01.06.2020 – Wer frisst hier wen??

Um fünf Uhr flog Lilly zur Ablösung ein und das Küken war auch schon wach. Mama Lilly war allerdings fürs Weiterschlafen und machte alles dunkel, als Ben vom Nest geflogen war.

 

 

 

 

 

Als Ben nach einer Stunde wieder einflog, war noch immer Schlafenszeit für das Küken angesagt. Daher flog er erneut aus, um sich nützlich zu machen und frisch gemähtes Gras ins Nest zu bringen.

 

 

 

 

 

Frühstück frisch aus der Havel

Anschließend zauberte der Storchenpapa ein überdimensionales Frühstück aus seinem Schnabel. Heute gab es Fisch – allerdings im Großformat. Entweder hat Ben die überschwemmten Wiesen abgefischt oder er wollte sich mit einem Riesenhappen die Arbeit erleichtern – aus seinem Schnabel kam ein (für das Küken) riesiger Fisch. Das Tier war so breit, dass an ein Verschlucken nicht zu denken war.

 

 

Zuerst probierte das Küken, den Fisch im Schnabel zu behalten. Wenn die Beute nicht in der Mitte gepackt wurde, rutschte sie immer wieder auf den Nestboden und war nach kurzer Zeit voller Gras.

 

 

Man kann den Fisch natürlich auch an einem Ende erwischen, aber dann hing so viel Gewicht am Schnabel des Kükens, dass es den Fisch nicht mehr in die Höhe bekam.

 

 

Noch einmal in Längslage probieren und dann in die Querlage wechseln. Aber wie das Küken den Fisch auch zu fassen bekam, mehr als Zupacken war nicht drin.

 

 

 

 

Aber dann sperrte es den Schnabel einfach weit auf, legte den Kopf zurück und irgendwie rutschte der Riesenfisch zum Teil in den Schnabel und war plötzlich im Küken verschwunden. Junior hatte wohl nicht mit diesem Erfolg gerechnet und klapperte den Storchenpapa begeistert an. Rühren konnte er sich allerdings nicht mehr und den zweiten Fisch ähnlicher Größe durfte Ben verspeisen.

 

 

 

 

 

 

Wenn das Küken satt ist

Anschließend fiel das Küken um. Zu jeder Mahlzeit einen großen Fisch und die Versorgung ist gesichert und auch leicht zu beschaffen. Lilly und Ben müssen also zu guten Anglern werden, wenn sich die Futtersuche einfach gestalten soll.

 

 

Vierzig Minuten später konnte man das Küken wieder sehen, aber der Fisch schien noch im Bauch zu stecken. Daher wurde die Verdauungspause ausgedehnt, bis Lilly kurz nach zehn Uhr wieder im Nest erschien.

 

 

 

Das Küken verschnaufte eine weitere halbe Stunde in der Sonne, bis beide Elternteile zusammen auf dem Nest zu sehen waren.

 

 

 

Nach solch einem reichhaltigen Frühstück muss das Bäuchlein aber ordentlich massiert werden, damit sich der Fisch gut verteilt. Und das bekommt das Küken schon sehr gut hin.

 

 

Lilly hilft noch etwas, wenn die Flügelchen an der Unterseite geputzt werden sollen und dabei kann Mama gleich einen Rundumcheck machen.

 

 

 

 

 

Lilly und das Küken kuscheln

Zur Mittagszeit entstanden diese wunderschönen Bilder. Lilly hatte ihren Nachwuchs unter die Flügel genommen und Junior genoss sichtlich die Nähe zur Mutter. Anfangs krabbelte er unter dem Flügel hin und her und streckte seinen Kopf in die Höhe.

 

 

 

 

 

 

Dann kuschelte er sich an die Storchenmama und schlief ein wenig.

 

 

 

 

Ben tauchte eine halbe Stunde später auf und löste Lilly ab. Das Küken verdaute immer noch seinen Fisch, daher ließ es sich nur bewachen und hielt ein weiteres Mittagsschläfchen.

