Da heute keine aufregenden Dinge im Storchennest Fohrde und in der ungarischen Auffangstation passierten, suchen wir Antworten auf zwei wichtige Fragen, die auch im Chat immer wieder diskutiert werden.
1. Warum schläft der Storch im Stehen?
2. Wie lange braucht es, bis eine Störchin ein Ei legt?
Wichtige Fragen, die wir jetzt beleuchten.
Warum schläft der Storch also im Stehen?
Beginnen wir ganz am Anfang des Storchenlebens. Die Küken schlüpfen in einem Nest, werden dort versorgt und wohnen so lange in diesem, bis sie flügge sind. Die Natur hat ihnen den Instinkt gegeben, die Winterzeit im warmen Afrika zu verbringen, während in Europa Schnee liegt und Minusgrade herrschen, sodass Fressbares zur Mangelware wird.
Sind die Jungtiere in Afrika angekommen, finden sie dort keine Nester und schlafen gewöhnlich auf Bäumen oder anderen erhöhten Plätzen, die sich ihnen bieten. Das heißt, im Stehen zu schlafen, ist für den Storch die normale Art und Weise, seine Nachtruhe zu verbringen. Nester werden nur gebaut und genutzt, um den Nachwuchs großzuziehen.
Zum Brüten und zum Wärmen der frisch geschlüpften Küken müssen die Eltern eine sitzende Haltung einnehmen. Ohne Nachwuchs ist das aber die Ausnahmeposition.
Findet sich ein Paar, das nicht brütet, zieht dieses unter Umständen durch die Gegend und schläft ebenfalls dort, wo es sich gerade anbietet. Dabei werden freie Horste natürlich bevorzugt, denn wenn diese schon da sind, mag es der Storch gerne sicher und bequem.
Wir sehen unsere Störche immer auf dem Nest und vergessen, dass die Tiere zur Aufzucht der Jungen nach Deutschland kommen. Dafür braucht es einen gesicherten Platz. Das Storchennest. Ohne Nachwuchs würden die Tiere in Abwesenheit von Nestern auch auf Hausdächern, Bäumen oder Masten schlafen und das würde definitiv im Stehen geschehen.
Elli zeigt diesbezüglich ein sehr natürliches Verhalten, indem sie auch tagsüber vorwiegend stehend im Nest anzutreffen ist. Otto scheint eine neue Generation zu sein, denn er zieht eindeutig die Liegeposition vor.
Wie lange braucht es, bis eine Störchin ein Ei legt?
Diese wichtige Frage interessiert alle Fohrder Storchennestgucker brennend. Bringen wir also auch hier etwas Licht ins Dunkel.
Vom Eisprung, über die Ausreifung der Eier bis zum Legen braucht es ungefähr zwei Tage Zeit. Damit sich aber ein Ei im Körper einer Störchin bildet und der Eisprung erfolgen kann, müssen zuerst die Umstände passen. Von Natur aus entfaltet sich der Brutinstinkt zwischen März und Mai, wobei sich das durch den Klimawandel sicher auch noch verändern wird.
Das heißt, in dieser Zeit werden im Körper der Störchin Hormone produziert, die die Entwicklung der Eier veranlassen. Denken wir an die Säugetiere, geht es bei diesen um eine monatliche Reifung eines Eis im Eierstock. Dieses nistet sich für einen bestimmten Zeitraum in der Gebärmutter ein. Wird es in dieser Zeit befruchtet, bildet sich Nachwuchs. Ohne Befruchtung wird das Ei nach zwei Wochen vom Körper wieder abgestoßen.
Beim Storch läuft es anders, da dieser keine Gebärmutter besitzt. Die Eizellen befinden sich im Eierstock, von dem die meisten weiblichen Vögel entwicklungsbedingt nur einen haben. In der Brutzeit kommt es zum Eisprung und der Bildung des Eis im Eileiter, sobald ein passendes Nest mit zusagender Umgebung gefunden wurde und ein Männchen vorhanden ist. Hier sind also, anders als bei den Säugetieren, äußere Faktoren dafür ausschlaggebend, dass die Entstehung eines Eis ihren Anfang nimmt.
Auf die wichtigen Fragen, warum oder wodurch sich in der Störchin ein Ei bildet, müsste die Antwort daher lauten: weil sie bereit dazu ist und ein Eisprung ausgelöst wird. Denken wir an unbefruchtete Eier: diese haben sich gebildet, obwohl kein Samen hinzukam. Bei Säugetieren findet der Eispruch in einem regelmäßigen Abstand statt. Wird die Eizelle nicht befruchtet, stößt der Körper diese ab. Beim Vogel entwickelt sich das Ei trotzdem. Auch ohne Befruchtung.
Erst müssen die Grundbedürfnisse erfüllt sein
Schaut man sich die unterschiedlichen Zeiträume an, die zwischen dem Eintreffen am Brutort und dem Legen des ersten Eis liegen, kann man viele Faktoren ableiten. Erreicht eine Störchin ihren Brutplatz bei schlechtem oder sehr kaltem Wetter, wird die innere Natur mit der Eiproduktion ganz sicher warten. Kommt es über mehrere Tage zu heftigen Nistkämpfen, werden ganz sicher keine Hormone im Körper ausgeschüttet, die den Eisprung anregen.
Möchte die Störchin erst den neuen Partner und ein neues Brutgebiet kennenlernen, wird sich das Ei auch erst nach einer gewissen Zeit bilden. Und wenn das Bedürfnis vorherrscht, zuerst anzukommen und sich zu erholen (wie es bei Ostziehern nach einer zehrenden Rückreise sicher der Fall sein dürfte), dann sorgt das Gehirn dafür, dass das Ausfliegen, Ausruhen und die Futtersuche anfangs im Vordergrund stehen. In diesem Fall werden die Hormone anscheinend etwas runterreguliert, was die Eibildung verschiebt.
Dieses Bedürfnis deckt sich mit dem menschlichen Verhalten. Ist ein Kind geplant, wird mit der Zeugung bewusst gewartet, bis man die äußeren Umstände (Wohnung, Wohnort, Finanzen, Hochzeit…) geregelt hat. In dieser Zeit wäre es auch schwieriger, schwanger zu werden, da die menschliche Psyche einen sehr starken Einfluss auf die Empfängnisfähigkeit hat.
Wichtige Fragen – das Fazit:
Ein neuer Partner, ein neues Nest, eine neue Umgebung und neue Futtergebiete sind Faktoren, die die Bildung der Eier beeinflussen. Würden sich Elli und Otto nächstes Jahr wieder in Fohrde treffen, würden die ersten Eier ganz sicher früher im Nest liegen. Allerdings wäre Ellis Rückreise über die Ostroute wieder kräftezehrend. Was erneut für eine längere Erholungsphase spricht.
Würden wir uns die Mühe machen und herausbekommen, wie lange es bis zum ersten Ei in anderen Storchennestern dauerte, kommen wir ganz sicher auch auf ca. 11 Tage. Bei uns kommen der neue Partner, ein fremdes Nest sowie eine strapaziöse Heimreise hinzu. Elli liegt also absolut im Durchschnitt.
Und: wir dürfen nicht vergessen, dass in Fohrde ohnehin alles anders verläuft. Das wäre dann der Sonderbonus für Elli.
Nach diesen vielen Zeilen nun ein ganz kurzer Blick in die beiden Storchennester.
Storchennest Fohrde
In Fohrde blieb auch heute alles entspannt. Mittags wurde wieder heftig geklappert, ansonsten flogen die Tiere zwischen den Wiesen und dem Nest hin und her. Otto bekam seine regelmäßigen Pausen und Elli ließ sich heute im Liegen mehrmals den Rücken bescheinen.

