Ein schwarzer und ein weißer Storch
Die Lüneburger Heide im Jahr 2023: Schwarz- und Weißstörche haben unterschiedliche Lebensräume, ernähren sich verschieden, bevorzugen verschiedene Nistmaterialien und leben auf völlig unterschiedliche Art und Weise. Doch wenn kein Gleichgesinnter der eigenen Art in der Nähe ist, arrangiert man sich mit dem, was einem auf der Wiese vor den Schnabel hüpft. In diesem Fall konnten ein schwarzer und ein weißer Storch der Anziehungskraft nicht widerstehen. Sie fanden sich und zogen zwei gesunde Küken groß, aller Widersprüchlichkeit zum Trotz.
Was in der Lüneburger Heide flugfähige Jungtiere hervorbrachte, soll in freier Wildbahn bisher einmalig sein. Die Natur hilft sich eben selbst und bringt zusammen, was zusammengehört. Beide Jungtiere vertreten jeweils ein Elternteil, deshalb hat das eine Küken ein weiß-graues Gefieder, während das andere Jungtier schwarz-graue Federn besitzt.
Eins und eins macht zwei
Die neuartige Familienidylle befand sich in der Umgebung des Ortes “Lüder” und wurde intensiv beobachtet und dokumentiert. Der Weißstorch hört auf den Namen “Heinrich” und war bis zum vorangegangenen Jahr mit einer Weißstörchin liiert. Als diese im Frühjahr jedoch nicht mehr zurückkehrte, war Heinrich allein.
Zu diesem Zeitpunkt traf er auf die Schwarzstörchin, die nicht das erste Mal in dieser Region gesichtet wurde. Sie war auf der Suche nach einem Schwarzstorchmännchen, um gemeinsam zu Brüten. Allerdings stieß sie in ihrem Revier nur auf Weißstörche, die kein Interesse an ihren Annäherungsversuchen zeigten. Auch wenn die Storchendame ihre Interessen sehr deutlich vertrat.
Doch die Natur ist äußerst flexibel und brachte das Weißstorchmännchen und die Schwarzstorchdame zusammen. Selbst wenn ein schwarzer und ein weißer Storch in Bezug auf ihre Eigenschaften nicht zusammenpassen, es wurde alles passend gemacht.
Es gibt für alles eine Lösung
Der Nestbau gestaltete sich daher etwas langwierig, denn was das eine Elternteil ins Nest brachte, sortierte das zweite Alttier schnellstmöglich als ungeeignet hinaus. Aber irgendwie muss sich das Paar geeinigt haben, denn im Mai schlüpften zwei Küken.
Mama Isis und Papa Heinrich gaben den Anteil ihrer eigenen Kultur an den Nachwuchs weiter. Flog Heinrich ein, gab es Heuhüpfer, Mäuse und andere Krabbelwesen. Landete Mama Storch im Nest, stand Fisch auf dem Speiseplan. Den Jungen schien egal zu sein, was im Nest abgeliefert wurde. Hauptsache es gab etwas zu fressen. Oft und reichlich.
Heinrich, Isis und die Jungtiere Ludger und Lina
https://www.youtube.com/watch?v=7W1kn31Q9jc
Quelle: Storchenhof Loburg
Was lernen wir daraus?
Unterschiede sind überbrückbar und können etwas Neues schaffen. Da den Tieren der Verstand fehlt und sie nur ihrem Instinkt folgen können, haben sie es oftmals leichter als wir Menschen. Wir wägen ab, denken in Rastern und verpassen oftmals das Gute im Leben. Zum Glück gab es ein Storchen-Happy-End. Und zwei Jungtiere, die aus einem Multi-Kulti-Haushalt stammen.
Quelle:





letztes Jahr im Oderbruch
Sehr schön geschrieben, und so wahr. Warum sind wir Menschen nicht so??