühstück für die Störche und Falken dienen würde, stellte sich als unberechtigt heraus. Otto und Jezebel waren als kinderloses Paar nun ständig außer Haus. Und die Turmfalkin kam nie zeitig zu Besuch. Das hatte sich Mama Ente gemerkt und war deshalb frühmorgens ausgezogen. Zwar ohne Abschiedsgruß, aber sicher ist sicher.

 

Einen lieben Dank an Claudia, die die Bilder für diese Infos lieferte. Familie Ente zog nämlich am 15.05. aus dem Nest ins Wasser um und dieses Ereignis hatte ich verpasst.

 

Screenshot_20260515-094038_Samsung-Internet

 

Screenshot_20260515-095332_Samsung-Internet

 

Diese Nacht hatte Mama Ente auf dem Nest verbracht und damit dem Erpel am Erdboden das Signal gegeben, dass die Küken beim Schlüpfen waren und es am Morgen eine Familienzusammenführung geben würde.

Das Nest wurde morgens um 8:33 Uhr verlassen. Mama Ente suchte den besten Absprungplatz aus, sammelte ihre 12 Küken um sich und es dauerte weniger als eine Minute, bis alle Tiere den Absprung vom Storchennest geschafft hatten.

 

Screenshot_20260515-094342_Samsung-Internet

 

Screenshot_20260515-095529_Samsung-Internet

 

Screenshot_20260515-095556_Samsung-Internet

 

Screenshot_20260515-095944_Samsung-Internet

 

Während wir uns bei einem Sprung aus dieser Höhe alle Knochen gebrochen hätten, wurden die flauschigen Federgewichte vom Wind sanft nach unten getragen, um weich auf der Wiese zu landen. Anschließend ging es im Gänsemarsch zum nächsten Gewässer.

Der Weg dahin beträgt ca. 200 bis 300 Meter. Auf der einen Seite eines Weges befindet sich ein kleiner Teich. Auf der anderen Wegseite gibt es eine Wasserfläche, die mehrmal so groß wie der kleine Teich ist. Dort können die kleinen Entchen aufwachsen und wenn sie gut fliegen können in das größere Gewässer wechseln, das bis nach Hohenferchesar reicht.

 

Und hier zum Mitzählen:

https://www.youtube.com/watch?v=OTN2GH2D6dA

 

Auch dieses unerwartete Projekt ging erfolgreich zu Ende. Alle Küken hatten den Weg auf die Erde gefunden und sind garantiert sicher zum Wasser gekommen. Im hohen Gras dürften die Küken kaum zu sehen gewesen sein, Otto und Jezebel waren unterwegs und Goldie hat zu dieser Uhrzeit sicher auch noch geschlafen. Ende gut, alles gut. Wieder eine neue Erfahrung, mit der niemand gerechnet hatte.

 

Wie geht es den Storchenkindern in Ungarn?

Auch in der ungarischen Auffangstation herrscht reges Treiben. Macus und Szofi staunten nicht schlecht, als sich die Anzahl ihrer Küken plötzlich halbiert hatte. Zwar waren sie mit der Entnahme ihres Nachwuchses nicht unbedingt einverstanden, aber schon wenige Tage später sollten sie feststellen, dass hier wirklich mitgedacht wurde.

Hier waren noch alle sechs Storchenkinder im Nest. Die ersten vier Küken waren innerhalb von 13 Stunden geschlüpft. Und das, obwohl die Eier alle im Abstand von jeweils zwei Tagen gelegt wurden.

 

… da waren es nur noch drei…

 

 

Weshalb wurden die sechs Jungtiere getrennt?

Einerseits brauchen sechs Jungstörche jede Menge Futter und auch mit dem Zufüttern ist nicht gewährleistet, dass jedes Jungtier einen ausreichenden Anteil abbekommt. Bei drei Storchenkindern kann man sich hingegen sicher sein, dass jedes Tier bei jeder Fütterung genügend abbekommt, um sich ausreichend zu entwickeln.

