Jezebel und Otto sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Jeder darf zwei Stunden brüten, dann wird getauscht. Heute war wieder Eilegetag – aber danach sollten die Eier reichen. Oder nicht?
Otto hatte Frühdienst, doch er schien gleichzeitig am Nest herumwerkeln zu wollen. Er lag so günstig, dass er mit seinem Schnabel in den Ästen der Umrandung herumstochern konnte. In die Gegenrichtung würde es schwierig werden, da der Abstand dorthin zu groß war.
Als Jezebel kurz nach 8 Uhr wieder heimkam, rührte sich Otto nicht von der Stelle. Aber die Störchin wollte unbedingt unter Ottos Bauch sehen und kontrollieren, ob alles in Ordnung war und daher musste sich der Storch schließlich doch erheben.
Eine energische Ansage
Jezebel hatte auf ihrer Frühstückstour genug Würmer und Mäuse verspeist und wollte sich jetzt unbedingt auf die Eier setzen. Mit gesenktem Kopf machte sie einen Schritt vorwärts und schob Otto gekonnt aus der Brutmulde, der sofort nach hinten auswich.“ Husch, husch, ich brüte jetzt.“
Nicht nur die Eier müssen gewendet werden. Auch Mama Storch muss sich immer wieder drehen und eine neue Position einnehmen.
Jezebel war damit beschäftigt, mehr Heu und Stroh unter sich zu stopfen. Denn Otto hatte den Brustbereich dermaßen ausgehöhlt, dass man als Storch anscheinend keine bequeme Sitzhaltung auf den Eiern einnehmen konnte. Daher wollte die Störchin den vorderen Bereich mit etwas Stroh auffüllen, um bequemer, also nicht abschüssig, sitzen zu können.
„Ich komme nur schnell mal vorbei, um einen Ast abzulegen. Ich bin gleich wieder weg. Es sei denn… Bist du schon fertig mit Brüten?“
Ein „Astklopfer“ für Jezebel
Otto kämpfte mit dem Ast. Drückte er diesen mit seinem Schnabel vorne herunter, ging er hinten hoch in die Luft. Zog er den Ast anschließend mit seinem Schnabel vorn in die Höhe, um diesen richtig zu platzieren, saust der hintere Teil auf Jezebels Po nieder. Wieder und wieder, denn Otto macht keine halben Sachen. Die Störchin wunderte sich, was ihr Gatte mit diesem Ast für Spielchen trieb. Bis sie sich entschloss, selbst mit einzugreifen.
Ja, mit den Ästen ist das so eine Sache. Mit Heu und Stroh klappt das wesentlich einfacher. Und Jezebel nahm jede neue Fuhre dankbar an.
Etwas feuchtes Stroh, dann wieder eine trockene Ladung, unter der Jezebel verbuddelt wurde – Otto hatte auch heute viel zu tun, während er gleichzeitig wartete, dass die Störchin aufstand und das Nest verließ.
Wir haben zwei sehr höfliche Störche
Aber Jezebel hatte Geduld. Mit Otto und mit dem Brüten. Sie klapperte Otto ihren Dank entgegen und sehr zu seiner Freude entschied sie sich, doch noch auszufliegen. Wer weiß, was Otto ihr sonst als nächstes präsentiert hätte.
„So, Mama ist unterwegs und jetzt haben wir unseren Spaß!“
Schichtwechsel um halb eins. Otto hatte bereits zwei Stunden auf den Eiern verbracht, als Jezebel zurückkehrte. Daher trat er seinen Platz auch freiwillig ab, blieb aber auf dem Nest. Man konnte ja nie wissen, wann sich die nächste Gelegenheit bot.
Mittags war die Wolkendecke aufgerissen und bescherte den Störchen eine sonnige Mittagspause, bei der Otto Jezebel genauestens bewachte.
Glücklicherweise muss auch Frau ab und an etwas fressen. Daher war bis halb sechs nur Otto im Nest anzutreffen.
Im letzten Jahr konnte man auch im Vorbeifahren auf der Straße die Störche im Nest liegen sehen und wusste, wann sie da waren. Dank Ottos Ausschachtung ist das nicht mehr möglich, denn die Tiere brüten jetzt „tiefergelegt“. Sofern Otto und Jezebel nicht gerade stehen, muss man immer den Livestream bemühen, um zu schauen, ob und wer auf den Eiern sitzt. Mensch Otto, was hast du da bloß gemacht?
Um halb sechs kehrte Jezebel zurück. Im Durchschnitt verbringen die Tiere momentan jeweils zwei Stunden auf den Eiern, während der Partner durch die Gegend stromert und sich den Magen füllt. Oder den anderen Storch „bewacht“.
Jezebels Eierzeit
Aber den restlichen Abend würde Jezebel auf den Eiern sitzen, denn heute war wieder Eilegetag. An der Eierproduktion hatte es in Fohrde noch nie gehapert. Lediglich das Aufziehen klappte in den letzten Jahren nicht so perfekt. Daher war davon auszugehen, dass heute Abend noch ein viertes Ei ins Nest rollen würde.
So dachte sich das auch Jezebel, die den Abend über wartete, dass ihr Körper Ei Nummer vier freigab.
Otto stand unterdessen geduldig auf dem Nestrand und hielt Ausschau in die Dunkelheit. Um 23:59 Uhr legte Jezebel das vierte Ei und blieb anschließend noch zehn Minuten darauf sitzen, bis Otto nachsehen wollte.
Ja! Hurra! Da ist eines mehr!
Otto schien begeistert und begab sich umgehend in seine Lieblingsposition. Und Jezebel leistete ihm Gesellschaft.
Herzlichen Glückwunsch, Familie Storch! Hoffentlich ist die Familienplanung jetzt abgeschlossen. Ihr wisst ja, je mehr Eier, desto größer ist die Gefahr, dass nicht alle Tiere das Erwachsenenalter erreichen. Drücken wir also die Daumen, dass es bei den vier Eiern bleibt.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/



































Moin, ich staune ja über Otto, er hat sich wirklich übertroffen und seine Jezebel lässt ihn gewähren, also wenn das kein Traumpaar ist, dann weiß ich auch nicht 😅💕, Respekt, 👍hoffe es geht alles gut mit dem 4 Eiern😊, aber ich denke schon, gruß Anke aus Oberndorf