Vielleicht wollte Elli Otto klarmachen, dass er für das Legen der Eier zuständig ist?




Es gab viele Ruhephasen, bei denen die Tiere gemeinsam oder einzeln auf dem Nest zu sehen waren. Und Elli konnte es nicht lassen, Otto immer wieder auf den Rücken zu klettern. Das ist möglicherweise ihre Art zu sagen, dass sie JETZT fürs erste Ei bereit ist.
Was gab es in Ungarn?
In Ungarn ist auch das sechste Küken geschlüpft, aber Nummer fünf und sechs sind noch nicht im Familiennest. Vielleicht kommen diese gleichzeitig nach Hause und werden zuvor aufgepäppelt, damit sie sich nicht zu sehr von ihren Geschwistern unterscheiden.
Das Highlight des Tages war das Rollenspiel zwischen András und Storchenpapa Macus. Als András die vormittägliche Fleischration brachte, bewachte Macus die Küken. Die ins Nest fliegenden Fleischbrocken fing der Storch geschickt auf und verspeiste sie selbst.
Beim Versuch, gezielt zu werfen, musste András seine Finger schnell zurückziehen, denn Macus schnappte jedes Mal nach dessen Hand. Dafür wurde der Storch vom Ziehvater ermahnt, was ihn aber nicht daran hinderte, auch beim nächsten Wurf die Finger ins Visier zu nehmen.
Das Wetter bescherte den Küken Sonnenschein und ein trockenes Nest sowie ein rundum Wohlgefühl.
Solche süßen Bilder gibt es nur, so lange die Küken ganz klein sind und unter die Flügel passen.

Aus dieser Perspektive lässt sich erkennen, dass die Brutmulde wesentlich tiefer als das restliche Nest liegt.
Hier wurde Macus zur Ordnung gerufen, aber viel genutzt hatte es nicht. Die meisten Fleischstückchen wanderten in seinen Bauch. Und auf die Finger von András hatte es der Storch auch abgesehen.



Und nun allen Lesern einen schönen Tag. Bis morgen.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/
Quelle:
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=TFMYz75fSmQ















Ich bin zwar seeeehr weit weg, lese diese Beiträge aber immer wieder gerne! Hier in der Nähe gibt es in Benediktbeuern auch einige Störche. Leider hat ihnen das schwere Hagelunwetter im August 2023 sehr zugesetzt und es hat wohl auch tote Tiere gegeben… Auf dem Dach des Maierhofs im Kloster gibt es hoch oben auch ein schönes Nest, welches im Zuge der Dachsanierung auch wieder hergerichtet wurde. Dieses Jahr konnte ich aber noch keine Bewohner sichten.
Vielen Dank für diese tollen Berichte!
Liebe Claudia, glücklicherweise überwindet das Internet jede Entfernung. Ja, wenn alteingesessene Tiere eines Horstes getötet werden, muss sich erst ein neues Paar für dieses Nest finden. Manchmal braucht das etwas Zeit, aber es wird. Bis dahin genießt du die Störche und ihr Klappern über das Internet. Ein Klosternest ist etwas Besonderes, das bekommt auch ein ganz besonderes Storchenpaar. Hab einen schönen Sonntag,
liebe Grüße von Ev