 

 

 

Außerdem passen sechs Küken bereits nach einer Woche kaum noch unter den Flügel, um bei kaltem Wetter geschützt und gewärmt zu werden. Die sommerlichen Temperaturen, bei denen die Küken schlüpften, schlugen nämlich wie bei uns in kühleres und vor allem regnerisches Wetter um. Damit standen Szofi und Macus dann vor einer Herausforderung, die selbst mit drei Ministörchen nur noch halbwegs zu bewältigen war.

 

 

Dieses Küken hatte wohl vorne und hinten verwechselt. Oder es machte ihm nichts aus, wenn Rücken und Schwänzchen nass werden, Hauptsache der Kopf ist im Trockenen.

 

 

Ein „Fehler“ der Natur?

Interessanterweise hat die Natur hier nicht den Instinkt verliehen, dass sich beide Storcheneltern gleichzeitig ins Nest legen und die Küken unter die Flügel nehmen. Auch dass beide Flügel gleichzeitig eingesetzt werden, wird instinktiv nicht umgesetzt. Andererseits nehmen die Alttiere zum Schutz der Junge oftmals Posen über einen längeren Zeitraum ein, die schon beim Zusehen anstrengend wirken.

 

 

Wie herum man sich auch stellt, die Küken sind mittlerweile so groß, dass es schwierig ist, sie vor dem Regen zu schützen.

 

 

 

In solch einer Pose möchte man als Storch ganz sicher nicht zu lange liegen. Aber was tut man nicht alles für seinen Nachwuchs. Da sind die Störche nicht anders als wir Menschen. Aber angenehm war diese Haltung ganz sicher nicht.

 

 

Die Aufteilung der Storchenkinder macht jedenfalls Sinn, denn Szofi und Macus sei auch einmal eine geringere Kinderschar gegönnt. Die beiden haben bisher jedes Jahr eine Kükenschar von durchschnittlich fünf bis sechs Jungen aufgezogen, da sei ihnen ein ruhigerer Jahrgang gegönnt.

 

 

Die drei Geschwisterchen werden sicher in kurzer Zeit in einem weiteren Nest auf der Wiese untergebracht und werden die Familie dann im Blick haben. Wenn der Nachwuchs fliegen kann, werden sie zusammen auf den Hausdächern stehen und auch gemeinsam den Weg in den Süden antreten.

 

 

 

Wir wünschen allen großen und kleinen Störchen sowie Familie Ente eine wunderschöne neue Woche. Mit viel Futter und Sonnenschein.

 

Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.

https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/

 

Quelle:

http://storchenhof-loburg.de

https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=moG5RtB1bx0

 

 

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
7 Kommentare

Liebe Ev, es waren sogar 12 Küken. Auf youtube finden sich 2 Videos zum Absprung.

Hallo Ev, es freut mich, wenn ich etwas zu deinem tollen Bericht beitragen konnte. Ich hatte frei, und habe ständig aufs Handy geschaut. Als ich „zurückgespult“ habe fiel mir auf, daß Mama Ente über Nacht, nicht wie üblich weg war. Das fand ich höchst merkwürdig und bin von da an nur noch am Bildschirm gesessen.Und man hat richtig gemerkt, wie sie auf einmal unruhig wurde und dann von den Küken aufstand und im Nest rumgewatschelt ist. Mein Gott war das süß das erste Mal diese kleinen Flauschbällchen zu sehen. Immer wieder hat sie über den Nestrand geschaut! Ich habe mich… Weiterlesen »

Liebe Claudia,
Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich werde die nächsten Tage mal einen Abstecher zu den umliegenden Teichen machen und schauen, ob die Entenfamilie dort zu sehen ist. Dann wüssten wir, dass alle heil im Wasser angekommen sind.

Dir einen schönen Abend und liebe Grüße von Ev

Ohhh… das wäre ja wirklich total lieb! Das würde mich freuen, wenn Du die süße Familie finden würdest!I Ich wünsche auch einen schönen Feierabend 🍻
Liebe Grüße
Claudia ✨️

Habe gestern schon geguckt aber nichts gesehen. Gruß Lars

Dann sind sie vielleicht gut getarnt unterwegs… vielleicht hat Ev ja mehr Glück…