07.06.2020 – Heute wird geschmust

Unser Storchenpapa sah am frühen Morgen etwas gerupft aus. Nach einer feuchten Nacht war er sicher froh, dass sich bald die ersten Sonnenstrahlen am Himmel zeigen und das Nest trocknen würden. Er wartete auf die Ablösung durch Lilly und die Störchin flog pünktlich um fünf Uhr ein.

 

 

 

 

Ben verließ sofort das Nest. Anscheinend hatte er wirklich Hunger.

 

 

 

Auch Junior hoffte auf ein zeitiges Frühstück und wurde nicht enttäuscht. Lilly schüttete ihren Hals aus und das Küken stopfte sich die erste Mahlzeit des neuen Tages in den Schnabel.

 

 

 

 

 

Es ist noch Holz zu haben!

Da die Sonne noch nicht wärmte, wurde das Küken wieder unter die Flügel genommen. Eine Stunde später erschien Ben mit einem Ast im Nest. Etwas Kleinholz hatte sich vom Nest verabschiedet, daher musste er für Nachschub sorgen.

 

 

 

Und – gab es wieder Frühstück? Natürlich hatte auch Ben zu früher Morgenstunde einen Happen für seinen Junior parat. Das Küken war zufrieden, legte sich schlafen und wurde nur eine halbe Stunde später von Lillys Ankunft geweckt. Ob es schon wieder fressen musste?

 

 

 

 

 

Nein, wenigstens zwei Stunden lang sollte der Krümel verdauen können, wenn der Bauch voll ist. Da das Küken noch keine Hungergefühle hatte, verzog es sich wieder in die trockene Nestmitte und schloß die Augen.

 

 

Die Alttiere unternahmen am Vormittag nur kurze Ausflüge. Ben war ebenfalls nach nur zwanzig Minuten zurück und wollte sein Futter an das Küken loswerden.

 

 

 

 

Anschließend war Putzen unter Aufsicht angesagt. Das Küken ist mittlerweile so gelenkig, dass es mit seinem Schnabel überall hinreicht.

 

 

 

Wer zuerst fliegt…

Ben hatte nur eine Viertelstunde alleine mit dem Küken verbracht, da flog Lilly ein. Auch sie hatte unterwegs Kleinholz aufgegabelt, das sie mit ihrem Gatten verbaute. Im Anschluß schwang sie sich sofort wieder vom Nest, bevor Ben seine Schicht beenden konnte.

 

 

 

 

Ben brauchte aber nicht lange zu warten, da landete Lilly vollbeladen erneut im Nest. Sie hatte anscheinend einen Holzvorrat entdeckt, den sie Stück für Stück ins Nest transportierte.

 

 

 

 

Auch heute waren die Storcheneltern sehr viel zusammen auf dem Nest zu sehen. Um halb zehn erfolgte der nächste Schichtwechsel und Lilly verließ das Nest. Ben servierte einen Mix aus Fischchen, Würmern und undefinierbarem Schleim. Aber Junior schmeckte es köstlich, solange keine Krebse dabei sind…

 

 

 

 

Was rot ist, gibt Futter. Eine einfache Strategie, die jedem Elternteil schon öfter ein Schnabelzwicken beschert hatte. Das Küken ist jetzt auch so groß, dass es die angezogenen Beine direkt vor dem Schnabel hat, wenn es vor den Eltern sitzt. Da muss man einfach am großen Zeh knabbern…

 

 

 

 

Es wächst und wächst

Jetzt muss der Ministorch langsam den Kopf einziehen, wenn er unter den Storcheneltern sitzt. Er ist morgen drei Wochen alt und kurz nach dem Schlüpfen war nur ein halbes Köpfchen von ihm zu sehen. In acht Wochen muss das Küken fliegen, um pünktlich in den Süden zu reisen. Also fressen, fressen, fressen…

 

 

Um halb elf wurden endlich die Betten gemacht. Das Küken bekam frisches Stroh, während Lilly vom Nest abhob.

 

 

Einmal ordentlich recken und strecken, das Stroh aufschütteln und schon kann man sich wieder entspannt hinlegen.

 

 

 

 

Zuvor wurde noch der Nestboden auf alte Futterückstände untersucht. Ist diese Vorratskammer geplündert, kann das Küken getrost ins Bett gehen. Vorher gab es noch einen kleinen Imbiss, der das Schlafen versüßte.

 

 

 

 

 

 

Ein ordentliches Küken

Eine halbe Stunde später wurde im Nest ordentlich gearbeitet. Während der Altstorch die Aufräumungsarbeiten lässig auf einem Bein stehend erledigte, kümmerte sich das Küken um das Stroh. Dass es dabei immer wieder die gleichen Halme von einer Seite auf die andere verlagerte, spielte keine Rolle. Der gute Wille zählt und das Küken muss sich im Nestbau üben. Ob der Zweck erfüllt wird, bleibt abzuwarten.

 

 

 

 

Nachdem Junior ein paar Kalorien verbrannt hatte, fiel ihm ein, dass er sich nicht zuviel bewegen durfte, da er Speck ansetzen muss. Also ließ er sich auf den Nestboden fallen, streckte alle Gliedmaßen aus und machte ein Verdauungsschläfchen.

