05.06.2020 – Regenzeit und Monsterratte

Es hatte geregnet und im Morgenlicht konnte man sehen, wie durchweicht das Nest und die Störche waren. Der heutige Tag sollte zwar etwas Sonne bringen, aber auch regelmäßige Duschen würden nicht ausbleiben.

 

 

Lilly war um halb sechs mit einem Frühstücksimbiss ins Nest zurückgekehrt und servierte dem Küken somit wenigstens einen vollen Bauch.

 

 

 

 

 

Es sah etwas trostlos im nassen Nest aus. Kein Kuscheln in der Sonne, stattdessen wurde das Küken unter die Flügel genommen und hatte Ausgehverbot. Der Krümel wusste sich aber zu helfen, indem er seinen Kopf unter Bens Schwanzfedern hervorstreckte und sich einen kleinen Ausblick gönnte.

 

 

 

 

 

 

 

Erst die Arbeit (für die Eltern), dann das Vergnügen (für Junior)

Um halb acht gab es frisches Grün für das Nest, allerdings auch im nassen Zustand. Junior durfte ein wenig frische Luft schnuppern und seine Eltern bei der Arbeit beobachten. Ben hatte das Grün um das Küken herum verteilt und inspizierte mit Lilly das Nest. Es wurde an der Umrandung gerüttelt und Ben drehte eine Runde im Nest, bei der er begutachtete, ob der Regen Schäden angerichtet hatte. Junior saß mittendrin und sah dem geschäftigen Treiben zu. Allerdings fragte er sich, ob seine Eltern wohl sein Frühstück vergessen hätten? Die beiden schienen so abgelenkt, dass sich der Krümel erst bemerkbar musste, bis Ben sich aufmachte, um Futter einzusammeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeitweilig schaffte es ein Sonnenstrahl, durch die Wolkendecke zu blinzeln und auch der Wind tat sein Bestes, um das Nest trockenzuwehen. Ben brachte noch eine Zudecke für das Küken und baute den Nachwuchs unter Lillys kritischem Blick kuschelig ein. Nachdem das Küken äußerlich versorgt war, musste das Grummeln im Bauch gestillt werden. Der Regen hatte Würmer an die Erdoberfläche gelockt und Ben und Lilly brauchten diese nur noch einsammeln gehen.

 

 

 

 

 

Maulwurf oder Ratte?

Kurz nach elf Uhr flatterte Ben ins Nest, um seinen Nachwuchs zu füttern. Junior wackelte vor Aufregung mit den Füßen, wartete aber geduldig, bis Ben die Vorspeise servierte. Nachdem er diese Häppchen im Schnabel hatte, sollte der Hauptgang kommen, mit dem Ben ordentlich zu kämpfen hatte, bis dieser seinen Hals verließ.

 

 

 

 

Auf dem Nestboden landete ein riesiger Klumpen, der eine Riesenratte oder auch ein Maulwurf gewesen sein könnte. Beim zweiten Anlauf bekam das Küken die Beute zu fassen, stopfte sie sich in den Schnabel und würgte sie hinunter. Anschließend saß es mit einer großen Beule im Hals da und konnte sich nicht mehr rühren.

 

 

 

 

 

 

Nach solch einer Fütterung hilft nur eine Sache – schlafen. Und das tat das Küken im Anschluss ausgiebig.

 

 

Hier lag das Küken mittig im Nest und Ben (?) hatte beim Rückwärtsgang für seinen Fuß keinen anderen Platz, als den Körper des Kükens. Das ließ sich davon jedoch nicht stören, sondern empfand die Berührung sicher wie eine sanfte Massage, weil der Storch das Küken ganz achtsam berührte.

 

 

Um halb zwei unternahm das Küken einen weiteren Versuch, den Strohwall im Rückwärtsgang zu erklimmen. Es sieht nach wie vor unbeholfen aus und Junior hat weiterhin mit der Schwerkraft zu kämpfen, aber die Sache klappt von Tag zu Tag besser. Als kurz darauf beide Eltern im Nest standen und sich einen Moment von der Sonne bescheinen ließen, räkelte sich das Küken im Stroh und streckte alle Gliedmaßen von sich. Liegen ist immer noch die sicherste Position :).

 

 

 

 

Motivation ist alles 🙂

Lilly war ausgeflogen und Papa und das Küken beschäftigten sich im Sonnenschein. Ben beobachtete seinen Nachwuchs und gab gute Tipps, wie man sich auf den Beinen senkrecht halten kann. Hier kommt der Satz zum Tragen, dass man „es nicht nur wissen, sondern auch tun muss“. Es ist nur schwierig, wenn die Natur will, die Beinchen den Kugelbauch aber noch nicht tragen können :). Aber auch das wird noch.

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt Wetterhähne auf dem Dach und Störche auf dem Horst, die die Windstärke anzeigen. Lilly stand um drei Uhr mit einem Grashalm im Schnabel im Nest und zeigte mit diesem an, dass der Wind kräftig blies. Das Küken hatte sich in seiner Liegeposition verschanzt, um nicht fortgeweht zu werden.

 

 

Wenige Minuten zuvor hatte der Wind bei seinen Stehübungen dafür gesorgt, dass das Küken immer wieder das Gleichgewicht verlor. Aber – Übung macht den Meister :).

 

 

 

Das Küken ist dick und rund :). Selbst der Übergang von den Beinen in den gefiederten Bereich sieht rundlich und wie mit Pluderhosen umgeben aus :). Junior hielt sein Bäuchlein in die Sonne, während das Nest trocknete und Lilly das Stroh wendete. Diese Arbeit sollte allerdings umsonst gewesen sein, denn in den Abendstunden setzte erneut ausgiebiger Regen ein, der das Nest wieder in einen Badeteich verwandelte.

 

 

 

Fürs Erste war das Nest aber getrocknet und gegen vier Uhr nachmittags stand Familie Storch sehr zufrieden im Nest.

 

 

 

Ben drehte seine Nachmittagsrunde und ließ Lilly mit dem Küken zurück.

 

 

 

Das Küken hat seinen eigenen Kopf

Als er gegen 18 Uhr einflog, machte sich Lilly auf den Weg, um genügend Abendbrot für Junior einzusammeln. Ben nahm das Küken unter die Flügel, da der Wind sehr kühl und unangenehm war, aber der Krümel bestand auf seinem Ausblick auf die untergehende Sonne. Unter den Flügel – ja, aber der Kopf bleibt draußen.

 

 

 

 

 

 

Am späten Abend setzte der angekündigte Regen ein. Das Küken hatte einen trockenen Nestboden unter seinem Bauch, während die Alttiere eine weitere Dusche in Kauf nehmen mussten.

 

 

Um zehn Uhr gab es nur noch einen malerischen Ausblick auf die Störche, den wir unserer Hausspinne verdanken. Wir wünschen unseren Störchen eine gute Nacht und viel Sonne für den morgigen Tag.

 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Also wieder Toll geschrieben Ev mein Kompliment . zur deine Frage
Also wir glauben ein Maulwurf war das denn ich habe den langen Schwanz vermisst .Lach

nach oben scrollen