01.03.2025 – Rückblick in die Vergangenheit 2019

01.03.2025

Rückblick in die Vergangenheit – Da Ben in einem Nest ohne Kamera seine Vorbereitung für Elfriedes Einzug trifft, werfen wir in den nächsten Tagen einen Blick in die Vergangenheit. Mittlerweile gibt es in Fohrde seit einigen Jahren die Möglichkeit, das Geschehen im Storchennest live zu beobachten. Deshalb ist es an der Zeit, uns an die Anfänge zu erinnern.

 

Das Jahr 2019

Am 11.04.2019 gab es den ersten Tagebucheintrag. Die Saison hatte bereits begonnen (ich war erst zu diesem Zeitpunkt auf die Kamera am Storchennest und die Website aufmerksam geworden). An diesem Tag wurde ein Storch auf dem Nest gesichtet, dessen Gefieder eine deutliche Auffälligkeit zeigte.

 

 

Auf dem Rücken dieses Storches ragten zwei weiße Federn deutlich in den schwarzgefärbten Bereich hinein. Das weibliche Tier des Storchenpaares trug hingegen einen Ring, sodass man beide Störche sehr gut unterscheiden konnte.

Die Störche erhielten später die Namen Ben und Leni. Vom Bauen hielten die beiden anscheinend nicht viel, daher wuchs das Nest in diesem Jahr nicht in die Höhe, was in den folgenden Jahren ganz anders werden sollte.

 

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/familie-storch-hat-ihr-erstes-ei/

 

Am 19.04. 2019 kullerte das erste Ei ins Nest, bis zum 25.04.2019 war das Gelege auf vier Eier angewachsen. Nun wurde fleißig gebrütet. Dabei war auffällig, dass Ben seine Brutzeiten streng einforderte. Dafür zwickte er Leni schon mal freundschaftlich in die Seiten, um diese von den Eiern zu bekommen. Anscheinend genoss er das Brüten, denn die meiste Zeit saß er im Nest und auf den Eiern.

 

 

21.05.2019 – Happy birthday kleiner Storch und Namensgebung für die Eltern

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/21-5-2019-happy-birthday-kleiner-storch/

Am 21.05. hatte das Warten ein Ende. In den frühen Morgenstunden konnte man beobachten, dass die Störche Futter in das Nest würgten. Küken Nummer eins war geschlüpft. Bis zum 26.05. wurde ein Ei nach dem anderen aufgepickt, sodass dann vier Küken im Nest saßen und Futter forderten.

An diesem Tag erhielten unsere Störche auch endlich offiziell ihre Namen.

Nur einen Tag nach seinem Schlupf wurde das jüngste Küken von der Mutter leider aus dem Nest befördert. Wir denken, dass es für Leni die erste Brut war. Storcheneltern werfen kranke oder unterentwickelte Küken aus dem Nest, um nur den stärksten Nachwuchs durchzubringen. Dabei haben die zuletzt geschlüpften Küken leider das Nachsehen. Allerdings gehört dieses Verhalten nicht unbedingt zur Normalität, denn es gibt viele Nester, in denen drei oder vier Jungtiere gesund und munter heranwachsen.

Leider hielt Leni auch Küken Nummer drei für zu klein und beförderte es ebenfalls aus dem Nest. Damit saßen nur noch die beiden ältesten Küken im Nest, die dann auch großgezogen wurden.

 

 

 

Verfrühter Hochsommer

Am 30.06.2019 herrschten in Fohrde tropische Temperaturen um die 30 Grad – eine erste Belastungsprobe für den Nachwuchs. Ben und Leni spendeten Schatten, wo es nur ging und die Küken bekamen einen ersten Geschmack von den Urlaubstemperaturen in Afrika.

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/30-6-2019-heute-gab-es-schlange-zum-mittag/

 

05.06.2019 – Es gibt Ratte zum Kaffee

Wie passt eine ausgewachsene Ratte in ein Küken? Man muss nur lange genug schlucken, dann hat auch ein Tier, das größer ist als ein Küken, im Bauch des Nachwuchses Platz. Trotzdem ließ niemand im Nest das Abendessen ausfallen.

 

Allein zu Haus

Am 06.06.2019 saßen die Küken am Vormittag das erste Mal alleine im Nest. Am Nachmittag wiederholte sich das Szenario und Ben staunte nicht schlecht, als er eintrudelte und sein Nachwuchs den Horst hütete. Leni nahm sich regelmäßig ihre Auszeiten, trudelte in der Gegend herum und war anscheinend der Meinung, dass sich die Küken nun ein wenig mehr um selbst kümmern könnten.

