Wolkenverhangen und faul, so lässt sich der Freitag beschreiben. Vitamin D gab es heute nicht, dafür lange Ruhepausen auf den Eiern. Jezebel war heute immer lange auf dem Quartett anzutreffen. Sie machte wohl einen Entspannungstag ohne viele Ausflüge. Und bereits ein Drittel der Brutzeit ist vorüber.
Frühschicht im Storchennest. Nach Sonnenschein sah es heute nicht aus, denn dicke Wolken hingen den ganzen Tag über am Himmel. Das stört die Storcheneier aber nicht, da sie ohnehin den ganzen Tag unter dem Storchenbauch im Dunkeln verbringen.
Gut, dass sich auch bei fehlendem Sonnenschein Äste finden lassen. Während Jezebel heute faul war und keine Lust hatte, sich von ihrem warmen Sitzplatz zu erheben, war Otto schon wieder auf Beutefang unterwegs. Nicht für den Magen, sondern für die Nestgestaltung.
Von den paar Ästchen zeigte sich Jezebel nicht sonderlich beeindruckt und wackelte nur ein wenig auf ihrem Sitzplatz hin und her. Da musste Otto schon schwerere Geschütze auffahren, um Jezebel zu beeindrucken und aufzuscheuchen.
Und das tat Otto auch. Er landete mit einem Schnabel voller Heu neben seiner Störchin, das Beeindruckende war aber, WIE er es tat. Mit eleganter Flügelhaltung landete er auf Jezebel, die leider ein wenig in der Einflugschneise lag. Brust raus und Flügel hoch – unser Otto ist schon ein majestätisches Tier.
Jezebel schien heute lieber auf den Eiern sitzen zu wollen, als sich auf Futtersuche zu begeben. Ein Drittel der Brutzeit (30 bis 32 Tage) ist bereits vorüber und wenn man davon absieht, dass die Eier keine weiche Matratze sind – im Moment leben Otto und Jezebel sehr entspannt. In ihrer Freizeit können die Störche nach Herzenslust durch die Umgebung streifen, auf Futtersuche gehen, faul sein oder dem Partner im Nest Gesellschaft leisten.
Einen Halm rechts und einen Halm links
Nichts darf verloren gehen und jeder einzelne Halm wird genutzt. Jezebel sortierte alles unter ihren Bauch. Dabei tut man auch etwas, ohne sich anzustrengen. Heute war das Stroh trocken und Otto spendierte den Vormittag über immer wieder Nachschub.
Hurra! Jezebel steht auf! Das Bett war gemacht und nun durfte sich Otto endlich hineinlegen und auch ein bißchen faul sein. Es ist schon spannend, dass sich die Tiere darum drängen, auf den Eiern zu sitzen. Aber das ist wohl wie beim Menschen ein Instinkt der Natur. Dabei haben die Storcheneltern nur gut drei Monate die Verantwortung für ihren geschlüpften Nachwuchs. Während der Mensch sein ganzes Leben mit seinen Kindern verbunden ist.
Um 13 Uhr stolperte Jezebel im wahrsten Sinne des Wortes ins Nest zurück, denn sie war beim Landeanflug etwas zu schnell unterwegs. Otto war im Weg, aber so konnte der Storch Jezebel mit seinem Körper abbremsen.
Otto verabschiedete sich um halb zwei vom Nest, überließ Jezebel die Eiern und machte einen ungestörten Mittagsschlaf für die Störchin möglich.
Um 15 Uhr sah Otto im Nest nach dem Rechten und ergatterte erneut den Platz auf den Eiern.
Ohne besondere Vorkommnisse
Natürlich erscheint es fast langweilig, wenn außer dem Brüten, Schichtwechsel und Materiallieferungen nichts weiter passiert. Aber genau das ist, was uns Menschen fehlt – eine ruhige Abfolge von Ereignissen, ohne das Nervenkostüm dabei zu strapazieren.
Besonders spannend ist es, den Stream am Abend zu den Vormittagsstunden zurückzuspulen. Dann lassen sich erneut die Vogelstimmen des Tages hören, die für Entspannung und innere Ruhe sorgen. Einfach mal ausprobieren – es sorgt einfach für ein wohliges Gefühl und ein Lächeln im Gesicht. Es ist immer die Natur, die heilt. Sonst nichts.
Schon wieder war ein Tag beendet. In den Eiern regt sich bereits Leben in Kükenform, selbst wenn die Natur die Wohnmöglichkeit im Ei sehr platzsparend ausgelegt hat.
Die Nachtruhe wurde heute sehr früh eingeläutet. Ein langer Abendausflug? Heute Fehlanzeige. Anscheinend gab es viel zu fressen und die Störche hatten sich in kurzer Zeit den Bauch so vollschlagen können, dass es auch ohne ausgiebiges Abendbrot ging. Auch der Storch darf einfach rumhängen und faul sein. Im Sinne von „ausgiebig entspannen“.
Wenn in den Häusern die Lichter angehen und die Sonne am Horizont verschwindet, klappen auch Otto und Jezebel die Augen zu. Sie durften wieder einen Tag in kostbarer Freiheit genießen. Und tun, was sie am besten können. Storch sein.
Gute Nacht, ihr Lieben. Wir sehen uns morgen wieder.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/



























Wieder ein schöner Bericht! Und auch ich finde Störchen beim Brüten zuzuschauen ungemein entspannend! Und wenn ich das Bild anschaue zaubert es mir wirklich ein Lächeln 😃 ins Gesicht!!! Völlig versunken im gehamsterten Stroh 😂 Ich wünsche einen schönen Sonntag