 

 

 

Dreißig Minuten später war er wieder anwesend und spielte mit einem Stockende, das senkrecht in die Luft abstand. Dann watschelte er durch das Nest, kletterte ohne Umfallen auf den Wall, stand triumphierend für zwei Sekunden mit durchgestreckten Beinchen auf dem Nestrand und plumpste anschließend auf seinen Hintern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schmusestunde bei Familie Storch

Um zwölf Uhr herrschte Storchenidylle im Nest. Lilly lag neben dem Küken, während Ben auf die beiden aufpasste. Das Küken knabberte zuerst liebevoll an Lilly herum, bis Ben das Mittag auftischte. Junior und Lilly futterten sich die Bäuche voll und die Storchenmutter freute sich sichtlich über die Tatsache, auch Futter vorgesetzt zu bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fünf Minuten später war alles vertilgt und Lilly übernahm die nächste Futtersuche.

 

 

 

Die Störchin kehrte ziemlich durchnässt ins Nest zurück. Es hatte in dieser Zeit in der näheren Umgebung nicht geregnet, also musste sie baden gegangen sein, denn der gesamte Bauch war ebenfalls nass. Das Küken bekam sein Futter und machte es sich anschließend auf dem frischen Stroh bequem, indem es dieses als Kopfkissen nutzte.

 

 

 

 

 

 

Kurz nach zwei Uhr gab es den nächsten Schichtwechsel. Ab und an zogen graue Regenwolken auf, aber heute blieb alles trocken. Außer fressen und schlafen war heute nicht viel zu beobachten. Ben sortierte noch einige Äste um, wobei ihm wieder ein Stock herunterfiel. Ansonsten war der Sonntag von Ruhe und Gewohnheiten geprägt.

 

 

 

 

 

 

Das Küken sieht immer aufgeplusterter aus. Der Flaum hat sich verdichtet und die Federn wachsen. Jetzt ist der Krümel auch schon unempfindlicher gegenüber Kälte, die laut Wetterbericht überstanden sein dürfte. Dieses Jahr war es eine milde Schafskälte. Im letzten Jahr war sie von vielen Gewittern und richtigen Temperatureinbrüchen begleitet. Ab der nächsten Woche werden wieder vorsommerliche Temperaturen erwartet, bei denen die Störche erneut ins Schwitzen kommen. Richtig stimmen tut es eigentlich nie smile.

 

 

 

 

 

Familienzeit

Lilly hatte es sich am Nachmittag im Nest gemütlich gemacht und Junior nahm neben der Mama Platz. Zuerst hielt er noch Ausschau, doch dann krabbelte er ans andere Ende der Störchin, um mit dieser zu kuscheln. Zwischendurch legte er sein Flügelchen auf die Mama, während Lilly ihren Nachwuchs vorsichtig kraulte. Schön, dass die beiden diese Erfahrungen machen können.

 

 

 

 

 

 

 

Ein entspannter Nachmittag

Auch der restliche Tag verlief entspannt. Das Küken vertilgte Fischchen, Würmer und Mäuse bis zum Abwinken. Meist saß es geduldig wartend da, bis sich der Schnabel der Storcheneltern öffnete und die Beute freigab. Wurden Würmer serviert, ringelten sich diese schon um den Schnabel der Alttiere, sodass Junior diese nur abzupfen brauchte.

 

 

 

 

Hier ist gut zu erkennen, wie schnell die schwarzen Federn wachsen. Noch vor wenigen Tagen waren nur andeutungsweise schwarze Ansätze zu sehen. Öffnet das Küken die Flügel, lassen sich jetzt deutlich die einzelnen Federbüschel in der Haut erkennen.

 

 

Auch unsere Spinne wollte heute wieder mit auf das Bild. Sie war schon tagsüber sehr fleißig, sodass man bei der Auswahl der Bilder genau schauen musste, wann sie über das Bild krabbelte und wann nicht.

 

 

Mit dem Haustier zusammen hatten unsere Störche einen wunderschönen Sonnenuntergang und ein prächtiges Farbenspiel am Abendhimmel.

 

 

 

Ben wurde um halb zehn von Lilly abgelöst, die dem Küken ein reichhaltiges Abendbrot brachte. Auch das vierte Ei ist immer noch mit von der Partie. Manchmal hat Junior es unter seinem Bauch und manchmal kuschelt er auch damit. Es gehört einfach noch immer dazu.

 

 

 

Schlaft gut und träumt etwas Schönes. Wir wünschen euch eine gute Nacht.

 

 

 

 

 

 

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
2 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Es ist so wunderbar, jeden Tag das Tagebuch zu lesen! So ist man ganz nah am Geschehen. Ich freue mich jeden Tag darauf. Und jetzt mit den kleinen Videos zwischendurch, einfach nur toll! Vielen Dank dafür!

Es ist einfach immer so witzig geschrieben, ich freue mich jeden Tag darauf. Dankeschön!

nach oben scrollen