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/6-6-2019-die-kueken-sind-allein-zu-haus/

 

Um den 22. Tag stellen sich Storchenkinder erstmals auf die eigenen Beinchen. Das älteste Küken ignorierte diesen Durchschnittswert und lugte bereits eine halbe Woche vorher im Stehen über den Nestrand. Futter gab es nach wie vor reichlich und bei nur zwei Küken kamen genügend Würmer in jedes Bäuchlein.

Am 08.06.2019 wurde wieder eine Ratte serviert. Ben meinte es gut, allerdings hatte er ein Beutetier erwischt, das weder längs noch quer in eines der Küken passte. Da die Zähnchen zum Zerreißen der Beute beim Storch fehlen, wurde Ben belohnt, indem die Ratte schließlich in seinen eigenen Bauch wanderte.

 

Ein unruhiges Nest

Beim Rückblick in die Vergangenheit war das Fohrder Storchennest noch nie ein Ruhepol. Seitdem Ben und Leni Einzug gehalten hatten, mussten sie sich immer wieder mit fremden Störchen auseinandersetzen. Viele Ostzieher tauchten auf und versetzten Ben und Leni in Unruhe. Richtig ruhig wurde es nie.

Da das zweite Nest direkt “nebenan” steht, laden sich immer wieder ungebetene Gäste ein. Fohrde liegt anscheinend auch lufttechnisch auf der Reiseroute vieler Störche, denn das regelmäßige, lautstarke Geklapper samt Drohgebärden wies fast täglich darauf hin, dass Störche über das Nest zogen.

Die noch unerfahrenen Storcheneltern wurden an ihre Aufsichtspflicht erinnert, als die beiden Küken wieder einmal alleine im Nest saßen und fremde Störche vorbeischauten. Bis zu einem bestimmten Alter sind sie in diesen Situationen stark gefährdet, denn Fremdstörche zögern nicht, Jungtiere aus dem Nest zu werfen, um sich den Horst zu sichern.

Glücklicherweise waren unsere Eltern schnell lernfähig und bereits einen Tag später glänzten sie mit ständiger Anwesenheit.

 

 

Nach den tropischen Temperaturen folgten Mitte Juni Tage mit Regen und Gewitter. Mit Sonnenschein wächst es sich angenehmer, aber mit Regen läßt es sich besser schlemmen. Beide Küken wurden mit Würmerladungen vollgestopft, denn Leni und Ben brauchten diese nur einzusammeln. Zunehmend wurden auch Mäuse gefüttert, von denen die Storcheneltern immer reichlich ins Nest brachten.

 

Die Küken sind vier Wochen alt – Zeit für eine Rückschau

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/18-6-2019-die-kueken-sind-4-wochen-alt/

Wie rasant sich Storchenkinder innerhalb von vier Wochen entwickeln, zeigte der Rückblick in die Vergangenheit im Tagebuch. Von hilflosen Wesen hatten sich die beiden bereits zu kugelförmigen Ministörchen entwickelt, die sich schon selbstständig putzen, ihr Geschäft über den Nestrand hinaus verrichten und jede Menge Mäuse, Ratten, Fische und Grashüpfer vertilgen konnten.

 

Söckchen und das Geschwisterchen

Die Beinfarbe der Storchenkinder veränderte sich. Bei einem der Küken geschah das so auffällig, dass es aussah, als ob dieser Nachwuchs Söckchen anhatte. Die bisher helle Beinfarbe dunkelte nach, was sich lange Zeit nur auf den unteren Beinbereich bezog. Deshalb wurde dieses Küken “Söckchen” getauft und beide Küken ließen sich nun optisch wunderbar unterscheiden.

 

 

38 Grad am 26.06.2019

Das heiße Sommerwetter hielt auch Ende Juni an. Die Temperaturen blieben konstant über 30 Grad, der Regen ließ auf sich warten. Glücklicherweise liegt Fohrde in wasserreicher Umgebung und die nächste Möglichkeit, den Durst zu löschen, befindet sich nur wenige Flügelschläge vom Nest entfernt. Während Ben und Leni zur Erfrischung täglich den Kopf ins Wasser steckten, wurden die Küken regelmäßig mit Wasser überschüttet, um zu baden und abzukühlen.

Am 27.06. kam die Erlösung, denn das Thermometer sank um 10 Grad. Plötzlich fühlten sich 27 Grad angenehm an und auch die Störchlein konnten etwas aufatmen.