 

 

 

 

Lillys Ausflug in die Wiesen dauerte 1,5 Stunden, aber Ben hatte noch Futter im Hals, das er vor seinem nächsten Start erst loswerden wollte.

 

 

 

Zuerst ist das Küken sehr aufgeregt, wenn Ben oder Lilly den Schnabel öffnen und stößt immer nach diesem. Ziehen die Alttiere den Kopf mehrmals nach oben, reißt sich Junior zusammen und wartet geduldig ab, bis das Futter auf dem Nestboden gelandet ist.

 

 

 

 

Lillys Rückkehr kam zu früh, denn das Küken schlief selig mit vollem Bauch im Sonnenschein. Als es die Storchenmutter wahrnahm, raffte es sich kurz auf und schob sich in die Senkrechte.

 

 

 

 

 

 

 

Stehen mit der Dreibeintechnik

Aber auch noch aufstehen? Das war zuviel. Der Krümel kippte nach vorne, während sich sein Schnabel in den Nestboden bohrte. Damit hatte er gleich zwei Baustellen zu bewältigen. Die kleinen Beine sollten das Gewicht des Körpers tragen und gleichzeitig musste er der Schnabel aus dem Boden ziehen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

 

 

 

 

 

 

Geschafft. Das Küken steht wieder. Aber beim Umdrehen passierte es wieder und das Küken landete erneut mit seinem Schnabel auf dem Boden. Gut, dass die Natur den Schnabel nicht nur als Futtereingang geschaffen hat. Als Krückstock macht er sich in diesem Alter auch sehr gut.

 

 

 

 

“Mir ist heute sooo kuschelig”

Junior war heute ständig auf der Suche nach Nähe und hatte es dabei vorrangig auf Lilly abgesehen. Kurz vor vier Uhr legte er sich vor die Mama und schmuste, was das Zeug hielt. Anschließend schob der Krümel noch ein Schläfchen ein, das von Lilly gut bewacht wurde.

 

 

 

 

Eine Viertelstunde später begutachtete Lilly erneut die Stehversuche ihres Nachwuchses. Das Aufstehen gestaltete sich etwas schwierig, aber den restlichen Weg hatte das Küken unter Kontrolle.

 

 

 

 

Ob Mama oder Papa anwesend ist, ist egal. Das Küken lernt von beiden.

 

 

Das Putzen wird in jeder Haltung imitiert und während die Alttiere im Nest stehen und Ausschau halten, kann Junior das jetzt schon im Sitzen tun.

 

 

Dabei muss in alle Richtungen geschaut werden, um nichts zu verpassen.

 

 

 

Sind die Flügelchen ausgebreitet, ist das jetzt ein Zeichen für eine Fütterung. Sechs Uhr abends ist ja auch Abendbrotzeit, also genau richtig für den nächsten Fisch.

 

 

 

 

 

Schnell noch einen verzückten Blick auf die Storchenbeine werfen, auch wenn da sicher kein Fisch rauskommen wird.

 

 

 

Aber Streicheleinheiten ist auch nicht zu verachten.

 

 

 

 

Während die Sonne versank, machte es sich das Küken wieder unter einem Flügel gemütlich und benutzte diesen als Kopfkissen. Bequemer kann es solch ein Babystorch nicht haben und Mama Storch kann die drei Monate der Kinderstube sogar genießen.

 

 

 

 

 

Ein kleiner Vergleich

Ich habe mal einige Bilder rausgesucht, die die beiden Storchenkinder vom letzten Jahr im Alter von gerade zwei Wochen zeigen (obere Reihe 2019, untere Reihe 2020).

 

 

 

Die Sache mit dem Austreten haben aber alle im Alter von zwei Wochen hinbekommen. (Mit Schnabelhilfe).

 

 

 

Gute Nacht und schlaft gut. Bis morgen alles Liebe.

 

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Liebe Ev, das letzte Bild ist einfach nur herzenserwärmend 💕 – wie eine menschliche Umarmung.

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