Am Ostersonntag stand Otto unter Strom. Glücklicherweise nur bildlich gesehen, aber der Storch überschlug sich mit seinem Arbeitseifer. Dann machte er noch einen unfreiwilligen Flug über das Nest, bei dem er abgetrieben und heftig durchgeschüttelt wurde. Und am Abend gab es die nächste Eiüberraschung – das war ein aufregender Tag.
Otto hatte am Ostersonntag die Frühschicht übernommen und saß zufrieden im Nest. Ein blauer Himmel kündete einen sonnigen Ostertag an, an dem das nächste Ei ins Nest rollen sollte. Dank Ottos Ausbau der Brutmulde passen da noch einige Eier hinein, aber die beiden sollen es nicht übertreiben. Eine entspannte Saison mit gesunden Küken ist, was wir uns alle wünschen.
Jezebel kehrte um acht Uhr vom Frühstück zurück und löste Otto ab. Der marschierte zuerst durch das Nest, sah hier und dort nach dem Rechten und flog schließlich auf Futtersuche.
Vom Winde verweht – ein schwieriger Heimweg
Die Sonne hatte wohl zu viel für den Ostersonntag versprochen, denn nur kurze Zeit später schoben sich schwarze Wolken zusammen und der Wind peitschte in fast stürmischen Böen über das Nest.
Otto hatte sein Frühstück beendet und wollte ins Nest einfliegen, aber das erwies sich schwieriger als geplant. Jezebel war gerade mit dem Wenden der Eier beschäftigt und bekam gar nicht mit, was hinter ihrem Rücken in der Luft passierte.
Zuerst wurde Otto auf seinem Landeanflug einmal von rechts nach links durch das Bild geweht. Anfangs hätte man denken können, dass ein Fremdstorch das Nest überflogen hatte. Als der Storch aber versuchte, sich nun von links kommend zum Nest vorzukämpfen, war klar, dass der Wind mit Storch Otto spielte.
Otto versuchte, mit den Flügeln zu schlagen, um in die richtige Richtung zu steuern, aber das klappte nicht. Der Wind trug ihn hoch und ließ ihn anschließend wieder fallen. Otto zappelte in der Luft und wurde einmal von links nach rechts durch das Bild gepustet. Nur nicht ins Nest.
Hier war nur noch ein Stückchen vom Flügel zu sehen, obwohl Otto gerne auf halber Strecke im Nest gelandet wäre. Und Jezebel bekam von Ottos Schwierigkeiten überhaupt nichts mit. Sie war beschäftigt, während der Storchenpapa hinter ihr in der Luft zappelte und seine Flugrichtung gerne wieder selbst bestimmt hätte.
Aber dann – während der Wind Otto erneut in die andere Richtung schob und Otto wieder im Blitztempo durch das Bild schoss, steuerte der Storch mit voller Kraft dagegen, um irgendwie den Nestrand zu erwischen und aufzusetzen.
Jezebel hatte sich gerade auf die Eier gesetzt, als Otto hinter ihr versuchte, sich im Nestrand festzukrallen und in die Senkrechte zu kommen.
Geschafft! Immerhin hatte der Storch Stroh mitgebracht, das er nun endlich verteilen konnte.
Anschließend noch eine kleine Turnübung und ein Päuschen machen. Diese Nestlandung war wirklich nicht einfach gewesen.
Otto im Arbeitseifer – am Ostersonntag?
Aber gerade deshalb versuchte Otto gleich noch einmal sein Glück. Anscheinend wollte er Jezebel am Ostersonntag liebevoll versorgen und flog daher erneut aus. Der Storch wusste sicher nicht, dass heute Feiertag war.
Die nächste Fuhre Stroh wurde geliefert und neben Jezebel abgelegt.
Bei der nächsten Runde wurde die Störchin warm eingepackt, sodass Kopf und Schnabel nicht mehr zu sehen waren. Und Otto hatte seine Freude an dieser Aktion.
Erneut zurückgekehrt beachtete Otto, dass der Wind aus Westen kam und lud seine Beute daher auf Jezebels „Ostseite“ ab. So waren die Halme durch den Körper der Störchin von den Windböen geschützt. Wenigstens für kurze Zeit.
Immer nur Stroh ist einseitig und langweilig. Daher durften auch einige Äste mit ins Nest. Das erste Gehölz konnte Otto alleine verbauen, denn Jezebel rührte sich nicht von den Eiern weg.
Die nächste Beute wurde geteilt – das Stöckchen für Otto, die Blätter für Jezebel, die sich alles, was Otto einflog, unter den Bauch schob.