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/26-6-2019-38-grad-ueberstanden/

 

Ein Leckerbissen zum Fressen – Schlange

Der letzte Tag im Juni bescherte einem der Jungtiere eine besondere Delikatesse – Mama Leni brachte eine Schlange ins Nest. Ein seltener Fang, aber auch in den folgenden Jahren immer wieder Bestandteil der Speisekarte, wie ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt. Dieser überdimensionale Wurm forderte die ganze Geschicklichkeit, denn eine Schlange zu verspeisen, während das zweite Küken am anderen Ende zieht, ist schwierig. Letztlich wurden beide Küken satt und lagen mit prallen Bäuchen in der Sonne, um ein entsprechend langes Verdauungsschläfchen zu halten.

 

Anfang Juli normalisierten sich die Temperaturen auf 20 Grad, sodass die Natur aufatmen konnte. Ben und Leni verbrachten ihre Nächte zunehmend auf dem zweiten Nest, von dem sie ihren Nachwuchs im Blick hatten, aber selbst ungestört waren.

In der ersten Juliwoche wurden die Jungen immer quirliger und begannen mit den ersten Flugübungen. Mit ausgebreiteten Flügeln wurde durch das Nest geflattert, auf das Geschwisterküken gehüpft und probiert, wie viel Schwung es braucht, um vom Boden des Nestes abzuheben.

 

12.07.2019 – Land unter im Storchennest

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/12-7-2019-swimmingpool-fuer-die-kueken-und-futter-im-teich/

An diesem Tag verwandelte sich das Nest in einen Badeteich. Bereits in der Nacht hatte der Regen begonnen, der sich den restlichen Tag fortsetzte. Am Nachmittag stand das Wasser im Nest bereits so hoch, dass die Jungen dort plantschen konnten. Das Stroh und die Erde hatten sich in Schlamm verwandelt und dementsprechend sahen die Küken wie kleine Schlammferkel aus. Da das überschüssige Wasser nur langsam abfloss, hieß es, auf bessere (trockenere) Zeiten zu warten.

 

 

 

 

Mitte Juli hob das ältere Jungtier zum ersten Mal wenige Zentimeter vom Nestboden ab. Nicht nur die Küken hatten sich prächtig entwickelt. Auch Ben und Leni waren hervorragend in ihre Elternrolle hineingewachsen. Leni brachte häufig noch spät am Abend eine Mahlzeit in der Kinderstube vorbei, bevor beide Eltern ihrem Nachwuchs vom zweiten Horst einen Gutenachtgruß hinüberklapperten. Leni zeigte sich vor allem bei nächtlichen Gewittern als liebevolle Beschützerin und flog zu ihrem Nachwuchs hinüber, um die Unwetter gemeinsam auszusitzen. Mit Rückblick in die Vergangenheit war ihr damit die radikale Auslese der Küken verziehen.

 

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/13-7-2019-ich-kann-fliegen-ein-bisschen/

25.07.2019 – Ein dritter Storch im Nest?

In den späten Nachmittagsstunden saßen plötzlich drei Küken im Fohrder Storchennest. Ein älterer Jungstorch aus der Umgebung wollte anscheinend bei seinen Nachbarn vorbeischauen und Spielgefährten finden. Bei seinen ersten Ausflügen brauchte er möglicherweise eine Pause zum Ausruhen, weswegen ihm das Fohrder Storchennest passend erschien. Wahrscheinlich konnte er hier leichter landen als auf einem Dach.

Unsere Storchenkinder hielten den Besuch zuerst für einen Elternteil, weswegen sie sofort in die Bettelposition niedergingen. Nachdem auch sie mitbekommen hatten, dass dieses Tier wohl kein Futter ausspucken würde, herrschte etwas Verwirrung im Nest. Nach einer kurzen Starre wurde das fremde Jungtier aus dem Nest gescheucht, sodass niemand zu Schaden kam. Solche Bilder sind im Rückblick in die Vergangenheit außergewöhnlich, daher war dieser unfreiwillige Besuch im Nest eine sehr spannende Situation. Nur gut, dass Ben und Leni nicht zu Hause waren, sonst wäre es für den “Zwischenlander” nicht so glimpflich ausgegangen.