Gut, dass Otto die Heu- und Blätterhaufen direkt vor der Störchin aufgebaut hatte. Jezebel zupfte sich ein Blatt heraus und verstaute es an ihrer linken Seite. Das nächste Blatt kam auf die rechte Seite…
So hatte auch die Storchenmama ihr Tun.
Und damit der Vorrat nicht ausging, kamen immer neue Lieferungen von Otto. Von acht Uhr bis halb elf war Otto heute im Arbeitsfieber und flog ständig ein und aus. Kaum hatte er sein Material abgeliefert, war er auch schon wieder verschwunden, um bereits nach wenigen Minuten erneut aufzutauchen.
Bei seinem nächsten Beutezug an diesem Vormittag gabelte Otto einen langen Ast auf, dem Jezebel nun wirklich nicht widerstehen konnte. Sofort sprang die Störchin auf und zerrte am anderen Ende des Astes, während sich Otto heimlich am Nestrand zu den Eiern schlich. Und natürlich blitzschnell auf diesen Platz nahm.
So kommt Mann wieder in den Genuss des Brütens. Anscheinend wird es unter dem Bäuchlein immer schön warm, was angenehm ist, solange die Tagestemperaturen im einstelligen Bereich bleiben. Kein Wunder, dass Otto sein „Wärmekissen“ nicht freiwillig aufgeben will.
Endlich wieder auf den Eiern sitzen
Bis um 15 Uhr durfte Otto in aller Ruhe brüten, während sich Jezebell die Füße vertrat.
Dann bekam die Störchin bis 17 Uhr Zeit, sich den Bauch zu wärmen. Man sollte meinen, dass Eier unter dem Storchenbauch sich eher unbequem anfühlen, aber das ist anscheinend nicht so.
Otto räumte noch ein wenig die Wiese am Nest auf und das bedeutete, dass noch mehr Stroh, das dort einfach rumlag, ins Nest geschleppt werden musste.
Und auch um 18 Uhr lagen dort noch Vorräte rum, die Otto zu seinem Eigentum erklärte und einfach mitnahm. Sehr zu Jezebels Freude, die immer wieder nach Luft schnappen musste, da Otto ihr das Nistmaterial zunehmend über den Kopf schüttete. Drumherum war ja bereits alles zugestopft.
Aber Jezebel bedankte sich mit einem Klapperkuss liebevoll bei Otto, der am heutigen Ostersonntag wirklich alle Fürsorge aufgeboten hatte.
„Hast du schon genug vom Brüten? Ja?? Darf ich wieder???“
„Nein? Schade…“
„Ok. Du darfst noch. Aber nur einen kleinen Moment!“
Nicht mal mit einem weiteren Ast konnte Otto Jezebel aus der Brutmulde locken. Die Störchin hatte sich dort häuslich niedergelassen und schien das auch nicht ändern zu wollen.
Als Otto gegen 20 Uhr einflog, hatte Jezebel Erbarmen mit dem Storch, der schon an Entzugserscheinungen zu leiden schien. Sie tauschten die Plätze und Otto schien der glücklichste Storch der Welt zu sein.
Da war doch noch was
Der krönende Abschluss für diesen Ostersonntag folgte wieder in den Nachtstunden, als nicht Otto, sondern Jezebel auf den Eiern saß. Denn dies war der zweite Tag nach dem letzten Ei – erneute Eierlegezeit.
Und Jezebel hielt sich an den Plan der Natur und um 21:47 Uhr purzelte das dritte Ei in das Fohrder Storchennest. Das Trio ist somit komplett.
Herzlichen Glückwunsch an Otto und Jezebel. Das Nest füllt sich und wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht. Eine gute Nacht für die Minifamilie und für morgen einen angenehmen, aber eierfreien Tag.
Noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Jahren auf dem Storchennest Fohrde geschah? Hier findet sich die Berichterstattung des Tagebuches seit dem Jahr 2019.
https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/





















































I also hope the Loburg „season ticket“ isn’t used this year, and if there were three eggs left, that would be a good thing in that sense… but nature decides on its own, and Otto and Jezebel just follow it: we’ll see what happens this evening…
As always, a great story: thanks EV!!
Thank you, Sandra. 😘
Ich habe in letzter Zeit keine Geduld ein Buch zu lesen…. Aber, liebe Ev, Deine Tagebucheinträge sind so schön und spannend, da warte ich schon immer darauf!!! Vielen lieben Dank!