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/25-7-2019-ploetzlich-sind-die-kueken-zu-dritt/

 

 

28.07.2019 Leni fängt alles, was vier Beine hat und in den Schnabel passt

Futterorgie in Fohrde. Und das Ende Juli während einer Hitzewelle. Von wegen, es gibt nicht genug Futter. An diesem Tag stellte Leni alle diesbezüglichen Aussagen in den Schatten. Bei der Fütterung am Vormittag lieferte sie 9 Mäuse und Ratten aus, die im Verhältnis von 6:3 an die beiden Jungen gingen. Am Nachmittag wiederholte sich die Szene. Diesmal gab es wieder neun Beutetiere und es wurde 5:4 aufgeteilt. Rechnet man Bens Würmerlieferungen noch hinzu, fragt man sich, wie diese 11 bzw. 7 Mäuse und Ratten in jeweils einem Küken verschwinden können. Plus Nachtisch. Damit hat Leni, mit Rückblick in die Vergangenheit, einen Fütterungsrekord aufgestellt.

Endlich fliegen

Am 30.07.2019 war es dann soweit – das ältere Küken erhob sich erstmals in die Luft und segelte zum zweiten Nest hinüber. Für die Küken ist das zweite Nest sehr praktisch zum Fliegenlernen. Sie müssen nicht auf dem Boden landen und anschließend von dort aus versuchen, wieder in die Lüfte zu kommen.

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/30-7-2019-das-erste-storchenkind-fliegt/

Das Küken hüpfte, begeistert von seiner Leistung, im Nest herum, bevor es auf das nebenstehende Scheunendach flog, um von dort die Rückreise ins Heimatnest anzutreten. Von da an sauste es von einem Nest auf das andere und stattete auch der Pferdewiese einen Besuch ab. Das jüngere Küken, Söckchen, verbrachte bis zum 02.08.2019 viel Zeit alleine auf dem Nest und sah zu, wie die restliche Familie durch die Luft kurvte oder auf der Wiese gemeinsam nach Futter suchte.

Doch dann zog es auch den jüngeren Storch in die Luft und er stürzte sich mutig vom Nest. Allerdings flog Söckchen nicht sofort zum zweiten Nest hinüber. Der Jungstorch segelte im Direktflug auf die Wiese. Der Hunger hatte ihm wohl den Weg gewiesen.

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/2-8-2019-ein-grosser-tag-fuer-soeckchen/

 

 

Von da an waren die Jungen immer seltener im Nest zu sehen. Abends trudelte Familie Storch in den beiden Nestern ein, um in Ruhe zu schlafen, tagsüber waren sie auf den umliegenden Wiesen unterwegs oder segelten am Sommerhimmel. Nur wenige Tage nach dem Abheben beider Jungstörche mussten die Tiere einen Sturm aushalten, der sich von der Intensität wie ein Tornado anfühlte und ganze Vogelschwärme mit völlig untypischem Verhalten zeigte. Vorbereitung auf das wirkliche Leben.

Aber alles verlief glimpflich.

 

19.08.2019 – Aufbruch in ein neues Leben

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/19-8-2019-der-letzte-tag/

Unsere beiden Küken machten sich am 19.08. auf den Weg nach Afrika. Wahrscheinlich flog Leni gemeinsam mit ihren Kindern, denn sie war nach dem Abflug des Nachwuchses nicht mehr auf einem der Nester zu sehen.

Ben blieb noch einige Tage vor Ort, obwohl er nicht jede Nacht auf seinem Horst verbrachte. Am 22.08.2019 erhob auch er sich am Morgen in die Lüfte und verabschiedete sich in Richtung Winterquartier.

 

 

 

 

https://www.storchennest-fohrde.de/tagebuch/21-8-2019-auch-ben-hat-das-nest-verlassen/

 

Bis er im nächsten Frühling nach Fohrde zurückkehrte.

https://www.storchennest-fohrde.de/archiv/tagebucharchiv/

 

PS: Der nächste Rückblick in die Vergangenheit erscheint in der kommenden Woche.

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3 Kommentare
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Danke Ev, toller Rückblick. Wie man sich aufeinmal wieder an alles erinnern kann. Leni wurde sogar damals in der Aufzucht in Garlitz abgelesen, was ziemlich weit weg ist um Futter zu suchen. Sie hatte auch nicht immer Lust die Mama zu spielen. Aber besser als in den letzten Jahren wo die Küken einfach aufgegeben wurden. Oft ein typisches Verhalten von jungen Paaren. Daher bin ich mir zu 90 Prozent sicher, dass der letzte Emil, nicht der Emil von 2023 war. Der hatte ja auch gebaut wie ein Weltmeister und der aus dem letzten Jahr fast gar nicht. Ja, dass bekommt… Weiterlesen »

Ja, ein untypisches Verhalten in der Brut! Gruß